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http://www.archive.org/details/neuewirbelthiere00rupp
Neue Wirbelthiere
zu der
Fauna von Abyssinien gehörig,
entdeckt und beschrieben
D: Eduard Küppell.
9118 ————ii
Srankfurt am Main. In Commission bei Siesmund Schmerber.
1835 — 1840.
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Allgemeine Vorrede.
Vor fünf Jahren begann ich auf meine eigenen Kosten die Herausgabe der Beschreibung und Abbildung der von mir auf meiner letzten afrikanischen Reise entdeckten abyssinischen Wirbel- thiere, und ich war mir dabei wohl bewusst, wie manchen Schwierigkeiten und Opfern ich durch dieses Unternehmen entgegen ging. Das Publikum, welches sich für ähnliche Bekanntmachungen interes- sirt, ist wenig zahlreich; Buchhändler unternehmen daher den Verlag solcher Werke für eigene Rechnung beinahe nie, weil sie dabei keine Aussicht auf Gewinn haben. Ist daher der von mühseliger Reise heimkehrende Naturforscher nicht im Stand, eine nahmbare Geldsumme bei der von ihm gewünschten Veröffentlichung seiner Entdeckungen zuzulegen, oder wird er hierin nicht von einer Regierung durch pecuniäre Zuschüsse kräftig unterstützt, wie dieses in Frankreich, England und Russland der Fall ist, so gerathen grössere mit colorirten Abbildungen versehene naturgeschichtliche Werke immer vor ihrer Vollendung ins Stocken. Trotz der grossen liberalen Unterstützung von Seiten des Königs von Preussen, ist von Ehrenberg’s zoologischem Werk über Nordost-Afrika kaum der zehnte Theil publieirt worden; die naturhistorischen Abbildungen brasilianischer Thiere des Prinzen von Neuwied sind unvollendet geblieben; Natterer’s ungeheuerer Vorrath an neuentdeckten Natura- lien scheint nie durch erläuternde Abbildungen und Erklärungen gemeinnützig zu werden. Bei der Herausgabe des gegenwärtigen Werks kündigte ich nur zwölf Hefte an; ich suchte zugleich die Gewinnsucht der Buchhändler durch das Zugeständniss eines sehr bedeutenden Rabatts zu reizen, um so meiner Bekanntmachung einigen Absatz und Verbreitung zu verschaffen; dabei richtete ich meine Bearbeitung so ein, dass, wenn ich dieselbe abzubrechen gezwungen seyn würde, das davon Erschienene leicht zu einem gesonderten Ganzen, für jeden Naturforscher brauchbar, abgeschlossen werden konnte. Gewöhnlich gab ich in den einzelnen Lieferungen ohne Preiserhöhung mehr als die doppelte Zahl der versprochenen Textbogen, und auf den Tafeln öfters zahlreichere Abbildungen als ich angekündiget hatte. Aber trotz dem allen fanden sich in ganz Europa kaum 60 Abnehmer auf dieses Werk, wesshalb ich nach und nach grosse Geldopfer zu bringen genöthiget war; um das Ergebniss meiner Forschungen wenigstens zu verbreiten, habe ich freilich eine nahmbare Anzahl Exemplare des ganzen Werks theils verschenkt, theils mit naturhistorischen Publicationen anderer Autoren, wenn solche für mich Interesse hatten, direet vertauscht. Indem ich zwei Hefte, das Zwölfte
und Dreizehnte, als doppelte Lieferungen erscheinen liess, entsprechen dieselben durch Text und Tafel- zahl dem Inhalt von Fünfzehn Lieferungen, und es gelang mir in denselben alle von mir beobachteten Fische des rothen Meeres, die Vögel aus den fünf ersten Ordnungen, den grössten Theil der Säuge- thiere, und die vorzüglichsten unter meinen neuen Amphibien abzubilden und zu beschreiben. In einem Vierzehnten Doppelheft gedachte ich die Abbildungen und Beschreibung der von mir entdeck- ten Vögel aus den beiden letzten Ordnungen dieser Klasse zu veröffentlichen, und in einem Fünfzehnten Heft von gleicher Stärke und Umfang wollte ich alle neuen Thiere aus den noch zu durchmusternden Familien der Säugthiere und Amphibien darstellen. So sollten die von mir gesammelten Belege zu einer Naturgeschichte der Wirbelthiere des nordöstlichen Afrika bekannt gemacht werden, welcher diese Abbildungen als Vorläufer dienen.
Aber ich ward es überdrüssig, fortwährend grosse Geldopfer zu bringen, um so mehr, da der gehoffte kleine Ersatz durch den Ertrag der von mir veröffentlichten Reise nach Abyssinien keineswegs meinen Erwartungen entsprach; ja das Endresultat dieser Publication meines Reiseberichts war, dass ich die ganze Edition selbst mit Verlust auf meine baaren Auslagen des Druckes einem Buchhändler als Eigenthum überlassen habe, damit wenigstens diese Bekanntmachung in Circulation gesetzt werde, ehe ein Theil ihres Interesses verloren ist durch das unvermeidliche compilatorische Abschreiben, welches sich Bücherfabrikanten erlauben.
Was mir noch von neuen abyssinischen Wirbelthieren zu veröffentlichen übrig geblieben ist, werde ich nach und nach in einzelnen monographischen Abhandlungen in dem Museum Senckenbergianum publiciren, wie ich dieses bereits theilweise mit meiner Bearbeitung der Nilfische gethan habe. Vielleicht trägt dieses dazu bei, ein grösseres Interesse für jene naturhistorische Zeitschrift zu erwecken, die sich nur mit Mühe fortschleppt, trotz des pecuniären Zuschusses, welcher dem Verleger für die Fortsetzung dieser Herausgabe gemacht wird.
Schliesslich muss ich noch bemerken, dass ich in gegenwärtigem Werk bei allen Maasangaben mich des Pariser Fusses bedient habe, und solcher durch das Zeichen O, dessen Untereintheilung in Zoll durch /, und in Linien durch angedeutet ist, welches, wie ich später fand, von dem gewöhn- lichen Gebrauch abweicht, dem zufolge der Fuss durch ‘, der Zoll durch ”, und die Linie durch ”
bezeichnet wird.
Frankfurt a. M. den 1. Mai 1840.
Dr. Eduard Ruppeu.
Neue Wirbelthiere
der Fauna von Abyssinien gehörig,
entdeckt und beschrieben
D: Eduard Wüppell.
Saugelhiere.
Srankfurt am Main. In Commission bei Siegmund Schmerber.
1835.
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der freien Stadt Frankfurt,
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seines Strebens, die wissenschaftliche Bildung in der Vaterstadt zu fördern
ehrfurchtsvoll gewidmet
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Saugethiere.
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Colobus. Illiger. Taf. 1.
Colobus Guereza. Rüppe.
Diagnos. Colobus corpore, facie, sincipite, auchenio et cauda ad dimidiam usque aterrimis; tznia frontali, regione temporali, parauchenio, mento, gutture et cingulo ab interscapulio ad primnam elongato -- villis sericeis longissimis, pracordia hypochondria et lumbos obtegentibus — candidissimis, niveis. Cauda parte posteriore albicans floccosa, callus analis colore nigro, albo limbato.
Die Affen-Gattung, welche Illiger mit der Benennung Colobus in dem Prodromus mammalium et avium aufstellt, kann wohl als eine bisher unvollständig gekannte angenommen werden, weil nur wenige Häute von den bei derselben genannten Arten nach Europa gebracht worden sind, welche überdiefs als von den Bewohnern der Gegenden, in welchen sie leben, zubereitet, zur Untersuchung und generischen Bestimmung kaum geeignet sein mochten. Sie ist defswegen auch nicht von Cuvier in der zweiten Ausgabe seines Regne animal als Gattung aufgenommen worden. Somit vermissen wir bei allen Schriftstellern jede Auskunft über die Zahnbildung, das Knochen- gebäude, die Zergliederung der inneren Theile und die Lebensart der Thiere, die derselben an- gehören sollen. In dem durch das an den vordern Extremitäten gänzliche Fehlen des Daumens charakterisirte Geschlecht Colobus, stellte Kuhl*) drei Arten auf, welche C. polycomos, ferrugineus und Temminckii benannt werden; Desmarest**) glaubte sich berechtiget, die beiden ersten dieser Arten als Altersverschiedenheiten vereinigen zu müssen. Temminck endlich ***) scheint das ganze Geschlecht verwerfen zu wollen, um es mit Semnopithecus zu verschmelzen. Ungewilsheit über Gattung und Arten sind überall ersichtlich.
In den waldigen Niederungen von Süd- und West - Abyssinien (den Provinzen Godjam und Kulla) erhielt ich mehrere Individuen einer neuen Art dieses seltenen Geschlechts; diese weicht sowohl durch Farbenvertheilung als Haarbildung so auffallend von den bekannten Arten ab, dals über ihre specifische Verschiedenheit kein Zweifel obwalten kann. Anders verhält es sich mit dem Hautfragment, über welches Herr Bennet der Zoologischen Gesellschaft in London am 26. Juni 1832 Bericht erstattete, und welches er fragsweise dem Colobus polycomos zuschreibt, das aber vermuthlich einer Haut von meinem C. Guereza angehört. Eine genaue ausführliche Beschreibung dieser neuen Art dürfte daher den Naturforschern gewils nicht unwillkommen sein.
*) Kuhl Beiträge etc. pag. 7. genus III. «*) Desmarest mammalogie pag. 53, genre V. ***) Temminck tableau methodique pag. XII. Säugethiere. 1
2 Colobus Guereza.
Osteologie.
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. 4 LI | Zahnformel. Incisores Canini , — |, Molares - —,
a’ 1
132:
Backen-Zähne des Kiefers lter und 2ter, 2 spitzig; 3ter 4ter und Ööter, 4 spitizig, alle senkrecht gestellt.
Backen-Zähne der Lade Iter und 2ter, 2 spitzig von vornen nach hinten schiefgestellt ; 3ter und 4ter, 4 spitzig; der Ste, 5 spitzig, die vereinzelte fünfte Spitze nach hinten gerichtet; der 3te, 4te und Ste senkrecht gestellt.
Gesichtsfläche fast geradlinig von dem vorderen Zahn-Rande des Kiefers bis zu dem oberen Augenhöhlen - Rand.
Schädelfläche. — Der obere Augenhöhlen-Rand tritt etwas hervor, dadurch, dafs die Glatze (glabella) hinter demselben vertieft ist. Die Stirne erscheint dagegen mit einer merklichen Wöl- bung. Von dem Jochbeinfortsatz des Stirnbeins (processus zygomaticus ossis frontis) erhebt sich eine deutliche scharfkantige Leiste (crista seu linea plani semicircularis), welche über die äufsere Fläche des Stirn und des Scheitelbeines laufend, sich an dem hinteren Theile des letzteren, mit der von der entgegengesetzten Seite kommenden vereinigt, und zu einer gemeinschaftlichen eine Linie und drüber erhabenen Leiste verschmilzt, welche sich an dem Hinterhauptbein endiget, und so die Grenze für die Insertionen des Schläfemuskels bildet. Der Jochbein-Bogen ist über der Schläfegrube nach vornen stark gewölbt und nach der Gesichtsfläche vorgeschoben.
Die ganze Wirbelsäule besteht aus 56 Wirbeln, wovon 7 dem Hals, 12 dem Rücken, 7 den Lenden, 3 dem Becken und 27 dem Schwanze angehören. Verglichen mit dem Skelet eines Cercopithecus sabäus, finde ich nur nachstehende Verschiedenheiten als nahmbar herauszuheben. Das Schulterblatt des Colobus bildet ein gleichschenkliches Dreieck, wobei der untere Rand zur Basis dient, und sich zu den beiden andern verhält wie 4 zu 3. Die Spina desselben ist nach dem Acromium zu abgeplattet. An dem Becken ist der innere obere Rand des Ileum nach aulsen zu übergebogen, so dafs dieser Theil des Beckens schaufelförmig ausgehöhlt erscheint. Die hintere Fläche des Ischion, welche den Schwielen entspricht, ist auffallend breit. Der Metacarpus des Daumens hat an seinem Fingergelenk keine Phalangen, statt deren endiget er mit einem unter der Haut liegenden, auf ihm articulirenden Knöchelchen, das kaum eine Linie im Durchmesser hat und wie ein Sesambeinchen gestaltet ist. An sich ist der Daumen-Metacarpus nur halb so lang als derjenige des Mittelfingers, welcher der längste der Vorderhand ist. Derjenige des Ringfingers ist etwas kürzer, die des Zeige- und des kleinen Fingers beide gleich lang.
Körperbeschreibung und Ausmessung.
Farbe. Ganzes Gesicht, Ohren, Oberkopf, Nacken, die ganze Mitte des Vorderrücken, Schultern, Brust, Bauch, die vordere Hälfte des Schwanzes, die Schenkel und Füfse schön sammet- schwarz; ein Stirn-Rand, die Gegend der Schläfe, Seiten des Halses, Kinn und Kehle, ein Gürtel, der von den Schultern aus an den Seitentheilen des Körpers hinzieht, sich auf den Lenden vereiniget, und mit langen, seidenartigen Haaren über die Brust, Unterleib und Hüften herab- hängt, so wie eine Einfassung um die nackten Schwielen des Hintern, schneeweils; hintere Hälfte
Colobus Gruereza. 3
des Schwanzes, die sehr flockig ist, weifs; jedes Haar ist durch viele braune feine Ringe leicht gefleckt und hierdurch von silbergrauem Ansehen. Auf den Hüften und im Gesicht weilse Haare im schwarzen Grunde eingemischt. Die Behaarung überhaupt ist lang und sanft anzufühlen, die weilsen Haare auf den Seiten des Körpers theilweise über einen französischen Fuls lang. Schwielen am Hintern, Fufssohlen und Nägel schwarz; die Nägel sind länglich, zusammengedrückt und convex gewölbt. Die nämliche Farbenvertheilung findet bei den beiden Geschlechtern, wie auch bei den Jugendlichen Thieren statt, nur sind eben bei letzteren und den ausgewachsenen Weibchen die weilsen Haare an den Seiten des Körpers viel kürzer.
Körperausmessung eines ganz ausgewachsenen Männchens, nach dem Leben aufgenommen:
Von der Nasenspitze bis zur Basis des Schwanzes *) . © ß 0 . A Schwanzlänge, ohne die Quaste 0 . Ä 0 6 6 6 : RA AEG: Länge der Quaste . ö . Ö . © 6 0 . 6 0 . — #2 W_
Nach dem Skelet aufgenommen:
Länge des Schädels von dem Rande des mittleren Schneidezahns bis an das Ende
der Crista oceipitalis o o ö 0 B ö . . . .— 5%. Verticalhöhe des ganzen Kopfes von der Basis des Unterkiefers bis zur oberen Fläche
des Stirnbeines 6 o 6 ö 0 ° s 6 ö GE, Länge der vorderen Extremität vom Kopfe des Humerus bis zum Anfang der Handwurzel — 11. 3. Von dem linken Ende des Os pisiforme bis zur Nagelspitze des Mittelfingers . — 4,10. Länge der hintern Extremität vom Kopfe des Femurs bis zum Anfang der Fufswurzel 1. 3. 9. Von dem hintern Ende des Astragalus bis zur Nagelspitze der Mittelzehe . ee Länge der Wirbelsäule vom Foramen occipitale bis zum Ende des letzten Beckenwirbels 1. 4. 8. Länge sämmtlicher Schwanzwirbel . 0 0 . B . . . . 2 d —
Notitzen über den innern Körperbau:
Der Magen ist im Verhältnisse zu der Masse des Körpers sehr grols; er bildet einen läng- lichen halbbogenförmig gekrümmten Sack, durch mehrere transversale Muskelstreifen wulstig ein- geschnürt; das Cöcum ist ein kurzer Kegel mit breiter Basis; das Colon lang, um doppelt so dick als die dünnen Därme.
Von der Cardia bis zum Ductus choledochus, längs der inneren Krümmung des Magen-
sackes gemessen © ® . ® . Ö 0 6 : 0 0 ae Länge der dünnen Därme . 0 D 0 b . . . . 0 oe & Länge des Cöocum . D 0 ö 0 . . . . . - .— 3 Länge des Colon und Rectum . . . . . . . . . . 3.11. —
Die Leber bestehet aus 4 Hauptlappen, von denen jeder mehrere kleine Einschnitte hat. Der rechte Lungenflügel theilt sich in vier, der linke in drei Lappen.
*) Alle meine Maasangaben sind in französischen Fuss, Zoll und Linien ausgedrückt.
4 Colobus Guereza.
Die Vagina ist der ganzen Länge nach an der inneren Wand mit vielen kleinen Fleisch- warzen besetzt. Ende December fand sich im Uterus ein beinahe ganz ausgebildeter Fötus. Die Ruthe ist dünn, ziemlich lang, frei herabhängend, mit kleiner stark gerunzelten Eichel.*)
Der abyssinische Colobus lebt in kleinen Familien auf hochstämmigen Bäumen meist in der Nähe von fliefsendem Wasser. Er ist behende, lebhaft, und doch nicht lärmend; dabei über- haupt von harmloser Natur, indem er nicht wie so manche Affenarten grolse Verwüstungen unter den Anpflanzungen anrichtet. Ich sah einige Individuen, die durch unsere Jäger angegriffen wurden, von Baumästen 40 Fufs hoch herabspringen. Die Nahrung dieser Thiere bestehet aus wilden Früchten, Sämereien, Insecten und ähnlichem; mit dem Einsammlen solcher Nahrungsmittel sind sie den ganzen Tag beschäftiget, Nachts schlafen sie auf Bäumen. In Abyssinien kömmt dieser Affe nur in den Provinzen Godjam, in der Kulla, und besonders in Damot vor; in lezterer wurde namentlich von den Landeseingebornen vor Zeiten regelmäfsig Jagd auf ihn gemacht, weil es zu den Attributen der Auszeichnung gehörte, ein mit dem Theile des Felles eines Colobus, welcher den Gürtel mit den langen Haaren enthält, verziertes ledernes Schild zu besitzen. Man bezahlte daher ehemals ein solches Stück Fell zu Gondar bis zu einem Species Thaler. Der abyssinische Landesname dieses Thieres ist Guereza. Hiob Ludolf in seinem schätzbaren Werke über Aethiopien erwähnt bereits seiner,**) und publicirte auch eine angebliche Abbildung desselben, die aber ganz willkührlich nach einem anderen Affen gefertiget ist. Auch Salt erwähnt dessen in seiner zweiten Reise nach Abyssinien,***) gibt aber davon eine ganz fehlerhafte Beschreibung, aus der man sieht, dafs er dabei nur die Ludolfische Abbildung, und das Bruchstück einer Haut benutzte. Zu bemerken ist, dafs in den Abyssinischen Provinzen, die Salt bereiste, dieser Colobus
gar nicht vorkommt.
*) Was man unter dem Namen Backentaschen verstehet, deren An’- oder Abwesenheit man bei der Charakteristik einzelner Genera der Familie der Affen aufführt, habe ich nie recht verstehen können, denn ich fand in dem Munde keines einzigen Affen an den von mir beobachteten Gattungen Cynoscephalus, Macacus, Cercopithecus, oder Colobus etwas das mit einer Tasche verglichen werden könnte, obgleich die naturwissenschaftlichen Schriftsteller solches annehmen. F. Cuvier, in seinem Artikel Cynoscephales (Mammiferes Livraison 12) beschreibt ausführlich die Backentaschen folgendermassen: L’on trouve de chaque cot& des joues l’ouverture d’un sac, qui descend jusque sous le cou, et ou ces animaux cachent les aliments qu’ils ne consomment pas. Alle Affen, die ich geschen habe, pflegen harte Nahrungsmittel einige Zeit zwichen der innern Wange und dem Zahnfleisch zu bewahren, wahrscheinlich um durch mechanischen Druck eine vermehrte Absonderung des Speichels zu bewirken. Hierbei wird äusserlich die Form des Backens aufgeblähet, gleich wie bei jedem Menschen, der an diese Stelle der Mundhöhle einige Haselnüsse brächte. Wie kann aber so eine ganz mechanische Sache, die bestimmt allen Aflenarten gemein ist, zur Aufstellung von Backentaschen als generischer Charakter einzelner Sippen aufgeführt werden ?
**) Historia Aethiopica Lib. I. Cap. 10. 58. Die Abbildung ist wahıscheinlich nach einem Hapale ouistiti gefertiget.
***) Salt Appendix pag. XLI.
Macacus. Ouvier.
Taf. 2.
Macacus Gelada. Riüppell.
Diagnos. Mas adultus. Macacus sineipite, dorso quasi pallio vestito — villis perlongis laxis, ad humeros et brachia porrectis, — corpore subtus, antibrachiis, podiis et podariis ex brunnco nigricantibus; coma nuchali, regione temporali, parte externa scelidum et cauda — apice floccosa — glandicoloribus. Pars depilis ad jugulum, altera ad pectus — forma triangulari, apicibus adversis —, carneis. Facies nuda et calli anales ex cinereo - nigricantes.
Osteologie
Zahnformel. Incisores 2 Canini —ı, Molares 22 32, _ s—5
Schneide-Zähne des Kiefers und der Lade von fast gleicher Gestalt, senkrecht gestellt und gleich gereihet.
Eck-Zähne des Kiefers sehr robust, sehr lang (viermal so lang als die Backen -Zähne) nach hinten und vornen mit einer langen Furche versehen.
Backen-Zähne sind im Ganzen gestaltet wie bei den Cynoscephalus Arten; ausgezeichnet sind die drei letzteren des Kiefers dadurch, dafs an ihnen ausser der vierspitzigen Krone, eine zwar etwas tiefer liegende, aber doch wohl vorspringende, nach vornen gerichtete, queer laufende Schmelzleiste deutlich sichtbar wird, welche an dem 3ten und 4ten Backen-Zahn der Lade eben- falls vorhanden, aber an der hinteren Seite derselben bemerkbar ist. Der 5te Backen-Zahn der Lade ist 5spitzig. An den Zähnen, deren Kronen-Spitzen abgenutzt sind, verschwinden auch diese Leisten.
Schädelbildung.
Der Schädel kürzer als bei einem Cynoscephalus hamadrias von gleicher Körpergrölse, da- gegen fällt der verticale Durchmesser durch seine bedeutende Erhöhung auf. Die ganze Gesichts- fläche ist von dem vorspringenden obern Augenhöhlen-Rand bis zu dem untern Nasenhöhlen- Ausschnitt ausgeschweift, so dals selbst die Nasenknochen an der Bildung dieser concaven Linie betheiligt sind. Von der sehr vertieften Maxillar-Grube an ist die Gesichtsfläche dabei sehr comprimirt bis zu dem Intermaxillar-Knochen, mit welchem sie breiter wird, und auch die concave Profil-Linie sich wieder erhebt, und mit einer Wölbung über der Basis der Schneide-Zähne endet; das ganze Gesichts-Profil gewinnt dadurch die Gestalt einer wellenförmigen Linie. Die wohlaus- gedrückten, hervortretenden Linien der Schläfemuskel-Fläche schliefsen eine etwas vertiefte dreieckigte Glatze (glabella) auf der Stirnfläche ein, vereinigen sich sodann auf der Mitte des Schläfebeins zu einer gemeinschaftlichen Leiste, welche dem Verlaufe der Stirn und Pfeil-Naht folgend bis zum Hinterhaupt sich erstreckt. Die Scheitelknochen sind beträchtlich gewölbt und erhaben. Mit dieser Darstellung von dem Schädel- und Zahnbau ist eine Aflen-Art charakterisirt, welche als ein Binde-Glied die Mitte zwischen den Gattungen Cercopithecus und Cynoscephalus hält, und zugleich als eine von den Typen beider wesentlich verschiedene angenommen zu werden geeignet ist.
Bei dem ganz ausgewachsenen Weibchen, welches immer Y; kleiner als das alte Männchen, Sängethiere. 2
6 Macacus Gelada.
ist die Stirnglatze unter Berücksichtigung der allgemeinen Verhältnisse bei weitem gröfser als beim Männchen; dagegen sind die Eck-Zähne an beiden Kiefern viel kürzer und beinahe von gleicher
Länge wie die Backen-Zähne.
Körperform, Farbe und Ausmessung.
Altes Männchen: Stark hervorstehende Augenwölbung, ein ausgeschweiftes Profil der Nasengegend, schräg nach oben zu gerichtete Nasenlöcher, dick aufgeworfener Mund mit starkem zugerundetem Kinn, das ganze grauschwärzliche Gesicht unbehaart, mit drei Hautfurchen unter jedem Auge auf beiden Seiten der Nase. Hinterkopf und an demselben ein Schopf, Ohren-Gegend, Nacken, ganzer Rücken und Hinterbeine mit sehr langen, weichen Haaren, wovon die des Rückens (der wie von einem Mantel bedeckt aussieht) an 10 Zoll messen; diejenigen, welche als ein Schopf auf dem Nacken herabhängen, sind etwas gelockt. Die Haare der Stirn, Ohren und Nacken- Gegend, ein von den Wangen nach aussen abstehender Backenbart, so wie die Hinterbeine und der ganze Schwanz sind eichelfarbig; diejenigen des Scheitels und längs des ganzen Rückens, sind schwarzbraun. Seiten des Bauchs und der oberen Hälfte der vordern Extremitäten, braun; Kehle, Vorderhals, Brust, Bauchmitte, untere Hälfte der vordern Extremitäten und Rückenseite der vier Hände braunschwarz. Auf dem Vorderhals und über der Brust zwei grolse dreieckigte und fleischfarbige, nackte Hautstellen, die mit ihren Spitzen gegen einander gekehrt sind, so dafs das ganze der Gestalt einer Sanduhr nicht unähnlich erscheint. Rings um die nackte Stelle auf der Brust bemerkt man grau und weils gesprenkelte Haare. Die beiden Schwielen auf der nackten Hautstelle des Hintern sind ganz von einander getrennt, ihre Färbung dunkelgrauschwarz; die Nägel sind schwarz, länglich, gewölbt und die an den Vorderextremitäten viel gröfser als die an den hintern. Der Schwanz ist lang, wohlbehaart und endigt mit einer dicken Quaste. Das ganze Thier hat durch die lange Haarbedeckung des Nackens und Körpers ein sehr massives Ansehen ; es trägt seinen Kopf etwas zurückgebogen und wagerecht gestellt, und hält den Schwanz an seiner Wurzel etwas aufwärts gekrümmt, dann bis zur Spitze vertical herabhängend. Die Haare in der Gegend der Ohren sind nach vorn zu gerichtet, welches dem Kopfe ein wildes Ansehen gibt, besonders wenn der Affe mit den Zähnen bleckt.
Ausmessung eines ganz ausgewachsenen Männchens nach dem Leben aufgenommen.
Länge von der Spitze der Schnautze bis zur Schwanzwurzell . ö 0 Ir 2 Länge des Schwanzes ohne die Haarquaste ö . . . . . a Länge der Haarquaste . . . ° . . . . . . ..— 6.— Höhe des Körpers am Kreuze 5 0 0 ß e . ö ® . 1 686. Abstand von der Mitte des Mundes bis zum Suborbitalrand . . . . — 311
Schädel-Dimensionen.
Gröfster Horizontaldurchmesser des Unterkiefers vom obern Rand der Schneide-Zähne
bis an den hintern Rand des aufsteigenden Bogens . . . . . — 46. Gröfster Horizontaldurchmesser des Schädels . 0 ° o h ° . — 6 — Verticalhöhe des ganzen Schädels . Q 6 . 0 6 h ° RAIN
Das junge Männchen hat die Haare des Nackens und Rückens viel kürzer und stärker gelockt,
Macacus Gelada. 7
und die schwarzbraune Farbe ist an allen den Stellen, wo sie bei dem Erwachsenen vorkommt, viel heller, so auch das eichelfarbige Colorit. In diesem Farbenkleide ist es um Y, kleiner als das alte Männchen. Das ausgewachsene Weibchen ist ganz so gefärbt wie das junge Männchen, aber etwas kleiner als dasselbe.
Ausmessung eines ausgewachsenen Weibchens.
Ganze Körperlänge von der Nasenspitze bis zur Schwanzwurzel o . 20.20, Länge des Schwanzes ohne die Haarquaste . . . . n 0 0 la ah — Länge der Haarquaste . © ö 0 ö 0 . ® 0 0 ot 3 —
Die Haare des Kopfes und Rückens sind auch kürzer und nicht gelockt. Als sehr merk- würdig sind mir mehrere regelmälsige Reihen von % Zoll langen Warzen vorgekommen, die an dem Halse, der Brust und dem Bauche des Weibchens vorkommen. Rund um die nackte Haut- stelle an den Afterschwielen gewahrte ich einen anderen Saum solcher dicht gestellten, aber etwas größseren Warzen, jede bei Y, Zoll lang. Sie sind schwammig anzufühlen, doch konnte ich keinen nach aufsen mündenden Secretionskanal entdecken; auch wollte ich nicht unterlassen zu bemerken, dafs, da ich kein frisch erlegtes Thier für meine Untersuchung erhielt, ich mich aufser Stand befand, weitere Nachforschung über die Function dieses fremdartigen Organs anzustellen. Eben so wenig kann ich bemerken, dafs diese Gebilde constant seyen, da ich nur ein Weibchen beobachtet habe.
Der abyssinische Landesname dieses Affen ist Gelada; er bewohnt in zahlreichen Familien felsigte mit Buschwerk versehene Gegenden, und hält sich immer auf der Erde auf, In solchen grolsen Gesellschaften suchen diese Thiere gemeinschaftlich ihre Nahrung auf, welche aus Sämereien, Wurzeln und Knollengewächsen besteht. Nicht selten richten sie grofse Verwüstungen auf den angebauten Feldern an. Ich beobachtete die Gelada in den gebirgigen Distrikten von Haremat, Simen und bei Axum, welche Gegenden sämmtlich 7 bis 3000 Fufs über die Meeresfläche erhoben sind. Nachts ziehen sie sich in die Höhlen und Spalten der Felsen zurück; wenn sie angegriffen werden, so lassen sie Töne laut werden, welche wie ein rauhes Bellen klingen, vertheidigen sich aber nie gegen Menschen, wie die Cynoscephalus hamadrias immer zu thun pflegten.
Schliefslich gebe ich eine Zusammenstellung der Standorte von den verschiedenen Affen-Arten, die ich in den von mir besuchten Gegenden des nördlichen Afrikas zu beobachten Gelegenheit hatte, nebst einer Aufzeichnung der Landesnamen, die ihnen von den Bewohnern der einzelnen Provinzen, in denen sie vorkommen, ertheilt werden. Ich verbinde damit die wohlgemeinte Absicht, durch meine Beiträge die Irrthümer zu berichtigen, welche theils durch Reisende, theils durch die Schriftsteller den Synonymen zu diesen Thierarten einverleibt worden sind.
Cynoscephalus hamadrias.*) Ungemein häufig in ganz Abyssinien, von der Meeresküste bei Massaua bis zu einer Höhe von 8000 Fufs; kömmt auch in Sennar, Kordofan und Darfur vor; heifst zu Massaua Combei, im östlichen Abyssinien Heve, im westlichen Gingero, in Kordofan und Darfur Farkale, in Egypten, wo er häufig gezähmt lebt, Nisnas.
Cynoscephalus babouin.**) Häufig in Abyssinien um den Dembeasee, in der Kulla, bei
*) Le Tartarin F. Cuvier Mammiferes fasc. V. e a h **) L’Anubis F. Cuvier fasc. L. & le Babouin fasc. VI, beide Figuren dieselben Species. Zu bemerken ist, dass bei beiden Abbil-
8 Macacus Gelada.
Sennar und in den Wüstensteppen bei Ambukol in der Provinz Dongola, in einer absoluten Höhe von 2000 — 5000 Fuß. Heifst in West-Abyssinien Gingero, in Sennar Bedir, in Egypten, wo er häufig gezähmt lebt, Nisnas.
Macacus Gelada. Kömmt nach meinen Beobachtungen nur in den Hochgebirgen der abyssinischen Provinzen Haremat, Simen und Godjam vor, in einer absoluten Höhe von 7000 — 8500 Fuß. Heifst in Abyssinien Gelada.
Colobus Guereza. Nur in den Thälern des westlichen Abyssiniens in der Kulla, Godjam und Damot; in einer absoluten Höhe von 4000 — 5000 Fufs. Heifst in Abyssinien Guereza.
Cercopithecus griseoviridis*) Häufig in allen niedern Gegenden von ganz Abyssinien, in Sennar und Kordofan, in einer absoluten Höhe von der Meeresküste bis beiläufig 4000 Fuls. Heifst in Abyssinien Tota, in Sennar Abellen, und ebenso in Egypten, wo er ungemein häufig gezähmt vorkommt.
Cercopithecus ruber.**) Kömmt nur in Kordofan und Darfur vor, in einer absoluten Höhe von 3000 Fufs. Heifst in Kordofan Nango; wird selten in Egypten in gezähmtem Zustande angetroffen, und heifst daselbst gleichfalls Abellen.
Inuus macacus.***) Häufig in den von Egypten westlich gelegenen Oasen, von wo aus er in Menge nach Alexandrien und Cairo eingeführt wird; er heifst daselbst Girt. Da er auf der ganzen Küste der Barbarei bis nach Marocco vorkommt, so ist mir die bestimmte Höhe seiner Standörter unbekannt.
Otolicnus senegalensis.-}) Häufig in Kordofan, Sennar und wahrscheinlich auch in den südlichen Provinzen Abyssiniens.. Absolute Höhe des Vorkommens 2500 — 4000 Fuß. Heifst in Kordofan Teh, in Sennar Tong.
Aufser diesen acht Arten, welche ich alle selbst im wilden Zustand beobachtet, habe ich noch Nachrichten eingesammelt von dem Vorkommen zweier anderer Affen. Der eine scheint ein unbekannter grofser Cynoscephalus zu sein, von durchaus weilser Haarfärbung, rothen Schwielen am After und mittelmäfsig langem Schwanze; er kömmt in den südlichen Provinzen von Abyssinien und von da westlich bis nach Darfur vor, und soll in waldigen Distrikten leben. Die zweite Art, welche so grofs als ein junger Esel sein soll, mit spannlangen, grauschwarzen Haaren, nicht sonderlich langem Schwanz und weifslichen Schwielen am Hintern, ist vermuthlich auch ein Cynoscephalus; er bewohnt die Wälder, ist brutal und wird von den Eingebornen gefürchtet. Sein Landesname ist in Darfur Tingel und seine Verbreitung nach Osten zu, reicht nur bis in die südlichen Gebiete von Kordofan. Dieses dürfte vielleicht der wahre Cynoscephalus porcaria des Boddärt sein, den Fred. Cuvier mit dem am Cap vorkommenden Cynoscephalus sphingiola (Herman und Fischer) verwechselt hat.f-f)
dungen, die über die Nase und Wangen laufenden Hauffurchen ganz fehlen, und im Coloriren die schwarzen Haare des Rückens schlecht, oder gar nicht ausgedrückt sind. *) Le Grisvert. F. Cuvier Mammiferes fasc. VII **) Le Patas. F, Cuvier Mammiferes fasc. LIX. ***) Le Magot. F. Cuvier Mammiferes fasc. II. +) P. Brown new illustrations of Zoology fig. 44 London 1776. tt) Den Cynoscephalus sphingiola vom Cap bildet F. Cuvier sehr gut in den Mammiferes fasc. VII. unter dem Namen Choacma ab. Von Boddärt’s Cynoscephalus porcaria ist mir nichts bekannt, als dessen Originalfigur im Naturforscher.
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Taf, 3,
Antilope Defassa. Rüppell.
Diagnos. Mas adultus. Antilope cornubus validis, elongatis, lunatis, acuminatis, a parte basali ad apicalem, ubi levigata, annulatis, media parte extrorsum, apice antrorsum flexis. — Frons laete rufescens, plaga a cantho nasali ad orbitam adscendens candide alba, regio nasalis brunnea, chiloma cum mento et collari ab auriculis ad gulam albicantes; corpus supra rufescens intermixtis pilis einerascentibus, subtus obscurioribus; linea medio abdomine alba. Pedes colore fumato. Cauda subfloccosa infra albicans tarsum non attingit.
Foemina statura maris, ecornis, mammis gaudet quatuor.
Diese schöne Antilopen-Art, welche durch die Richtung ihrer Hörner in die Abtheilung der Reduncinen des Herrn Hamilton Smith gehört, bildet durch ihren massiven Körperbau, und die Form des Schwanzes einen Uebergang aus dieser Abtheilung zu derjenigen der Damaliden des- selben Schriftstellers.
Aeussere Körperbeschreibung.
Die Hörner, welche nur an dem Männchen vorkommen, sind gestreckt und stark, von grau- brauner Farbe. In ihrer aufsteigenden Richtung sind sie in der Mitte etwas nach aussen, dann nach den Spitzen zu, nach vornen zu gebogen, während diese auch nach innen convergiren. Von der Wurzel der Hörner, bis zu dem glatten Theil der die Spitze ausmacht, (ohngefähr %, Theil der Länge) zählt man bis zu achtzehn Ringen, die theilweise nach hinten zu gespalten sind. An der Basis sind die Hörner 3Y, Zoll von einander abstehend, während der Raum zwischen den beiden Endspitzen 13%, Zoll beträgt; sie erheben sich unmittelbar über dem äufseren Augenwinkel; der ganze Kopf ist massiv, die Nasenkuppe unbehaart; vor den Augen sind weder Vertiefungen, noch sonstige Anzeigen von Thränensäcken wahrnehmbar. Die Ohren ziemlich grofs, breit, nach aufsen zu abstehend, der Hals kurz, robust, der Körper am Blatt etwas höher als an dem Becken die Füfse mittelmälsig stark, die Hufe hinten breit, vorn ein wenig zugerundet, der Schwanz von mittlerer Länge, herabhängend und reicht kaum bis zum Fersenbein, die Rübe wenig behaart und mit einer Quaste; das Weibchen hat 4 Zitzen und keine Inguinalhöhlen.
Länge des Kopfes von der vordern Basis der Hörner bis zur Schnautze . ee rl Länge des Körpers von der hintern Basis der Hörner bis zur Schwanzwurzel . 5. 7. — Von dem Haarwirbel auf dem Blatt bis zur Schwanzbass . D . . 93. 8. — Länge der Schwanzrübe . . . . . . . . . el Länge der Schwanzrübe mit der Quaste . . . . ö 0 o Ik n— Höhe des Körpers am Blatte . . . . . . . . 2 33.9. — Höhe des Körpers am Kreuze . . . . . . . . o & = Länge der Hörner beim ausgewachsenen Männchen längs der äufseren Biegung 1. 10. 3. Ihr gröfster Umfang an der Basis . . . . . . . . .. — No Länge der Ohren c © h . . 0 © © a: .— 82. Länge der Spur . - . ® . ö 0 0 : . . .— 3 6.
— .3 |.
Breite derselben . . . . . . . . . . . : Bäugethiere. 3
10 Antilope Defassa.
Das Haar des ganzen Balgs ist Borsten ähnlich, in der kalten Jahreszeit ziemlich lang, meist bis zu 6 Zoll, in der Sommerzeit mifst es nur die Hälfte dieser Länge. Auf der Rückenmitte über den Schultern ist ein Haarwirbel, von wo an die Haare über den ganzen Körper diver- girend ablaufen, daher sie längs des Nackens von hinten nach vorn zu, abwärts laufend, gerichtet sind, und vorn am Halse eine Haarnaht bilden; das Weibchen hat noch aufserdem einen Haarwirbel am Hinterhaupt unmittelbar hinter den Ohren, und beide Geschlechter auf den Bauch- seiten etwas über der Nabelgegend einen andern Wirbel. Die innere Fläche des Ohrs ist mit langen weifsen Haaren diek bewachsen. Das Maul, Kinn und ein Saum um die Nasenkuppe, schmutzig grauweifs; ein schön weilser breiter Fleck erhebt sich von dem innern Augenwinkel bis über den Augenhölenrand. Von den Ohren läuft ein schmales gelblich weifses Halsband herab und schliefst sich an der Kehle. Ueber der Nasenkuppe wird ein dunkelbrauner Flecken bemerk- lich, welcher im Aufsteigen auf der Gesichtsfläche immer heller wird, und auf der Stirne in eine hellrothbraune Farbe übergeht. Die Haare des Körpers sind rothbraun gefärbt mit graulichen untermischt, welche letztere auf den unteren Theilen desselben dunkler werden. Die hintere Seite der Ohren ist röthlich braun, ihr Randsaum schwärzlich. Die untere Seite des Bauchs, so wie die Fülse sind schwarzgrau, welche Farbe gegen das Ende der Füfse in das Rauchschwarze über- gehet. Die Fefsel und Hufe sind von einem weilslichen Haarsaum eingefalst. Der hintere Rand des Schenkels, das Innere desselben und ein Streifen längs der Mitte des Bauches weils. Die Rübe des Schwanzes auf der obern Seite rothbraun, auf der untern weißlich, die kurze Endflocke rauchschwarz. Beide Geschlechter haben eine ganz gleiche Färbung der Haare.
Diese Antilope erreicht die Körpergrölse einer ausgewachsenen Kuh; sie lebt in den gras- reichen Triften des westlichen Abyssiniens, namentlich um den Dembea-See und in der Kulla; gewöhnlich trifft man sie in kleinen Familien von 4 — 6 Stücken an, und unter diesen immer nur ein ausgewachsenes Männchen. Ihre beliebteste Nahrung sind die Blätter und Fruchtkolben von Holeus Sorghum, sonst auch jede andere wildwachsende Grasart; ihr Gang ist etwas schwer- fällig, auch sind sie nicht sehr menschenscheu. Der Abyssinische Landesname ist Defassa ( 2 &r1 )- Das Thier kommt auch südlich von Sennar und in Kordofan vor, und der dorten dafür gebräuch- liche Name ist Bura. Mehemet Beg, türkischer Statthalter in Kordofan, zeigte mir in Cairo die Haut eines in jenem Lande erlegten Individuums, wodurch ich dessen Identität mit A. Defassa erkannte, Die kurze Notiz, die ich zur Beschreibung der Säugethiere meiner vorigen Reise p. 22 von einer Antilope Bura gegeben, ist somit auf die nun hier beschriebene Art anzuwenden.
Die Abyssinier machen auf diese Thiere nur zufällig Jagd, weil alles Fleisch überhaupt in jenem Lande in geringem Werthe steht, und das Fell zu nichts besonderem verarbeitet wird; dagegen sollen diese Antilopen die gewöhnliche Nahrung der übrigens im nördlichen Abyssinien nur sehr vereinzelt vorkommenden Löwen seyn.
11
Taf. 4. Antilope Decula. Rippen.
Diagnos. Mas adultus. Antilope cornubus erectis subcontortis Parte intermedia deflexis, apieibus rotundatis adversum inclinatis, carina antica breviori, postica longiori, basi triangulari obsolete annulatis, — Corporis colore ex fuscescente badio, juba dorsali et gastreo nigricante, linca ad latera dorsi alba, lineolis transversis tribus ad quatuor albescentibus conjuncta, stria punctorum alborum ad pectoris et lumbi latus, cauda subfloccosa Supra rufescente, infra alba, apice nigricante, Pictura ceterarum partium ab illa Antilopes sylvatice (Sparm.) non differt,
In die Abtheilung der Tragelaphus Antilopen des Herrn von Blainville, gehört die schön gezeichnete Gazelle, die hier beschrieben wird, und welche ich in den buschigen Felsenthälern auffand, die den nordwestlichen Abhang des Abyssinischen Hochlandes bilden. Die Form ihrer Hörner und die Verhältnifse der Körpertheile gleichen in vielfacher Hinsicht denen der Antilope sylvatica (Sparm,), von welcher Art sie sich durch eine kleinere Statur, und verschiedene Farben- zeichnung, nämlich den fehlenden weilsen Streifen längs des Rückens, einen grauschwarzen Bauch, das Vorhandenseyn eines weilsen Längestreifen auf den Seiten des Rückens, der durch mehrere Querstreifen mit der schwärzlichen Mähne, die über den Rücken hinzieht, verbunden ist, so wie durch eine verschiedene Schwanzfärbung unterscheidet. Ich kann die Beschreibung dieser vermuthlich neuen Art um so genügender mittheilen, da ich mehrere Individuen beiderlei Geschlechts und verschiedenen Alters vor mir liegen habe, und will es dann dem Gutdünken der Systematiker anheim stellen, ob sie diese constanten Abweichungen für zureichend erachten, um meine Antilope Decula als von der A. sylvatica specifisch verschieden, zu trennen,
Ganz altes Männchen.
Hörner: robust, mit dreikantiger Basis, allmählich nach der Spitze zu abgerundet, unten auf zwei Seiten gekielt, die Kiele durch Drehung des Horns um seine Axe ein Drittel eines Kreisbogens beschreibend. Farbe der Hörner braunschwarz; ihre Richtung ist an ihrer Basis vertical aufsteigend, und etwas nach aufsen zu laufend ; dann biegen sie sich ein wenig. vorwärts; der nun folgende leierartig geschweifte Zwischenraum der mittlern Theile der Hörner ist etwas rückwärts geneigt, aber die convergirenden Endspitzen sind wieder ein wenig nach vorn zu gerichtet. Die unteren %, der Hörner sind durch feine, wellenförmige Querlinien geringelt, die sich im Alter viel abnutzen und stark ausspringen. Die Endspitzen sind ganz glatt.
Farbe: Oberkopf, Stirn und Außenseite der Ohren röthlichbraun; Seiten des Kopfes röth- lichgelb; Mitte der Nase von der Nasenkuppe an bis gegen die Augen hin und ein Fleck auf der Mitte des Scheitels kastanienbraun. Ober- und Unterlippe, ein grofser Fleck an der äufsern Basis der Ohren, zwei andere unter dem Auge und auf den Wangen, und ein feiner Streif vor
. dem vordern Augenwinkel, weils. Hals graubraun. In der Mitte des Vorderhalses und an dem Anfange der Brust ein grofser weilser Fleck; Nacken und eine Mähne, die vom Scheitel an längs des Halses über den ganzen Rücken bis zur Schwanzwurzel ziehet, dunkelkastanienbraun. Grund- farbe des ganzen Körpers und der Schenkel rothbraun mit braungrauen Haaren untermischt. Zur Seite des Rückens ziehet ein weifser Streif vom hintern Ende des Schulterblattes bis zum Becken-
12 Antilope Decula.
kamm hin, allwo noch die Spur einer weilsen Querlinie sichtbar ist, die nach dem Rückgrat gehend, die hintern Enden der weilsen Seitenlinien mit der schwarzbraunen Rückenmähne vereiniget. Unter dieser weilsen Seitenlinie längs der Mitte des Rumpfes erscheint eine Reihe von 7 — 9 weilsen Flecken, und 2 andere etwas tiefer stehend auf jedem Schenkel. Brust und Bauch schwarz- grau. Aeulsere Seite des obern Theils der Vorderfüfse, ihre ganze untere Mitte, nebst einem Längestreifen auf der vordern Seite der Läufe, Gegend um die Afterklauen, und ein Saum um den Haut-Rand der Hufe dunkelkastanienbraun. Oberer Theil der innern Seite der Vorderfülse, innere Seite der Vorderläufe und Gegend der Fefsel weils; äufsere und hintere Seite der Vorder- läufe hellrehbraun. Aeufsere und hintere Seite der Keule und die obere äufsere Seite der Wade rothbraun; unterer Theil der Wade aufsen und innen dunkelkastanienbraun; obere innere Seite der Wade nebst einem Streif längs ihrer vordern Seite, vordere Seite der Hinterläufe, ein runder Fleck auf der innern Seite der Ferse, so wie die Gegend der Fefsel weils; äufsere und hintere Seite der Hinterläufe hellrehfarbig; Einfafsung der Hinterhufe und der Fefsel schwarzbraun. Schwanzrübe oberhalb rothbraun, unterhalb weifslich; Quaste des Schwanzes, schwarzbraun.
Die Haare im Ganzen sind zwar etwas steif, doch glatt aufliegend und von mittler Länge; die Mähne längs des ganzen Rückens bildet einen drei Zoll langen Haarkamm. Auch der Schwanz ist durchaus ziemlich stark behaart. — Zwischen den Ohren auf dem Nacken ist ein Haarwirbel und oben auf der innern Seite jedes Vorderfufses der gewöhnliche Haarwirbel. Von Thränensäcken keine Andeutung, an den Weichen 2 Inguinalgruben und vier Brustwärzchen;
keine Haarbüschel an den Vorderfülsen.
Ausmessung des ausgewachsenen Männchens.
Ganze Körperlänge von der Nasenspitze bis zur Schwanzwurzel . . . A 10% Länge der Schwanzrübe . . c . . . . . . . . — 16. Länge des Schwanzes mit der Haarquaste . . . . . . . .. — 9 8. Länge des Kopfes von der Nasenspitze bis zur Hornwurzel . . . . 2 0,9: Höhe der Hörner in direkter Linie von der Basis bis zu ihrer Spitze . . 8 6. Abstand der Hörner an ihrer Wurzel 0 . . . . . . .—_— 8 Umfang jedes Horns an der Bass . . . . . . . . .— 4 — Abstand der Endspitzen der Hörner . . . . . . . . .— 3. — Höhe des Körpers am Blatt ö . . . . . . . . . 2. 30 Höhe des Körpers am Kreuz . 2 . . . . . . . . 2. 3 6. Länge der Ohren . o A ö . 0 . . . . . u —e4, — Länge der Spur . . . . . . . . . . . . — 1— Breite der Spur . . . . . . . . . . . .— 12%
Altes Weibchen.
Ohne Hörner; Färbung des Kopfes ganz wie beim alten Männchen, eben so die Zeichnung an der Mitte des Vorderhalses, nur mit dem Unterschied, dafs da dieselben beim Weibchen mehr grauweils sind, solche nicht so scharf von dem rehgelben Grunde des Halses sich abscheiden. Seiten des Halses, Nacken, ganzer Körper, Brust, Bauch und äufsere Seite der Beine rehgelb.
Antilope Decula. 13
Ein kastanienbrauner Streif ziehet von dem Haarstern zwischen den Ohren längs des Nackens und Rückens bis in die Gegend der Schwanzwurzel, aber die Haare bilden bei dem Weibchen keine Mähne. Die weifsen Farbenzeichnungen an Vorder- und Hinterfüssen und die Schwanz- färbung an beiden Geschlechtern gleich. Die weifsen Streifen zu beiden Seiten des Rückens weniger scharf hervortretend; von ihnen gehen zwei weilse Querlinien leicht angedeutet ab, die eine über dem Kopfe des Femurs, die andere am Ecke des vorspringenden Beckenknochens. Es hat vier Zitzen. Sämmtliche Körperdimensionen sind Y, geringer als beim alten Männchen.
Zweijähriges Männchen.
Die wellenförmigen Linien im untern Drittel der Hörner sehr deutlich ausgedrückt. Die Fär- bung des ganzen Thiers wie beim alten Männchen, nur ist das Schwarzgraue auf der Bauchseite weniger ausgebreitet; die zwei weilsen Längestreifen am Rücken sind sehr deutlich, und oben ‚übers Kreuz her durch vier schwach angedeutete weilse Querlinien mit der Rückenmähne ver- bunden. Zu bemerken ist, dafs sich bei diesem Individuum einige wenige weilse Haare in dem braunen Haarkamm längs der Rückenmitte in der Gegend des Beckens vorfinden, welche allen andern Individuen gänzlich fehlen.
Neugebornes Kalb.
Färbung wie beim alten Weibchen; die schwach angedeutete weifse Seitenlinie durch vier weilse Querstreifen mit dem schmalen, aber dunkeln Rückenkamme verbunden. Die weilsen Flecken auf der Körperseite und auf den Schenkeln schon bemerkbar. Der Schwanz ist noch ganz kurz und einförmig rehgelb gefärbt.
Diese Antilopenart lebt paarweise in den buschigen Bergthälern von Abyssinien an dem Dembea-See und nach der Kulla zu; ihre Nahrung besteht in kleinen zarten Blättern, besonders lieben sie die abgefallenen reifen Früchte wilder Sykomorfeigen. Sie pflegen im Monat October ein Junges zu werfen, und der Monat Mai, oder der Anfang der Regenzeit soll die Zeit ihrer Begattung seyn. Sie sind schnellfüfsig und scheu, und werden zuweilen von den Eingebornen mit Hunden gehetzt. Ihr Fleisch ist nicht sonderlich schmackhaft. Diese Gazellen-Art heilst bei den Landeseingebornen Jägern in der Amhara Sprache Decula*) ( PTfYA).
*) Dieses Wort ist nicht zu verwechseln mit dem Thecula (Tr WA) der Abyssinier, womit sie den Canis pictus (Chien Vencur Levaillant) bezeichnen.
Säugethiere. 4
14
Taf. 5.
Antilope Beisa. Riüppel.
Diagnos. Mas adultus. Antilope cornubus longis, rotundatis, tenuibus, rectis, parte basali annulatis. Facies exalbida, vittis tribus ex fusco umbrinis valde distincta, quarum una a fronte ad regionem nasalem lata, sed inter oculos angustior, altera a fronte per oculum ad genam, tertia a regione parotidea ad gulam producta. Ejusdem coloris sunt, — tenia, a gula collo anteriore ad sternum descendens, ubi divisa ad latera pectoris et abdominis decurrit, — armilla antibrachii, et caud& apex comatus. Corporis colore isabellino , peetoris et abdominis albicante, juba cervicali et dorsali rubiginosa.
Foemina adulta differt a mare juba cervicali et dorsali corporis colore.
Als ich mich im Jahr 1825 auf meinen Jagdexcursionen in den Steppen südlich von Ambucol in der Provinz Dongola befand, erhielt ich von den dortigen Landeseingebornen Kunde von dem Vorkommen einer Antilope, welche sie Dammah benannten und die nach ihrer Beschreibung die Gröfse eines Maulthiers haben sollte, mit langen geraden Hörnern bei beiden Geschlechtern, einem fahlgrauen Körper und schwarzen und weifsen Zeichnungen am Kopfe.*) Sieben Jahre später war ich so glücklich in den Niederungen längs der abyssinischen Küste westlich von Massaua ein Antilopen-Paar zu erhalten, das mir die Bestätigung der Aussage jener Jäger von Ambucol gab. Diese schöne Art, obgleich im Allgemeinen durch Statur, Grundfarbe des Körpers und Form der Hörner, dem am Cap vorkommenden Oryx nahestehend, ist doch durch ihre eigenthümliche Farbenvertheilung so sehr von derselben unterschieden, dafs ich gleich beim ersten Anblick solche als eine besondere, neue Art erkannte, und sie mit dem zu Massaua für dieses Thier gebräuch- lichen Trivial-Namen Beisa bezeichnete. **)
Diese Antilope, welche die Gröfse eines ganz ausgewachsenen Hirsches erreicht, hat bei beiden Geschlechtern gerade aufrecht stehende, dünne, zugerundete, an der unteren Hälfte wellen- förmig geringelte, an der oberen ganz glatte Hörner von schwarzer Farbe. Die Haare des Körpers sind kurz, anliegend und etwas steif. Auf dem Kreuze bildet sich ein Haarwirbel, von welchem aus längs des Rückgrates ein vorwärts gerichteter niederer Haarkamm bis in die Gegend der Ohren läuft, woselbst abermals ein Haarwirbel; -zu beiden Seiten dieses Haarkammes auf dem Nacken eine Haarnaht, so wie zwei kleine Haarwirbel vor jedem inneren Augenwinkel, und ein anderer auf den Seiten des Bauches, nicht fern von der Nabelgegend. Der Schwanz ist mittel- mälsig lang, die Rübe mit kurzen Haaren bewachsen, und die Endspitze mit einer buschigen Quaste. Die Ohren sind grofs, offen, und am inneren Rande stark behaart, dagegen fehlen bei- nahe gänzlich jene Haarstreifen, die bei andern Antilopen die Basis der Ohrmuschel besetzen. Thränensäcke sind weder durch eine äufserliche Oeffnung ersichtlich, noch durch eine nackte Hautstelle angedeutet; die Nasenkuppe ist bis zum nackten Rande der Nasenlöcher behaart. Inguinal- vertiefungen sind keine vorhanden; beide Geschlechter haben vier Milchwarzen an den Weichen. Die Hufe sind schmal, länglich, und vorn zugespitzt.
en) Zoologischer Atlas zu meiner ersten Reise im nördlichen Afrika, Säugethiere pag. 22. ) Meine desfalls in Massaua gefertigte Beschreibung theilte mein Freund, Herr Straus-Dürkheim, in Paris der Societe d’histoire naturelle jener Stadt im Jahr 1832 mit,
Antilope Beisa. 15
Dimensionen eines ganz ausgewachsenen Männchens.
Kopflänge von der Nasenspitze bis zur vordern Seite der Basis der Hörner ol Kopflänge von der Nasenspitze bis zum Anfang der Ohröffnung . . . 13 — Länge der Ohren . . . . . . 0 . . . . vo lb Abstand der Hörner an ihrer Basis . . . . . . . . . — 1 -— Ihr Umfang daselbst e . . . . . . . . . . — 5 |]. Länge der Hörner . . . . ö . . . . ö . oo & & & Entfernung der Hornspitzen von einander . . . . . . o = GG & Körperlänge von der hintern Basis der Hörner bis zum Anfange des Schwanzs. 5. — — Länge der Schwanzrübe . . . . . : . . . . . 1L— © Länge des Schwanzes mit der Quaste . 0 . . . . . o Io eb Höhe am Kreuz und am Blatt . . . . . . . . . . 2%. — Länge der Spur . . . ® . . . . . . . . — 2. 10 Breite der Spur . . . ö 0 . b . . . . 2 23.‘
Die Grundfarbe des ganzen Thiers ist eine schwer zu beschreibende, und läfst sich ohngefähr als eine fahlgrau-isabellfarbige angeben. Die Gegend des Mundes und der Nasenspitze, des vorderen und hinteren Augenwinkels, Basis der Ohren, die Vorderfüfse und Bauchmitte, sind weils. Ein dreieckiger Fleck, der auf der Stirn an der Basis der Hörner beginnend, durch einen schmalen Streif mit einem länglichen, glockenförmigen Flecke auf dem Gesichts-Profil verbunden ist, ein schräg ablaufender schmaler Streif durch die Augen über die Wangen nach der Gegend des Mundwinkels ziehend, dann ein spitzzulaufendes Halsband, das von der Basis der Ohren zur Kehle geht, von da aus einen gedoppelten Streifen längs der Mitte des Unterkiefers sendet, der dann zusammengeschmolzen längs der Mitte des Vorderhalses bis auf die Brust verläuft, wo er sich spaltet, hinter dem Bug herzieht und als- schmales Band längs den Seiten der Brust und des Bauchs bis zu den Weichen sich erhebt; ferner ein breites, schräg gestelltes Armband, um die Schiene der Vorderfüfse, endlich ein Flecken vorn auf dem Laufe derselben Füfse — sämmtlich von schwarzbrauner Farbe Die Mähne längs des Nackens, so wie der Haarkamm auf dem Vorderrücken rostroth, welches letztere in der Gegend über dem Kreuz dunkelbraun wird, und so endiget. Schwanzrübe fahlgrau, Schwanzquaste schwarz; äufsere Seite der Ohren fahlgrau mit einem schwärzlichen Saume nach der Spitze zu. Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen durch eine mit dem allgemeinen Farbenkleide des Körpers übereinstimmende Färbung der Nacken- Mähne und des Rückenkammes; in der Gröfse sind sich beide Geschlechter gleich.
Ich erhielt diese schöne Antilope in den Niederungen der Küstenlandschaft bei Massaua, wo sie in der regnerischen Jahreszeit nicht selten sein soll; da sie aber durch die Nachstellung der türkischen Soldaten scheu gemacht wurden, so hat man jetzo grofse Mühe sie zu erlegen. Sie kömmt an der ganzen Küste des rothen Meeres bis nach Souakin zu vor, vielleicht selbst in Egypten, wenigstens erwähnt ihrer bereits der unglückliche Burckhardt auf seiner Reise von Schendi nach Souakin.*) Auch auf den Basreliefs des Tempels von Kalabschi in Unter-Nubien,
*) Burckhardt’s Reisen in Nubien, Weimar 1820, p. 602.
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16 Antilope Beisa.
erinnere ich mich eine Abbildung dieses Thiers gesehen zu haben,*) und Prosper Alpinus bildete bereits das Horn einer Beisa ab, das er in Egypten erhalten hatte. Es scheint mir daher wahr- scheinlich, dafs sie das Thier sei, welches der grölsere Theil der alten Schriftsteller mit der Benennung Oryx bezeichnet hat; auch mochte wohl Pallas sich geirrt haben, wenn er den Oryx des Oppian in der am Vorgebirge der guten Hoffnung lebenden geradhörnigen Antilope (Ant. Oryx autorum) zu erkennen glaubte, wie auch Professor Lichtenstein, der den Oryx der Alten mit Linne’s Ant. Gazella identisch glaubte, oder Hamilton Smith, der damit eine in Persien vorkommende Antilope als solchen bezeichnete, welcher er nach Pallas den Namen Ant. Leucoryx beilegte. Die abweichenden Meinungen dieser Schriftsteller sind von wenig Belang, die Thatsache aber ist, dafs jetzo die Familie der Oryces vier ganz verschiedene Arten enthält:
a) mit geraden Hörnern
1) Antilope Oryx (Pallas) aus der Cafferei,
2) A. Beisa (R.) aus Ost-Nubien und Abyssinien,
b) mit etwas rückwärts gekrümmten Hörnern
3) A. Gazella (Duffon, Linne) im westlichen Nubien und Egypten,
4) A. Leucoryx (Pallas) aus Persien und Indien?
Die Antilope Beisa lebt in kleinen Familien in flachen Thälern die mit lichtem Gebüsch bewachsen sind, nährt sich vom Grase, läuft äufserst schnell und ist scheu. Wenn sie ange- schossen worden, oder hart verfolgt wird, vertheidigt sie sich muthig mit ihren spitzen Hörnern, mit denen sie in solchen Fällen den Jägern bisweilen lebensgefährliche Verletzungen beigebracht
haben soll.
Capra. Linne. Taf. 6. Capra walie. Rüppel.
Diagnos. Capra cornubus crassis, nodosis, basi subrhomboidali, fronte protuberante, naso resimo, barba mediocri. ex umbrino fuscescente, subtus partim albescente, pedibus albidis, antibrachio, carpo et tarso antice plagis nigricantibus.
Corporis colore supra
Die verschiedenen Arten, aus welchen das Geschlecht Capra besteht, sind, obgleich gering an Zahl, doch keineswegs so leicht zu charakterisiren, als man nach ihrer kleinen Anzahl ver- muthen möchte, und zwar deshalb, weil sämmtliche Arten im wesentlichen des Körperbaues, in der Gröfse und Hauptform der Hörner und im Farbenkleide viele Aehnlichkeit mit einander haben. Drei dieser Arten sind von den vorzüglichsten neuern Schrifstellern über Säugethiere **) mit
*) Vergleiche Gau Monumente Nubiens Tafel 15. **) Hamilton Smith p. 300; G. Cuvier p. 275; Fischer p. 482; Desmarest p- 480.
Capra Walie. 17
gleicher Benennung als eigenthümliche Arten unter den Namen Capra Ibex, caucasica et Aegagrus aufgeführt worden. Die erste Art wird bezeichnet durch knotige Hörner mit vierkantiger Basis, einförmigen fahlgrauen Balg mit schwarzen Füssen, und etwas convexes Gesichtsprofil 1); die zweite durch knotige Hörner mit dreikantiger Basis, graubraunen Balg, schwarze Rückenmähne und schwarze Füsse °); die dritte endlich durch einfach gerippte Hörner, vorn angeschärft, gerades Gesichtsprofil, rothbraune Körperfarbe und schwärzliche Füsse 3),
Zu diesen drei Arten fügte in neuerer Zeit F. Cuvier und Fischer eine vierte hinzu, die im sinaitischen Gebirg und in Oberegypten vorkömmt. Ihr Schedelbau ist ganz wie bei €. Ibex; die Hörner sind zwar auch mit einer viereckigen Basis und ihre Krümmung ist mit einzelnen Knoten besetzt; aber unter gleichem Körperverhältnifs sind sie immer weit dünner als bei dem Ibex, auch ist ihre Basis mehr ein verschobener Rhombus, und kein Rechteck, Farbe des Balgs einförmig hell zimmetfarbig, der Bart schwarz, die Füsse weils und dunkelbraun gezeichnet. F. Cuvier benannte diese Art Capra nubica, eine ganz unpassende Benennung, denn ich kann auf das Bestimmteste erklären, dafs dieses Thier nicht südlich vom 24. Breitegrad im nord- östlichen Afrika vorkömmt; der Name Capra arabica, der im Wiener Museum vor vielen Jahren dem dortigen Exemplare gegeben wurde, welches diese Sammlung schon im Jahr 1807 durch P. Agnelli vom Sinai zugeschickt erhalten, verdient daher die Priorität, wenn er auch nicht passender ist *). Zwei andere Arten von Capra stellte Hamilton Smith in seiner Abhandlung über die Wiederkäuer auf; die eine benennt er C. Jaela, und giebt als deren Vorkommen Abys- sinien an °). Während meines zweijährigen Aufenthaltes in jenem Lande gelang es mir nie ein ähnliches Thier aufzufinden, das durch sehr dicke, gefurchte, aber nicht knotige Hörner mit Andeutung einer dreikantigen Basis, eine Haarmähne, längs des Vorderhalses, der Brust, und des Gelenkes der Vorderbeine, so wie bartloses Kinn charakterisirt wurde.- Die Farbe seiner Haare wird braungelb angegeben; das Ganze hat ungemein viele Aehnlichkeit mit dem Ovis tragelaphus (Cuv.) ©) das ziemlich häufig in Oberegypten, Nubien und längs der Westküsten des rothen Meeres vorkömmt.
Die andere Art, welche der brittische Naturforscher aufgeführt hat, benannte er Capra Jemlahica ?); sie soll aus den Gebirgen im Central-Asien abstammen. Der Kopf derselben hat ein gerades Profil, die Hörner sind flach gedrückt dick, nicht. sonderlich lang, ihre vordere Kante knotig. Haare des Gesichts und der Füsse kurz anliegend, ein schwarzer Streifen längs des Gesichtsprofils und vornen an den Beinen, der übrige Körper sehr langhaarig, von schmutzig
1) Schrebers Säugthiere COCLXXXI. A. 2) Ich habe nie Individuen dieser Art zu Gesicht bekommen; die Beschreibung ist naelı den Autoren und der Abbildung in Schreber CCLXXXTI. B.
3) F. Cuvier Mammiferes, Vol. 2. Taf. 112, Capra sibiriea (Pallas) scheint noch eine eigene gut begründete Art zu sein; ihre Hörner sind ganz ähnlich denen des Ibex; die Füsse und Balg sind dı _Capra arabica ganz gleich; Beschreibung und Abbildung findet sich in Pallas Spicilegia XI. Taf. 3. p. 52. IE
4) Die Abbildung dieses Thiers, die F. Cuvier, Mammiferes Vol. 3. Taf 108. publieirte, ist nicht naturgetreu, oder vielmehr das als Original dienende Thier hatte durch climatischen Einfluss eine ungewöhnliche Haarbedeckung und Färbung angenommen. Die Abbil- dung von Hemprich, in dessen Symbol» Phıysic» Taf. 18. ist viel besser.
5) Hamilton Smith in Grifith’s R&gne animal. Vol. 5. p. 301. figura.
6) Description de l’Egypte, histoire naturelle, mammiferes, und Schrebers Säugthiere CCLXXXVII. B.
7) Hamilton Smith loco citato p. 308, figura.
Säugethiere.
18 Capra Walie.
weisser Farbe. G. Cuvier *) glaubte ferner ein sehr grosses Thier zu der Gattung Capra rechnen zu müssen, das Daniel**) unter dem Namen Tackhaitse abbildete. Der Pariser Gelehrte benannte es Bouquetin ä Criniere, Daniel beschrieb es als eine Antilopenart ***), die durch ihre Körper- form und Hornbildung der Ant. equina sehr nahe steht. Der Balg dieses Thieres ist einförmig blaugrau, mit einer langen dunkelfarbigen Mähne längs des Nackens. Durch einen Irrthum in der Zeichnung verleitet, glaubt Cuvier an ihm einen Bart wahrzunehmen, den es nicht hat. Sein Standort ist das Plateau von Südafrika. In ganz neuerer Zeit glauben sich einige Naturforscher berechtiget, den Steinbock der Pyrenäen von demjenigen der Alpen specifisch zu trennen, worüber nähere Mittheilungen zu gewärtigen sind 7).
Nach Aufführung aller bisher bekannten Thiere, die von verschiedenen Naturforschern zu der Gattung Capra gezählt wurden, komme ich zu der Beschreibung einer neuen Art, die ich in den bis zur permanenten Schneeregion sich erhebenden abyssinischen Gebirgen entdeckte. Sie unterscheidet sich von allen bekannten Arten gleich auf den ersten Anblick durch ihr stark convexes Gesichtsprofil, und einen länglichten konischen Höcker, der sich zwischen der Basis der Hörner befindet, und sich bei den beiden von mir eingesammelten Individuen als ein eigenthüm- liches Merkmal über die Stirnfläche erhebt, durch welchen fremdartigen Knochenbau sich diese Art sehr charakteristisch von allen andern wohl unterscheidet. Die Hörner (des Männchens), welche bei gleichem Körperverhältnifs bei weitem dicker als die von Capra Ibex sind, haben eine Basalfläche, welche vornen durch zwei rechte Winkel, hinten aber durch eine Zurundung gebildet wird. Vom innern rechten Winkel läuft eine Kante der Hornkrümmung entlang, die durch ihre “acht bis neun starke Knoten als eine sägeförmige Leiste erscheint, ungefähr wie beim europäischen Steinbock; ausserdem umgeben das Horn viele dichtstehende wellenförmige Rinnen. Die Ohren sind klein, aufrecht stehend; die Pupille rhomboidisch gespalten; der ganze Körper hat grosse Aehnlichkeit mit dem des gewöhnlichen Steinbocks, ist jedoch etwas mehr hochbeinig. Das Kinn ist mit kurzem Bart versehen; um die Hörner und oben auf dem Nacken sind die Haare struppig und etwas gelockt; allda ersieht man auch einen Haarwirbel, und zwei andere sind auf der gewöhnlichen Stelle an den Seiten des Bauchs. Von einem Haarkamm längs des Nackens oder Rückens ist keine Spur vorhanden. Zwei Haarnäthe laufen an den Seiten der Brust vorn aufwärts, und zwei andere Näthe ziehen vom Hinterbug bis in die Mitte der Bauch- seiten. Auf den Knieen sind die bei allen Ziegenarten vorkommenden unbehaarten Schwielen; der kurze Schwanz ist unten unbehaart, und endet mit einem Büschel; diesen trägt das Thier nach
Belieben auf- oder abwärts.
*) G. Cuvier Regne Animal, 2e edition. Vol. 1. p. 276. **) Daniel African scenery pl. 24. ***) Auch Hamilton Smith, p. 180 hält diese Abbildung für die einer Antilopen-Art, die er mit dem Namen Antilope barbata bezeichnet. +) Dass die sogenannte Antilope lanigera des Hamilton Smith auch nichts als eine Ziegenart ist, die aber eine eigene Art bildet, will ich bei dieser Gelegenheit bemerken. pP
Capra Walie. 19
Körperdimensionen eines erwachsenen Männchens. Länge von dem vordern Ende des Mauls bis an den vordern Rand der Hörner —', 10, — Gröfster Durchmesser der Hörner Re u ie Länge vom hintern Rande der Hörner bis zur Schwanzbass . . . . dr — — Länge der Schwanzrübe ee, nn 2
Länge des ganzen Schwanzes ee Er 1: Se Rs Höhe am Kreuz . ; : . o . : B 4 : & h 6 2. 7. — Höhe an der Gruppe © 3
Umfang des Basalknoten der Hörner
— Er Länge der Hörner längs der äussern Krümmung a er 1. 11. — Bängendes» Ohres- en... 0 ee Be er er 3° Längerdem Spur, men SE He re A ee Breiteitderselben er re re ne
Aeussere Beschreibung des Thiers.
Vordere und obere Seite des Kopfes, Nacken- und Rücken schön kastanienbraun; Nase, ein krummer Streif, der sich zwischen Auge und Ohr nach vorn zu biegt, Seiten des Halses, des Körpers und Bug umbrarothbraun; Gegend unter dem Auge und Ohr, Kinn, Vorderhals, Brust, innere Seite der obern Hälfte der Füsse, und hintere Hälfte des Bauchs schmutzig, weils ; äussere Seite der Vorderfüsse und Schenkel, so wie die mittlere Seite des Bauches fahlgrau. Lauf der Vorderfüsse weifslich, mit einem grossen schwarzen Fleck vorn über der Fufsbeuge, und einem ähnlichen Streifen vorn auf dem Metatarsus, der sich hinten über der Fessel vereiniget. Am Hinterfufs ziehet an der vordern Seite des untern Dritttheils der Schiene längs des Metatarsus ein breiter schwarzer Streif herab, schickt eine Binde quer über den Tarsus und eine andere über das Fesselgelenk. Die Schwanzwurzel ist kastanienbraun, das Schwanzende schwarz. Die innere Ohrenfläche ist unten weils, oben rothbraun gesäumt, die Aussenseite des Ohres roth- braun. Die Iris hellbraun, die Pupille dunkelblau. Auf dem Nacken des jungen Männchens bemerkt man einige unter die braunen Haare gemischte wollähnliche weisse Haarlocken. Am Unterleibe sind vier Milchwarzen; zwischen dem After und Schwanze zwei Vertiefungen, die mit einer stark riechenden Pomade gefüllt sind. &
Das Weibchen dieses Steinbocks ist mir .nie zu Gesicht gekommen; es soll sich durch weit kürzere, dünnere, zugerundete Hörner von dem Männchen auszeichnen und bartlos seyn. Diese Thiere bewohnen die höchsten felsigten Gebirge Abyssiniens, welche wenigstens einen Theil des Jahres mit Schnee bedeckt sind, welswegen sie auch nur in den Provinzen Simen und Godjam vorkommen. Dieses Wild gehört dermalen in Abyssinien zu den Seltenheiten. Der abyssinische Landesname desselben heifst in der Amhara Sprache Walie (D/AA), in der Geez Sprache Waital (® EP MA). Ueber die Mährchen, welcherdie Abyssinier mir von dieser Ziege erzählten, soll einiges in meiner Reisebeschreibung angeführt werden.
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20
Taf. 7. Fig. 1. Antilope redunca. Poalls.
Diagnos. Mas adultus. Antilope cornubus mediocribus, lunatis, dimidio inferiori oblique annulato, apice lavigato antrorsum convergenti- j ineurvo; cauda mediocri, villosa; sinu lacrimali scopisque nullis, flexura antibrachii callosa, fossis inguinalibus quatuor; corporis colore rufo-fulvo, labiis, orbita, gula, ventre, parte interna pedum et cauda subtus albidis; parte antica antipedum umbrofusca;
regione parotica macula einerascente, pilis brevissimis albidis circumdata. Foemina ecornis mari statura minore.
Die von Buffon unter dem Namen Nagor abgebildete Antilope, welche einstens Adanson von Senegambien nach Frankreich geschickt hatte, war seit jener Zeit nicht neuern direeten Beobachtungen unterworfen worden. Die Buffon’sche Beschreibung dieses Thiers ist höchst unvoll- ständig; die dazu gehörige Abbildung *) macht diesen Fehler noch fühlbarer, und da seitdem über diese Antilope nicht ferneres publieirt wurde als in Schrebers Säugthiere (Taf. 265.) eine erbärmlich colorirte Calque der Buffon’schen Tafel, so finde ich mich veranlafst eine ganz genaue Originalzeichnung und Beschreibung dieses Thiers bekannt zu machen. Ich erhielt von demselben in Abyssinien mehrere ausgewachsene Individuen; Vergleichungen, die ich im Pariser naturhistori- schen Museum vornahm zwischen der abyssinischen A. redunca, und denjenigen, welche man in neuerer Zeit vom Senegal erhalten hat, überzeugten mich, dals beide zu einer Thierart gehören, wie sich Aehnliches mit mehreren andern Antilopen bewährte, die gleiehzeitig in Abyssinien und in Südafrika oder Senegambien leben, eine Thatsache, deren Möglichkeit in neuerer Zeit meh- rere Naturforscher angefochten haben, die das in ihrem Kopfe ausgegrübelte Prineip feststellen wollten, dafs den verschiedenen Antilopenarten sehr begrenzte Landstrecken von der Natur zur
Fortpflanzung festgesetzt seien !
Aeussere Beschreibung.
Das ausgewachsene Männchen der Nagor-Antilope hat die Grösse eines einjährigen Hirsches; die Hörner, deren Basis ziemlich robust ist, sind im untern Drittheil ihrer Länge schräg aufwärts und ein wenig rückwärts gerichtet; dann krümmen sie sich nach vorn zu, indem gleichzeitig die Endspitzen gegen einander etwas weniges convergiren. Die untere Hälfte der Hörner hat 7 bis 8 schräg gestellte Ringe, ihre Endspitzen sind glatt, und in dem mittleren Theil“sieht man Andeu- tungen von Längsstreifen. Die directe_ Entfernung zwischen der Spitze eines Horns und seiner Basis entspricht dem Abstand der letzteren von der Mitte der Oberlippe. Die Nasenkuppe ist ganz nackt, die Nasenlöcher sind halbmondförmig. Von Thränensäcken ist an der äussern Kopf- haut gar keine Andeutung, dagegen ist schräg abwärts von der Basis der Ohren und etwas nach vorn zu laufend ein weifslicher Streifen mit ganz kurzen Haaren besetzt, in dessen Mitte sich ein rundlicher schwärzlicher Flecken abzeichnet. Die Körperhaare sind vergleichlich mit den meisten Antilopen-Arten, lang (beiläufig 1”,,Zoll) und weich anzufühlen. Zwischen den Ohren auf dem Hinterkopf ist ein Haarwirbel, von ‘welchem an die Haare des Oberkörpers bis zur Schwanzspitze rückwärts gerichtet sind. Ein anderer Haarwirbel ist vorn an der Basis des Halses in der Höhe des Gelenkkopfes am Schulterblatte, in welchem sich die zwei an den Seiten der
*) Buflon bist. nat. Vol. XII. Taf. 46.
Antilope redunca. 21,
Brust auflaufenden Haarnäthe vereinigen. Unter der Biegung der Vorderfüsse ist eine nackte Schwiele, welche den an dieser Stelle gewöhnlich bei vielen Antilopenarten befindlichen Haar- büschel ersetzt. In den Weichen sind vier tiefe Inguinalgruben; die Hufe sind schmal, länglich, ziemlich scharf zugespitzt; der Schwanz ist kurz und mit weichen Zottelhaaren dick bewachsen.
Körperausmessung des erwachsenen Männchens.
Kopflänge von der Nasenspitze bis zur vordern Seite der Basis der Hömer . 0%. 7. 104
Transversaldurchmesser der Hörner PR a ES re de Länge eines Hornes längs der äussern Krümmung gemessen Fe N} Entfernung zwischen den beiden Hornspitzen BE I — vage kängeydes Os; . U. Körperlänge von der hintern Basis der Hörner bis zum Anfang des Schwanzes 3. 1. 3, Länge der Schwanzrübe . © . a & h e 6 ö De — 3.0. Länge des ganzen Schwanzes zuzüglich der Haare a en Ar), Kopfhöhe am Kreuz und am Blatt Due: oe. Baar me. Cl BängendersSpurs na RU... ee ee os: Breite der Spur Me en Teen
Die Grundfarbe des ganzen Körpers ist röthlich gelb, dabei ist die Basis jedes rothgelben Haares aschgrau. An der Gesammtfarbe finden folgende Modificationen statt: Die Lippen und die Kehle so wie ein schmaler Ring um die Augen sind weifslich. Das Kopfprofil längs der Nase bis zum Scheitel ist gelbbraun; die langen Haare auf der innern Seite des Ohrs und der mit ganz kurzen Haaren bewachsene Streifen schräg abwärts vom Ohr sind weifslich; in letz- terem ist der bereits erwähnte schwärzlich gefärbte runde Flecken. Die Brustmitte, der Bauch und die innere Seite des obern Theils der Beine sind weils. An den Vorderfüssen ist längs ihrer vordern Seite von der halben Länge der Speichen an bis zu den Hufen ein schwarzbrauner Streifen, während bei den Hinterfüssen sich ähnliches nur in der Mitte der Tarsus vorfindet. Die obere Seite des Schwanzes ist rothgelb, die untere weils, die Hörner sind leberbraun.
Das Weibchen ist um Y,, Theil kleiner als das Männchen, und hat gleich allen andern Antilopen aus der Abtheilung der Reduncinen, keine Hörner. Bei meinen Exemplaren ist Nase und Stirn etwas dunkler gefärbt, wodurch sich das Weisse der Augen mehr heraushebt; auch ist die Rückenfarbe mehr graubraun. Es hat 4 Milchwarzen.
Ich beobachtete diese Antilope ziemlich häufig in der wellenförmigen Hochebene der abyssi- nischen Provinz Woggera und in den grasreichen Niederungen um den Dembea-See. Beide Gegenden sind so ziemlich ganz von Gebüsch entblöfst, ihre relative Höhe 6 bis 8000 Fuls über dem Meeresspiegel; dort weiden diese Thiere in kleinen Gesellschaften von 4 bis 6 Stück. Die Weibchen sind weit weniger mistrauisch als“ die. Männchen, welche vor jedem fremden Gegenstand zurückbleiben, und daher weit schwieriger zum Schufs kommen; ihre Feinde in Abyssinien sind vorzugsweise Löwen, Leoparden und wilde Hunde (Canis pietus). Der 'abyssi- nische Landesname des Thiers ist Boher (Nh Z:) *)-
*) Ludolf in seiner Historia Acthiopica Lib. I. Cap. 10. 72. schreibt wohl aus Verschen MY) Z: Capreolus; wenigstens kenne
ich unter dieser Benennung kein Wild aus Abyssinien. 6
Säugethiere.
ara
22 Antilope Madoqua.
Der auf Tafel 13. Fig. 1. a und b abgebildete Schedel ist derjenige eines ausgewachsenen Weibehens. Bei dessen Vergleichung mit demjenigen verwandter Arten ist die grosse Länge des zahnlosen Theils am Oberkiefer auffallend; derselbe mifst 3 Zoll Länge, während der von den 6 Mahlzähnen besetzte Raum nur 2 2“ mifst. Die Nasenknochen sind gleich wie bei allen Antilopen, welche keine sich nach aussen öffnende Thränengruben haben, sehr lang und schmal; ihre Endspitzen reichen beinahe bis zum halben Durchmesser der Augenhöhle; dagegen sind die Intermaxillarknochen kurz, und erstrecken sich nicht bis an die Nasenknochen. Die Thränen- gruben ersetzt ein ziemlich grosser rhombischer Spalt, der durch eine tendinöse Membran über- zogen ist. Die Ränder der Pfeilnath zwischen den Frontalknochen bilden gemeinschaftlich eine etwas elliptische Erhöhung.
Noch ist zu bemerken, dafs man in den Papieren des vielverkannten Bruce, eine recht gute, genaue Beschreibung dieses Thieres gefunden hat, welche in der 3. (Edinburger) Ausgabe seiner Reisen im 7. Bande pag. 362 abgedruckt ist.
Taf. 7. Fig. 2. Antilope Madoqua. Bruce.
Synon.: Antilope grimmea? Pallas et F. Cuvier.
Diagnos. Mas adult. Antilope cornubus medioeribus, reetis, eylindrieis, longitudinaliter striatis, antice subcompressis, parte basali nonnullis annulis undulatis, apice lavigato; ante oculos stria horizontali calva viscositatem secernente; inter cornua peniecillo pilis elon- gatis divergentibus; cauda brevi, subtus et supra pilosa, scopis ad antipedes nullis; ungulis spuriis minutissimis. Corporis colore ex einereo rufescente, a naribus usque ad verticem stria nigrieante; gula, labiis, ventre et parte interna pedum albidis; ad labium inferius utringue macula einerascente. Pedes a spuriis ungulis apicem versus nigricantes, nigredine ad anticas tibias linealiter ascendente. Cauda supra. nigra, infra albida.
Fomina ecornis, mammis 4, in utroque sexu fossa inguinales dus.
Ob die von mir abgebildete abyssinische Antilope mit derjenigen identisch ist, welche Pallas *), Vosmar **) und F. Cuvier ***) unter dem Namen Ant. grimmea bekannt gemacht haben, und die vom Senegal und Guinea herstammte, wage ich nicht zu entscheiden. Gleiche Grösse, Form der Hörner, nackte Hautstreifen auf den Seiten des Kopfes zwischen Augen und Nasenlöcher haben beide Arten gemein, und auch so ziemlich die Hauptvertheilung der Farben. Aber die von Grimm vor 160 Jahren am Cap beobachtete Antilope war nichts als ein junges Individuum derjenigen Thierart, welche vor 20 Jahren Blainville unter dem Namen Antilope mergens unvoll- ständig beschrieb, und wovon Lichtenstein in seinen Darstellungen neuer Säugthiere, Taf. XI. eine mangelhafte Abbildung bekannt machte +). Ohne Zweifel ist das von mir nachstehend zu beschreibende Thier identisch mit demjenigen, wovon in der 3. Ausgabe von Bruce’s Reisen unter dem Namen: „madogua Antilope“ eine gute Beschreibung und erkenntliche Abbildung gegeben wurde++), und von welchem Thier bereits Hiob Ludolf vor 150 Jahren unter gleicher Benennung Erwähnung that +FY).
*) Spicilegia fasc. I. Taf. 3. pag. 41. und Miscellanea Taf. 1.
**) Natuurlyke Historie van het guineesche Jufler-Bokje, Amsterdam 1766. **") Mammileres. Vol. 2. Taf. 110.
+) Sowohl in der Lichtenstein’schen Abbildung als auch Beschreibung ist der nackte Hautstreifen an beiden Seiten des Kopfs
vergessen worden.
tr) Bruce Travels 3. edit. Vol. 7. pag. 360. und Taf. 56. {rt) Historia Aethiopiea Lib. I. cap. 10. 73. PP: Madokua, animalia qua capris assimilabat Gregorius.
Antilope Madoqua. 23
Aeussere Beschreibung.
Das ausgewachsene Männchen der Madoqua entspricht in Grösse dem drei Monat alten Kalbe eines Damhirsches; es hat gerade, zugerundete, auf der vordern Seite der ganzen Länge nach etwas comprimirte Hörner, deren unteres Drittheil mit 6 bis 8 wellenförmigen Ringen gerippt ist; im mittleren Verlauf haben sie schwach angedeutete Längsfurchen; an der geglätte- ten Endspitze sind die Hörner noch einmal so weit von einander entfernt als an der Basis. Die Nasenkuppe ist ganz unbehaart bis an den Mundrand; statt der Thränensäcke ist in einiger Entfernung vor jedem Auge und etwas unterhalb ein nach der Nase zu laufender schmaler haarloser Hautstreifen, unter welchem eine Drüsenmasse liegt, die eine gelbliche, starkriechende Pomade ausschwitzt, ganz wie solches bei der capischen Antilope mergens der Fall ist. Zwischen den Hörnern bilden ziemlich lange Haare einen trichterförmigen Wirbel, der wie ein gespreitzter Pinsel abstehet. Etwas unterhalb der Ohren ist ein anderer Haarwirbel, von welchem aus bis zum Schwanze die Haare rückwärts laufen. Die Haare des Halses sind etwas spröde, diejenigen des Körpers ziemlich lang und weich. Der Schwanz ist kurz, ziemlich behaart, und endet in eine Quaste. An den Vorderfüssen kein Haarbüschel oder Schwiele. In den Weichen zwei tiefe Inguinalgruben, und bei den Weibchen vier Milchwarzen. Die Hufe und Nebenhufe sind ganz besonders klein, letztere kaum bemerkbar.
Körperausmessung.
Kopflänge von der Nasenspitze bis zur vordern Seite der Basis der Hömer . 0%. 5. 4“ Transversaldurchmesser eines Hornes 0. 0. 7. Dessen verticale Länge Ce Be: er Nee Oms2mag! Entfernung zwischen den Endspitzen der Homer. . . .20..2.0.20..2.0 1 3. Länge der Ohren a TEE re a re U el Körperlänge von der hintern Basis der Hörner bis zum Anfang des Schwanzes 2. 3. 0. Länge der Schwanzrübe U OU IN. Bene ne ee 6 — 2. 3. Der ganze Schwanz mifst zuzüglich der Haaruate . . 2 2020.20 — 4 6. Körperhöhe am Kreuz . . . B 6 a 6 6 6 © 6 6 2. 0. 0. Länge der Spur SO TE N u 2 An Ve 1. Breite der Spur a a 5 engen ee ae ne ed:
Die Grundfarbe des ganzen Thiers ist gelblich roth; da aber genau betrachtet alle Haare des Oberleibs und der äussern Seite der Beine an der Basis und Endspitze aschgrau sind, so erhält der ganze Balg ein gesprenkeltes Ansehen. Von der Nasenspitze bis zu den Hörnern gehet ein schwarzbrauner Streifen; von gleicher Farbe ist der trichterföormige Haarschopf. Die Kopfgegend der nackten Hautstreifen, ein dünner Strich über den Augen, und die Basalgegend der Ohren sind grau. Lippen, Kehle, Bauch und innere Seite der Füsse grauweils. Zu beiden Seiten des Unterkiefers ein schwarzgrauer Flecken. Unterer Theil der Füsse zwischen den After- klauen und Hufen, und ein Flecken an der Vorderseite der Biegung der Vorderfüsse, rauchschwarz; zuweilen verlängert sich dieser schwärzliche Flecken abwärts bis an die Hufgegend. Schwanz an der Basis gelbgrau, die Quaste oberhalb schwarz, unten weils. Das Weibchen unterscheidet
24 Antilope Madoqua.
sich von dem Männchen nur durch den Mangel der Hörner, in Grösse sind sich beide gleich; an den Jungen ist der schwarzbraune Streifen längs des Kopfprofils nur an der Nasenspitze
angedeutet *).
Die Madoqua-Antilope kömmt nur in bergigen mit Buschwerk bedeckten Gegenden vor, und zwar in solchen, die 5000 bis 8000 Fuls über der Meeresfläche erhaben sind. Ich beobach- tete das erste Individuum zu Galla in der Bergkette westlich von Massaua; später fanden wir das Thier häufig auf den Bergen um die Thäler der Kulla; es lebt immer Paarweise, und ist wegen seines flüchtigen Eindringens ins Gebüsch schwierig zu jagen. Der abyssinische Landes- name ist Madoqua, mit welcher Benennung übrigens die dort gleichfalls vorkommende Ant. montana zuweilen bezeichnet wird. — An dem Schedel ist die nahmbare Vertiefung vor jeder Augen- höhle bemerkbar, worin die den gelblichen Schleim absondernde Drüse liegt; die nämliche Ver- tiefung ist bei dem Schedel von Ant. oreotragus, pygmaa und dem irrigerweise Ant. mergens benannten Thiere.
Ich gebe hier noch eine Zusammenstellung, nicht allein der Antilopen-Arten, sondern auch sämmtlicher Wiederkäuer, die ich auf meiner nordafrikanischen Reise beobachtet und eingesammelt habe:
Camelus dromedarius (Lin.); nicht selten in ganz verwildertem Zustande, in den Steppen von Kordofan; es sind aber immer herrnlos gewordene Thiere, die aus der Domestieität entlaufen sind. Kömmt nie in Abyssinien vor, mit Ausnahme der flachen Thäler längs der Meeresküste.
Camelopardalis Giraffa (Lin.). Die in dem Atlas zu meiner vorigen Reise, Taf. 8. gegebene Abbildung ist ungenügend, da man dabei meine nach dep Leben gefertigte Skizze nicht benutzte; die vielen in neuerer Zeit nach den in London (wo jetzo gleichzeitig sich sieben lebende Giraffen befinden) und Paris gepflegten Thieren publieirten Abbildungen ersetzen die meinige vollkommen. Nach meinen neuesten Vergleichungen kann ich der Meinung über die Artenverschiedenheit dieses Thieres aus Nord- und Südafrika nicht beistimmen. Die angege- bene Differenz in den Kniebüscheln ist irrig, diejenige des Grössenunterschiedes des mittleren Hornes und der Lacrymalknochen ungenügend, und der angebliche Farbenunterschied ist theilweise durch die Lohe bei dem Gerben der Haut hervorgebracht. Die Giraffe kömmt ziemlich häufig in kleinen Familien von 4 bis 6 Stück in den mit Buschwerk bewachsenen Steppen und Thalniederungen südlich vom 17. Breitegrad vor. In den bergi- gen Gegenden Abyssiniens findet sich dieses Thier nie.
Antilope Dorcas (Lin.) ; häufig in kleinen Familien in den sandigen Flächen von Egypten, dem peträischen Arabien, Nubien, Kordofan und Sennaar; auch längs der abyssinischen Küste bei Massaua; heifst bei den Arabern: Gasal, zu Massaua: Schoka **).
*) Der durch Salt aus Abyssinien gebrachte Antilopenkopf, welcher sich in dem College of Surgeons in London befindet, und den Blainville unter dem Namen Ant. Saltiana beschrieb, ist nach den von mir gemachten Untersuchungen derjenige einer jungen Antilope Madoqua. _Blainville übersah ganz die an diesem Kopfe deutlich bemerkbaren unbehaarten schwarzen Hautstreifen, die in einiger Ent- fernung vom Auge nach der Nasenspitze verlaufen, aber er bemerkte ganz richtig, dass der in Rede stehende Kopf keine Thränengruben habe. Durch eine unglückliche Uebereilung wendete Lichtenstein den Blainville'schen Namen Ant. Saltiana auf eine kleine Antilopenart an, welche die preussischen Gelehrten Hemprich und Ehrenberg bei Massaua an der abyssinischen Küste eingesammelt hatten; obgleich dieses Thier mit sehr deutlichen Thränengruben verschen ist. Dr. Cretzschmar, der die Bekanntmachung der von mir auf meiner vorigen afrikanischen Reise entdeckten Säugthiere besorgte, copirte ohne Prüfung Lichtenstein’s Irrung; ja Herr Elhrenberg selbst auf Taf. VIII. der Mammalia seiner Symbol» physic» bezeichnete die kleine Antilope von Massaua immer noch mit dem irrigen Namen Antilope Saltiana; als er aber im Jahr 1832 die Beschreibung ausarbeitete, entdeckte er die Verwechselung, und benannte nun das von Lichten- stein, in meinem Atlas und in seinem Werke abgebildete Thier, seinem verstorbenen Reisegefährten zu Ehren Antilope Hemprichii.
**) Die von Herrn Ehrenberg unter dem mir unpassend scheinenden Namen Antilope arabica aufgeführte Art, von welcher Lichten- stein (Neue Säugethiere, Taf. VI.) eine Abbildung gab, findet sich nicht bloss in Arabien, sondern auch in Persien und Indien ; aber ich zweile, ob die unlängst lebendig nach Paris von Egypten überschiekte Antilope, welche unstreitig eine Ant. arabica ist, aus Nubien abstamme, wie angegeben wird. Vermuthlich ward sie von Djetta her nach Cairo gebracht. Mehrmals wurde diese Thierart von Indien nach England gesendet, und in neuerer Zeit unter folgenden Namen beschrieben, die als Synonyme aufzuführen sind:
durch Hamilton Smith als Ant. Cora in Griffith Vol. V. p- 261. und durch Sykes als Ant. Bennettii (das Citat in dem Index der Proceedings of the Zool. Soc. von 1833 als pag. 114 ist fehlerhaft, ich kann aber die wahre Beschreibung nicht auffinden.)
Antilope Madoqua. 25
Antilope Dama (Pallas), Rüpp. zool. Atlas, Taf. 14.und 16., lebt in zahlreichen Herden in den Steppen von Sennaar, Nubien und Kordofan, und durch ganz Nordafrika unterm 20. Breitegrad bis an den atlantischen Ocean. Dieses Thier heilst in Ostafrika Ledra oder Addra. Bennett (Proceeding for 1833 pag.2.) glaubt die am Senegal lebende Race unter dem Namen A. Nanguer und diejenige von Marocco unter dem Namen A. Mhorr specifisch trennen zu müssen, welcher Ansicht ich nicht beistimmen kann.
Antilope Sömmerringüi (Rüppell), Rüpp. zool. Atlas, Taf. 19. Wurde von mir nur in den buschigen Thälern längs der abyssinischen Küste beobachtet; kömmt übrigens auch vermuthlich auf der grossen Insel Dahalak vor; lebt in kleinen Familien; zieht zuweilen in grossen Herden, wenn Nahrungsbedarf das Auswandern nöthig macht. Es ist ein Irrthum, wenn bei der Beschreibung des Thiers in meinem vorigen Atlas durch Herrn Dr. Cretzschmar gesagt wurde, dals die Haare an mehreren Stellen der Körperhaut fleckenweise in verschiedene Richtungen gestellt sind, wodurch das Ganze das Ansehen eines gewässerten Seidenbandes habe. Diese Täu- schung war veranlalst durch das ungleiche Trocknen der von ihm beschriebenen Haut, an welcher beim Abziehen einzelne Streifen von Muskelfasern verblieben waren. Der Landesname des Thiers ist Arab.
Antilope montana (Rüppell), Rüpp. zool. Atlas, Taf. 3. Ich hatte ein ausgewachsenes Männchen dieser Thierart im Jahr 1823 von Sennaar unter dem gewils weit passenderen Namen Ant. brevicaudata anhergeschickt, welche Artenbezeichnung man hier ganz unbefugter Weise umänderte. Auf den Hochebenen von Woggera, in der Umgegend von Gondar, und in den Thälern der Kulla erlegte ich seitdem mehrere Individuen dieser Art, so dals ich mehreres zur Vervollständigung der Beschreibung derselben mittheilen kann. Diese Antilope wird nicht grösser als jenes im Jahr 1823 erhaltene Individuum; nur das Männchen ist mit Hörnern versehen; beide Geschlechter haben zwei Inguinalgruben, deren Oeffnung mit einem weissen langen Haarbüschel über- wachsen ist. Das Weibchen hat 4 Milchwarzen. Ganz besonders merkwürdig ist, dals die jungen Männchen am vordern Winkel der Maxillarknochen kleine Spitzzähne besitzen, wie die Moschusthiere, oder der Mundjack Hirsch. Aber durch eine eigene Anomalie verliert Ant. montana bei zunehmendem Wachsthum diese Spitz- zähne *). Dieses Thier lebt Paarweise in grasreichen Triften, welche mit niederem Buschwerk durchsetzt sind; sein abyssinischer Landesname zu Gondar ist Fecko.
Antilope Madogua (Bruce), Rüpp. neue Wirbelthiere, Taf. 7. Fig. 2. Die Confusion, welche mit dieser Antilope und dem von Grimm erwähnten capischen Thier gemacht wurde, besprach ich ausführlich vorstehend auf pag. 22. Hat gleiches Vorkommen mit Antilope montana, liebt jedoch mehr die bergigen Gegenden. Heilst in Abyssinien Madoqua, und bei Massaua Danido.
Antilope Oreotragus (Forster). Lebt Paarweise in den felsigen Berggegenden Abyssiniens, die mit Gebüsch bewachsen sind; heifst in jenem Lande Sassa; bei Massaua, wo dieses Thier auch von mir eingesammelt wurde, Goptu. Ist unwiderruflich identisch mit der am Cap lebenden Art.
Antilope Hemprichi (Ehrenberg). Rüpp. Atlas Säugethiere, Taf. 21. unter dem unrichtigen Namen Ant. Saltiana. Lebt Paarweise in niederem Gebüsch der abyssinischen Küstenlandschaft. Heilst daselbst Atro.
Antilope redunca (Pallas), Rüpp. neue Wirbelthiere (Säugethiere Taf. 7. Fig. 1.). Vorkommen auf den gras- reichen Hochebenen von Abyssinien, und durch ganz Nordafrika bis zum Senegal. Heilst in ersterem Lande Bohor.
Antilope Defassa (Rüppell), Rüpp. neue Wirbelthiere (Säugethiere Taf. 3.). Lebt Paarweise in den buschigen Thälern im nördlichen Abyssinien, woselbst es Defassa heilst; kömmt auch in Kordofan, Darfur und bis nach Senegambien vor. Es ist das nämliche Thier, welches mir die Eingebornen der beiden ersteren Länder mit dem Namen Boura und Chora bezeichneten, welches mithin Synonyme sind. In dem Londner zoologischen Garten" lebt anjetzo ein Weibchen, das von Westafrika geschickt wurde, und welches Herr Bennett vorläufig mit dem Namen Ant. Singsing bezeichnete. Ist Büffons Antilope Koba, wovon man bis jetzo nichts kennt als den von diesem Naturforscher abgebildeten Schädel (Buffon Mammiferes. Vol. X. pl. 32. Fig.1.), identisch mit meiner Ant. Defassa ?
Antilope Decula (Rüppell), Rüpp. neue Wirbelthiere, Taf. 4. Häufig Paarweise in den buschigen Niederun- gen des nördlichen Abyssiniens, woselbst der Landesname Decula.
Antilope Addax (Lichtenstein), Rüpp. zool. Atlas, Taf. 7. Lebt in zahlreichen Herden in den sandigen Steppen von Nubien und vermuthlich im ganzen nördlichen Afrika vom 16 bis 20. Breitegrad. Heifst in Nubien Akas. Nach meinen genauen Vergleichungen im Brittischen Museum ist das von Blainville unter dem Namen Antilope nasomaculata beschriebene Thier, welches Hamilton Smith in Griffith Naturreich, Vol. 5. pag. 204.,
*) Siche meine Mittheilung an die Londner zoologische Gesellschaft in ihren Proceedings for 1836. pag. 3.
Säugethiere. T
26 Antilope Madoqua.
Gott weils warum, unter dem neuen Namen von Antilope mytilopus abgebildet hat, nichts als ein unausgewach- senes Individuum von Antilope Addax, dessen Schwanz verstümmelt ist! Andere Synonyme des nämlichen Thiers sind Ant. suturosa (Otto) und Ant. gibbosa (Savi), so dals dieses kaum seit 14 Jahren den Naturforschern bekannte Thier nun schon fünf verschiedene Namen erhielt!
Antilope Strepsiceros (Pallas). Das erste Individuum dieser Thierart, welches ich in Abyssinien erhielt, war ein ganz altes Männchen, dessen Haarkamm längs des ganzen Vorderhalses weilsgrau gefärbt war; da nun alle Autoren diesen Körpertheil als schwarz bezeichnen, so glaubte ich eine von dem capischen Strepsiceros ver- schiedene Thierart zu besitzen; aber bald erlegten wir jüngere Individuen in Abyssinien, wo die erwähnte Körperstelle die normale schwarze Farbe hatte, und genaue Vergleichungen mit Exemplaren, die von Guinea und der Caplandschaft stammen, überzeugten mich, dafs das abyssinische Thier mit jenen specifisch identisch ist. Der Strepsiceros lebt in kleinen Familien von 4 bis 6 Stück auf behölzten felsigen Bergzügen, sowohl an der Seeküste bei Massaua, als bei Gondar und auf den Bergen der Kulla. Der abyssinische Name des Thieres ist Agazen. Bei Massaua heifst das Männchen Garrua, das Weibchen Nellet; die Araber von Nubien und Kordofan nennen es Tendal, unter welcher Bezeichnung es in meinem vorigen zoologischen Atlas (Säugethiere pag. 22. Note) aufgezeichnet ist.
Antilope Algazella (Linn.) F. Cuvier mammiferes, Vol. I. Taf. 106. im Winterkleide; lebt in Herden in den Steppen von Nubien und selbst in Egypten bis in die Nachbarschaft des Fajoum; heifst bei den Arabern Abu Harab. Dieses Thier ward von Lichtenstein und Fischer irriger Weise mit Ant. leucoryx des Pallas verwech- selt. Hamilton Smith *) hat noch eine Confusion veranlafst, indem er ein von mir aus Nubien eingeschicktes junges Individuum von Ant. Algazella, als eine eigene Art trennte, und unter dem Namen Ant. Tao aufführte!
Antilope Beisa (Rüppell), Rüpp. neue Wirbelthiere. Taf. 5. Lebt Paarweise in den buschigen Thälern an der abyssinischen Küste des rothen Meeres, und selbst nördlich bis Egypten und westlich bis Kordofan. Heilst bei Massaua Beisa. Es ist das nämliche Thier, welches mir in Kordofan Damma benannt wurde **).
Capra arabica (Mus. Vindobon.), Cap. nubica (F. Cuv.), Cap. sinaitica (Ehbg.); lebt Familienweise in felsi- gen Gebirgsgegenden von Mittelegypten, im peträischen Arabien und in Hedjas; niemals südlich vom 24. Breite- grad in Nubien oder Abyssinien beobachtet. Heifst im arabischen Beden.
Capra Walie (Rüppell), Rüpp. neue Wirbelthiere. Taf. 6. Lebt nur auf den sich zur permanenten Schnee- region erhebenden Felsbergen in Abyssinien, allwo in kleinen Familien auf den unzugänglichsten Höhen. Heifst im Abyssinischen Walie.
Ovis tragelaphus (Lin.) Abbildung in der Description de l’Egypte, Mammiferes pl. 7. Fig. 2. Vorkommen in kleinen Familien in ganz Nordafrika bis zum 18. Breitegrad, auf felsigen Hügelzügen. Heifst in Nubien Tedal.
Ovis steatopygus (Pallas), welches als Zuchtschaf häufig in Arabien, Nubien und am abyssinischen Küsten- striche in grossen Herden lebt, ist nichts als eine Monstrosität von Ovis ammon, hervorgebracht durch künst- liche Verdrehung der Schwanzwirbel. Viele dieser Zuchtschafe haben keine Hörner, und statt Wolle ein straffes Haar.
Bos caffer (Sparmann) kömmt in grossen Herden in den sumpfigen Niederungen nördlich von Abyssinien vor; wir erlegten daselbst 4 Individuen; heifst in Abyssinien Gosch; das Thier wird nie gezähmt; es kömmt auch in Kordofan und vermuthlich im ganzen Sudan vor, und heilst im Kordofan Kuah.
Bos bubalis (Brisson) findet sich in beinahe verwildertem Zustande in den sumpfigen Niederungen des egyp- tischen Delta’s vor; heilst daselbst Gamus; kömmt als Hausthier südlich von Egypten nicht vor.
Der Zuchtochse in Kordofan und Abyssinien ist die mit dem Speckbuckel versehene Rage von Bos taurus. Der groshörnige Ochse, welcher in den südlichen abyssinischen Provinzen gezogen wird, ist gleichfalls nur Racenvarietät von Bos taurus, die dem groshörnigen Rindvieh der Maremmen in Italien ähnelt. Der abyssini- sche Name derselben ist Sanka.
*) Ruminantia in Griffith animated Kingdom, pag. 189.
**) Zu vorstehend beschriebenen 14 Antilopenarten, die ich alle selbsten in Nordost-Afrika eingesammelt habe, sind noch zwei hinzu- zufügen, welche in Abyssinien vorkommen, von mir flüchtig in einiger Entfernung gesehen wurden, aber nicht erjagt werden konnten. Die eine ist ein ganz kleines Thier, das auf den buschigen Hügeln in der Provinz Simen Paarweise lebt; nur das Männchen behörnt. Hat grosse Achnlichkeit mit der Ant. pygmasa (Pallas). Die andere Art ist so gross wie ein Pferd, sehr hochbeinig, Hörner ähnlich der Ant. Koba, aber weit grösser und robuster, und sollen in beiden Geschlechtern vorkommen. Heisst im Abyssinischen Wodembi, und lebt Familienweise in buschigen Thälern.
Herpestes sanguineus. 27
Herpestes. Illiger.
Die in Afrika vorkommenden Arten dieser Gattung sind weit zahlreicher als man vermuthet hatte; da mehrere derselben sich durch Grösse und Farbe sehr nahe stehen, so ist ihre Verwechslung erklärlich, Geoffroy St. Hilaire, in der Description de l’Egypte, Mammiferes Vol. 2. p. 138. beschrieb in allem 8 Arten von Herpestes, die zur Zeit jener Publication den europäischen Naturforschern bekannt waren. Diesen Aufsatz reproducirte ohne Zubusse oder kritische Untersuchung Desmarest in der Encyclopedie Methodique (Mammiferes pag. 218.); von den beschriebenen 8 Arten sollten angeblich 3 Indien, und eben so viel Afrika und Madagascar bewoh- nen; das Vaterland der beiden andern war unbekannt. Herr Ehrenberg in den Symbolz physice vermehrte die Zahl beobachteter Arten durch den Herpestes leucurus, aus Nubien !), Herr Bennett durch seinen Herpestes vitticollis aus Indien 2); eine mit letzterem nahe verwandte, ja vielleicht identische Art ist der von Herrn Ogilby beschriebene Herp. gambianus vom Senegal 3). In ganz neuerer Zeit hat Dr. Smith in dem South African Quarterly Journal 2) ein Verzeichniss der afrikanischen Wirbelthiere zu drucken begonnen, worin er 5 Arten afrikanischer Herpestes aufführt. Diese Arbeit ist mir erst bei meiner jüngsten Anwesenheit in London zu Gesicht gekommen, aber vor jener Zeit hatte ich bereits die Abbildungen der 4 Herpestes lithographiren und coloriren lassen, die ich vor 5 Jahren in Abyssinien und Kordofan einsammelte; zwei von mir als neu abge- bildete Thiere sind daher höchst wahrscheinlich identisch mit denjenigen, welche Dr. Smith unter dem Arten- namen H. madagascariensis und H. tzenianotus beschrieben hat; es scheint mir auch, dafs dieser Naturforscher aus Versehen als neu zwei andere Arten aufführt, die bereits Desmarest und Ehrenberg: beschrieben haben; denn mir dünkt, dafs H. caffer (Smith) synonym ist mit H. griseus (Geoffroy), und ferner H. albicaudatus (Smith) mit H. leucurus (Ehrenberg). Bei fast allen bisher bekannt gemachten Beschreibungen dieser Thierarten war der Bau der Schedel unberücksichtiget geblieben, oder aus dem zufälligen Ausfallen ‘der Mahlzühne ganz irrige Consequenzen gefolgert, wie z. B. durch Herrn Ogilby 5), der durch dasselbe sich veranlafst fand, für Herpestes Mungos von Indien einen eigenen Gattungsnamen — Mungos — vorzuschlagen.
Auf meinen nordafrikanischen Reisen beobachtete ich 6 verschiedene Arten von Herpestes; die eine ist der seit den ältesten Zeiten bekannte H. pharaonis; dieses Thier kömmt sehr häufig in Unteregypten vor, heilst daselbst Nims; in der Description de l’Egypte findet sich eine gute Abbildung des Thiers und Schedels ®). Die zweite Art ist Ehrenbergs Herpestes leucurus ?). Ich erlegte ihn sehr häufig in Nubien, allwo sein Landes- name „Abu Turban“ ist. In Körpergrösse stehet er nur etwas weniges dem H. pharaonis nach, und seine Schedelform ähnelt in vergrössertem Maasstabe meinem H. gracilis (Taf. 10. Fig. 2.). Die vier andern von mir beobachteten Arten haben bei weitem kleinere Körperdimensionen, ihre Schedelform und Wirbelzahl ist unter- einander abweichend; sie leben alle südlich vom 16. Breitegrad, und wenn die Smith’schen Arten mit den meinigen identisch sind, so sind einige derselben bis an die Südspitze von Afrika verbreitet.
Taf. 8. Fig. 1. Hoerpestes sanguineus. Rüppell.
Synon.: Herpestes madagascariensis? Dr. Smith. Diagnos. Herpestes capitis colore cinereo nigro punctato, corpore ex isabellino rufo, pilis annulis et apieibus umbrinis; gula, pectore et ventre albicante, pedibus isabellinis; cauda corporis longitudinem paululum excedente, zqualiter villosa, colore isabellino et nigro variegato, parte apicali rubiginosa; plantis pedum nudis.
Körpergrösse und Form derjenigen eines Wiesels ähnlich; die Haare des ganzen Oberkopfs sind hellgrau, jedes Haar in seiner Mitte mit schwärzlichem Farbenring; der Nacken, Rücken
1) Dieser Name ist sehr unglücklich gewählt; denn sowohl ich als die preussischen Reisenden selbst, beobachteten Individuen dieser Art, deren Schwanz statt weiss, schwarz ist.
2) Proceedings of the Zoological Society of London, 1835. pag. 66.
3) Proceedings etc. 1835, pag. 66.
4) 2e Series, No, 2. Cape town, 1834.
5) Proceedings of the Zool. Society, for 1835. pag. 103.
6) Desc. de l’Egypte, Mammiferes, pl. 6. Fig. 1. u. Suppl. pl. 1. Fig. 1.
7) Symbols plysic®, Mammalia. Tab. 12.
28 Herpestes sanguineus.
und die Seiten des Körpers rothisabellfarbig, die Haare kastanienbraun geringelt; Kehle, Vorder- hals und Bauch weifslich; Vorderfüsse isabellfarbig, Hinterfüsse mehr röthlich. Der lange Schwanz, welcher durchaus stark behaart ist, hat eine rothgelbe Grundfarbe, jedes Haar mit 2 bis 3 dunkelgrauen Ringen; das Schwanzende einförmig rostroth. Die Iris ist hellbraun. Die Nägel der Füsse sind an einem Individuum sehr grofs und hellgrau, an einem andern mittelmässig und dunkelhornfarbig; beide waren am nämlichen Orte erlegt. Bei allen Herpestes sind zu beiden Seiten des Afters kleine Drüsen, die in zwei Blindsäcke ausmünden und eine gelbliche öhlige Flüssigkeit ausscheiden, welche das Thier oft in gekauchter Stellung an Steinen oder Holzwerk
abstreift. Körperausmessung.
Ganze Körperlänge von der äussersten Nasenspitze bis zur Schwanzbasis 6 0. 11°. 6" Länge des Schwanzes bis zum Ende des Haarbüschels © . © © . — 12. 6 Der Haarbüschel des Schwanzes allein gemessen, beträgt . . . ....—. 16 Von der Nasenspitze bis zum Mundwinkel . nn nn. —erlel Von dem Mundwinkel bis zum vordern Rand des Ohrs . ö ö . o — |. Verticalhöhe des Ohres . o e Mn . 0 ) Länge der Vorderfüsse von der Basis 18 Nagels. der Mittelzehe bis zum Ende
der Handwurzelknochen © . a o ® a . 2 — 1- Länge der Hinterfüsse von der Nagelbasis bis zum Ende de Be ...—. 1.59
Die Beschreibung des Craniums folgt weiter unten, bei dessen Vergleichung mit demjenigen der verschiedenen andern von mir aufgefundenen Arten; unterdessen gebe ich hier die Zusam- menstellung der Wirbelzahl der 3 Arten von Herpestes, wovon ich vollständige Skelette heim gebracht habe:
Herpestes pharaonis. H. sanguineus. H. gracilis. Rippenwirbel ©. FE ar Ill: A: 15 au 14 Lendenwirbel : : A R 6 A . 2 5 R 5 6 Beckenwirbel 5 E R 0 3 & 5 5 3 a A 3 Schwanzwirbel . 5 B ® 283 S : 22 ö F 25
Dieses Thier hat 4 Milchwarzen am Bauch; die Beiden am Inguine lassen sich nicht mit Bestimmtheit erkennen. Die Zunge ist in der Mitte des vordern Drittheils mit feinen hornigen rückwärts gerichteten Stacheln besetzt; jeder Lungenflügel ist in 4 Abtheilungen gesondert; die Leber bestehet aus 7 ungleichen Lappen; die dünnen Därme und der Zwölffinger-Darm messen zusammen eine Länge von 3°. 3°. 0”; das Rectum und das Colon zusammen 7’. 2”.
Die Herpestesarten überhaupt bewohnen Erdhöhlen in buschigen Gegenden; sie jagen bei Tag kleine Vögel, und berauben die Nester; auch leben sie von Mäusearten und sind ziemlich blutdürstig; übrigens lassen sie sich leicht zähmen, und zeigen dann viele Anhänglichkeit; sie schleichen sehr niedergekaucht einher, und legen sich beim Schlaf gerollt zusammen; ihre Stimme ist ein ziemlich scharfes eintöniges Pfeiffen.
Ich beobachtete diese Art nur im Kordofan, allwo solche bei den Landeseingebornen Abu
Wusie benannt wird. —
29 Taf. 8. Fig. 2. Herpesies gracilis. Rüppel.
Diagnos. Herpestes toto corpore colore cinereo flavicante, pilis annulis et apicibus umbro -fuseis, parte postica cauda nigra, collo et ventre rufescente; cauda clongata villosa longitudinem corporis quinta parte excedente; planta pedum seminuda.,
Die schlanke Körperform, der verhältnifsmässig weit längere Schwanz, und die Körperfarbe unterscheidet diese Art sehr gut von der vorbeschriebenen, auch selbst ohne Berücksichtigung der wesentlichen Verschiedenheit ihres Schedelbaues. Der Schwanz ist um ein. Fünftheil länger als der Körper, durchaus gleich lang behaart. Nur der mittlere Theil der Fufssohlen ist unbe- haart. Die Grundfarbe des Kopfes, des ganzen Oberkörpers, der Füsse und des Schwanzes ist gelbgrau, alle Haare mit dunkelbraunen Ringen und Endspitzen, wodurch sich quer über den Rücken undeutliche Wellenlinien abzeichnen. Das Ende des Schwanzes ist schwarz, Kehle, Hals und Bauch röthlich grau, Iris hellbraun; die Nägel, welche bei verschiedenen Individuen sehr in Grösse variiren, sind hornfarbig.
Ganze Körperlänge von der Nasenspitze bis zur Schwanzbass. . .. m. ı1. 74 Länge des Schwanzes mit der Quaste a ee © ee Qt Die Quaste allein gemessen £ a Re er ee — 1. &.
Die übrigen Dimensionen wie bei Herpestes sanguineus. Ueber den innern Bau dieses Thiers und der beiden nachfolgenden besitze ich keine Notiz; dasselbe wurde von meinen Jägern in den Thälern westlich von Massaua an der abyssinischen Küste ziemlich häufig eingesammelt; es. bewohnt Erdhöhlen in buschigen Gegenden; sein Name bei den Landeseingebornen ist Sakie.
Taf. 9. Fig. 1. Herpestes Mutgigella. Rüppell.
Diagnos. Herpestes colore dorsi et caude umbrino. nigricante, pilis capitis, ventris et pedum annulis rufescentibus variegatis; cauda equa- liter villosa corporis longitudine decima parte minore, parte postica nigra; parte epila plantarum pedum angusta,
Bei sonst ganz gleichem Körperverhältnifs ist die Länge des Schwanzes merklich kürzer als diejenige der vorher beschriebenen Arten; dieselbe ist beiläufig ein Zehntheil geringer als der Körper. Besonders bemerkenswerth ist es, dafs ich Individuen dieser Art einsammelte, woran ganz ausnahmsweise von allen bekannten Arten von Herpestes der ganze Balg einförmig schwarz- braun gefärbt ist, während bei andern Individuen diese Farbe am Halse, Körper und den Beinen durch rothbraune Endspitzen und Ringe der Haare gesprenkelt erscheint, gleich wie solche Zeich- nung bei allen andern bekannten Herpestesarten der Fall ist. Bei diesen beiden Farbenvarietäten von H. Mutgigella ist immer Oberkopf, Nacken, Rückenmitte und Schwanzende glänzend schwarz. Die Nägel der Füsse sind von mittelmässiger Grösse und dunkelbraun gefärbt; der nackte Theil
der Fufssohlen beschränkt sich auf einen schmalen Hautstreifen.
Ganze Körperlänge von der Nasenspitze bis zur Schwanzbasis . . . M. No
Länge des Schwanzes mit der Quaste . el Wa: 0 — 11. 6.
Die Quaste allein gemessen . ! . 0 . 6 . 5 6 6 — 1. 6 8
Säugethiere,
30 Herpestes zebra.
Dieses Thier lebt im Gebüsch in Erdhöhlen um die Häuser in der abyssinischen Provinz Dembea und Simen, stiehlt die Eier der Haushühner, und greift auch das junge Hofgeflügel selbst an; der ihm in jenen Gegenden gegebene Landesname ist Mutgigella.
nn
Taf. 9. Fig. 2. Herpestes zebra. Rüppell.
Symon.: Ichneumon tänianotus? Smith.
Diagnos. Herpestes supra colore umbrino fusco, parte posteriori dorsi 13 — 15 fasciis flavo - umbrinis transversalibus, gula, pectore, ventre et parte interna pedum ferruginea, linea media abdominali alba, extremitate pedum fuscescente; cauda corpore tertia parte minore, subcuneiformi, unguibus antipedum majoribus.
Ob dieses Thier nur climatische Varietät von demjenigen ist, welches Dr. Smith unter dem Namen Ichneumon tänianotus beschreibt, angeblich von Port-Natal abstammend *), oder jenes, welches F. Cuvier unter dem Namen Mangouste & bandes, ohne Angabe des Vaterlandes, abbil- det **), oder endlich des Mungo, jenes angeblich in Indien lebenden Thieres, wovon Daubenton in Buffon, Vol. 13. Taf. 19. eine Figur bekannt machte, dieses müssen fernere Untersuchungen aufklären. Alle diese Thiere stimmen darin mit einander überein, dafs ihr Schwanz vergleichs- weise zum Körper kürzer als gewöhnlich und keilförmig geformt ist, und dafs sie mit regel- mässigen dunkleren Querstreifen über den Hinterrücken gezeichnet sind. Aber der weisse Farben- streif, der über Brust und Bauchmitte hinzieht, bei den 7 Individuen, die ich in Abyssinien ein- sammelte, und die verhältnifsmässig sehr grossen Nägel der Vorderfüsse werden in keiner Beschrei- bung jener Thiere erwähnt. Vergleichungen mit der von mir publicirten Abbildung des Schedels werden zur Entscheidung der Frage wegen der Selbstständigkeit der Thierart dienlich seyn, und ich bin der erste, der den von mir vorgeschlagenen Artennamen verwerfen wird, sobald ich über dessen Unnöthigkeit belehrt bin.
Die Grundfarbe des Oberkörpers, des Schwanzes, und der Aussenseite der Füsse ist dunkel- braun, jegliches Haar mit ein bis zwei rothgelben Ringen, welche auf der hintern Körperhälfte so regelmässig gestellt sind, dafs bei glatt gestrichenen Haaren der Rücken gelbgrau und dunkel- braun gebändert erscheint, so dafs man ziemlich deutlich von .der Basis des Schwanzes nach vorn zu 13 bis 15 Paar dieser abwechselnden Farbenstreifen abzählen kann. Die Gegend um den Mund, die untere Kopfhälfte, der Hals, Brust, Bauch und innere Seite der Schenkel sind rostroth; von der Mitte der Brust an ziehet längs des ganzen Unterleibes ein weisser Streifen. Gegen das Ende zu sind die Füsse kastanienbraun, und eben so ist die Spitze des Schwanzes. Die Nägel der Vorderfüsse sind besonders grols, ihre Farbe dunkelhornbraun. Die verlängerten Barthaare an der Oberlippe und diejenigen über den Augen sind schwarz. Die Haare des Schwan- zes verkürzen sich von der Basis desselben nach seiner Spitze allmählich, wodurch er ein konisches Ansehen erhält; an seiner Endspitze selbst bildet sich wieder eine Haarquaste.
*) African Zoology, Cape Town 1834. pag. 114. **) F. Cuvier Mammiferes. Vol. 4. (64we Livraison.)
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Herpestes zebra. 31
Ganze Körperlänge von der Nasenspitze bis zur Schwanzbass . . . ...1%.1.34% Länge des Schwanzes zuzüglich der Quaste Ten A ee Die Haarquaste besonders gemessen . . .. 0 0 u.
Dieses Thier lebt gleich den andern von mir Bao Badialen Hohestee: Arten in Erdhöhlen unter Buschwerk; ich beobachtete bereits im Jahr 1825 ein Individuum in gezähmtem Zustande in Kordofan, wo die Eingebornen dieses Thier „Gottoni“ benennen; später fand ich es ziemlich häufig in den Niederungen der Kulla und im Küstendistrict bei Massaua; es führt in diesen Ge- genden bei den Landeseingebornen den gleichen Namen, welchen ich bei den vorstehenden Arten angegeben habe.
Bemerkungen über die vier Herpestes-Schedel, welche auf Tafel 10. Fig. 1—4. abgebildet sind.
Die Normalzahl der Zähne der Gattung Herpestes ist an beiden Kiefern auf jeder Seite 6 Mahlzähne, die aber je nach dem Alter des Thiers, und vielleicht auch in Folge seiner gewöhnlichen Nahrungsart oft in Zahl und selbst in Form merklich variiren *). Bei ganz alten Individuen finden sich zuweilen am Oberkiefer nur noch vier Paar Mahlzähne, wie man solches bei Fig. 3. (einem Herpestes sanguineus) ersehen kann; bei andern Individuen nutzt sich die Krone der Zähne ganz ab, und die Reihenfolge derselben bildet dann eine gleichförmige Fläche. Die vier Schedel, welche auf der Tafel No. 10. abgebildet sind, weichen durch folgende ver- schiedene Bildung unter einander ab:
1) Durch mehr oder weniger Verengung des Schedels gleich hinter der Augenhöhle. Diese Verengung ist bei H. Mutgigella **) (Fig. 4.) bei weitem am stärksten, dagegen bei H. gracilis (Fig. 3.) kaum angedeutet.
2) Durch die mehr oder weniger geschweifte Form des Jochbeines. Bei H. gracilis (Fig. 2.) ist das Jochbein beinahe horizontal verlaufend, und bei H. sanguineus (Fig. 3.) bildet es ein beträchtliches Bogensegment.
3) Durch Abschliessung der Augenhöhle mittelst einer Knochenleiste oder eines Ligaments. Bei H. Mutgigella (Fig. 4.), bei H. leucurus und H. pharaonis ist die ganze Orbitalhöhle durch einen Knochenrand gebildet; bei den 3 andern neuen Arten schliefst den hintern Rand ein Ligament.
4) Durch das Vorhandensein oder gänzlichen Mangel eines Knochenkammes längs der Mittel- linie des Oceipitalknochens. Bei H. pharaonis ist dieser Knochenkamm am stärksten ausgespro- chen; etwas weniger stark bei H. Mutgigella (Fig. 4.); bei weitem schwächer zeigt er sich bei H. zebra (Fig. 1.); er ist nur in der hintern Hälfte des Craniums bei H. gracilis (Fig. 2.) und bei H. leucurus; endlich ist er gar nicht vorhanden bei H. sanguineus (Fig. 3.). .
5) Durch die Form des hintern Leistenrandes des Oceipitalknochens. Das Ende des Knochen- kammes längs der Mitte des Oceipitis bildet bald eine verlängerte Spitze, wie bei H. leucurus, und H. Mutgigella (Fig. 4.), bald vereiniget sich dasselbe rechtwinkelig mit der querlaufenden
*) Ganz irrig hat Desmarest in der Encyclopedie, Mammalogie pag. 211. die Zahl der Mahlzähne auf 5 oben und unten angegeben. **) Aus Versehen ist bei der Unterschrift diese Abbildung ZHerpestes fuscus benalmt.
32 Herpestes zebra.
Leiste des Oceipitis, wie bei H. zebra (Fig. 1.), H. pharaonis und H. gracilis (Fig. 2.), bald aber ist diese Querleiste selbsten ausgekerbt, und nach vorn geschweift, wodurch die Median- knochenleiste mit derselben einen stumpfen Winkel bildet, wie bei H. sanguineus (Fig. 3.).
6) Durch die verschiedene Länge der Apophyse des Winkels unter dem Gelenkkopf des Unterkiefers, wenn anders der ersichtliche Unterschied nicht eine Folge des Alters ist.
Viverra. Jlliger.
Die grosse Schwierigkeit, die verschiedenen Arten von Thieren zu charakterisiren, welche die Gattung Viverra der neueren Zoologen !) bilden, zu entscheiden, was climatische Farbenvarietät, und was Alters- verschiedenheit sei, dieses ist jedem Naturforscher bekannt, welcher sich mit Artenbestimmung dieser Thiere abgegeben hat, und so lange man wie bisher die Berücksichtigung des Schedelbaues vernachlässiget, wird das Schwankende der Selbstständigkeit der verschiedenen aufgestellten Arten fortbestehen. So hat z. B. F. Cuvier in seinen Säugethierabbildungen drei verschiedene Genetten abgebildet, die in der Malerei gar verschieden aussehen; die eine davon ist Genette du Senegal?), die beiden andern Genette de Barbarie 3) benahmt; bei Beschreibung einer der letzteren sagt nun Cuvier, dafs er nicht gewißs sei, ob die andere nicht eine Genette du Cap sei. Was will er aber damit sagen? glaubt er dafs Viverra genetta (Lin.), welche in Spanien und Südfrankreich vorkömmt, nicht auch in der Barbarei, am Senegal, und durch ganz Afrika bis zum Cap der guten Hoflnung gefunden werde? Dieses ist ganz irrig, wie ich durch directen Vergleich zu beobachten Gele- genheit hatte. Ich bin der Meinung, dafs die drei erwähnten Cuvier’schen Abbildungen, so verschieden auch ihre Farbennuancen sind, nichts als climatische Varietäten einer und derselben Art sind, wozu als Beleg Reihen- folgen von Uebergängen vorhanden sind; noch mehr, ich wage zu behaupten, dals bei allen dreien eine Ver- nachlässigung im Colorit ist, indem sich bei jeder derselben in der Mitte der schwarzen Flecken auf den Körper- seiten ein braunlicher Farbenanflug befinden sollte, welche Färbung je nach den verschiedenen Localitäten an Ausdehnung und Lebhaftigkeit zunimmt. So entstehet nach und nach J. Geoflroy’s Genetta pardina *), deren Farbenschattirung bei der einen in Abyssinien einheimischen Art die vorherrschendste ist, und wenn die Flecken eckig gestaltet sind, so hat man J. E. Gray’s Viverra maculata 5), alles Synonyme des nämlichen Thiers. Ob die vier Thiere, die Dr. Smith in seiner African Zoology unter den Namen Genetta vulgaris, G. fossa, G. tigrina und G. felina aufführt, alle zusammen zu einer Art gehören, dieses müssen die Untersuchungen und Verglei- chungen des Schedelbaues entscheiden ®). ö
Die am häufigsten in Egypten, Nubien, Kordofan und Abyssinien von mir beobachtete Art von Viverra gleicht durch die Färbung bald der Genetta vulgaris, bald der G. senegalensis, bald jener G. pardina, und Reihenfolgen von Uebergängen dieser Färbung habe ich beobachtet, während bei allen der Schedelbau identisch ist. Alle diese Thiere haben eine Art von Haarkamm längs ihrer Rückenmitte, und solcher ist in der hintern Körperhälfte dunkelschwarz oder braunschwarz gefärbt. Unterhalb dieses Haarkammes auf beiden Seiten des Körpers 3 bis 4 Längsreihen von Flecken verschiedentlicher Grösse und Form, je nach den einzelnen Individuen, jedoch in der Regel etwas länglich rechteckig; die Flecken sind nach aussen zu mehr oder weniger schwarz, und bräunlich in ihrer Mitte; das Verhältnifs dieser beiden Farben zu einander ist sehr verschieden. Nach dem Bauch zu und auf den Schenkeln sind einige kleine unregelmässig gestellte dunkle Flecken; unter dem Auge und an den Seiten der Nasenspitze ein weisser Fleck; zwischen beiden ein schwarzbrauner. Längs des Nackens
1) Diejenigen Thiere, welche Cuvier und die französischen Naturforscher als Gattung: Genette benennen.
2) Mammiferes, Vol. 2. Taf. 52.
3) Mammiferes, Vol, 1. Taf. 64. und Vol. 3. Taf. 47.
4) Gucrin Magazin de Zoologie, 2° Annde (1832) 1° Classe pl. 8.
5) Spieilegia Zoologica, 4. London 1830. Taf. 9.
+ 6) Vielleicht habe ich selbst Gelegenheit desshalb in der Folge Untersuchungen anzustellen, wenn die reichhaltige Sendung Capischer Thiere angelangt ist, welche das Frankfurter Museum der rühmenswürdigen Liberalität des Herrn Dr. von Ludwig verdanken wird. Wir
erwarten in Kurzem die Ankunft eines neuen Geschenks wissenschaftlicher Seltenheiten, wodurch dieser rastlose Mann auch bei uns sein thätiges Wirken bewährt,
Viverra abyssinica. 33
zwei Paar schräg abwärts über die Schultern laufende dunkele Farbenstreifen, die zuweilen theilweise unter- brochen sind. Die vordere Seite des Halses, die Vorderfüsse und die Bauchmitte aschgrau. Der Schwanz mit zehn Paar Bändern, wovon abwechselnd das eine schwarz oder dunkelbraun, das andere graubraun oder grau- weils gefärbt ist, die einzelnen Bänder bei verschiedenen Individuen von ungleicher Stärke, das heilst bald sind die dunkeln, bald die helleren die breitesten.
Der Schedel aller dieser Thiere, wie verschieden auch immer ihre Farbennuance und die Grösse der Flecken seyn mag, und gleichviel ob sie aus Südeuropa oder aus irgend einem Theil von Afrika abstammten, ist durch eine scharfe wohl entwickelte Knochenleiste charakterisirt, welche vom Oceiput längs der ganzen Scheitelmitte gegen die Orbitalgegend zieht, allwo sich dieselbe bifureirt, und den Dornfortsatz theilweise bildet, welcher dem Ligamente als Anlehnungspunkt dient, das die Augenhöhle schlielst.
Das Skelet dieses Thiers zählt:
13 Rippen - Wirbel , 7 Lenden- „ 83 Becken- „,
22 Schwanz- „,
In der Total-Körperlänge variiren die Individuen etwas untereinander; das gröfste von mir beobachtete mafs von der Nasenspitze bis zur Schwanzbasis 1°. &. 6”, und die Länge des Schwanzes zuzüglich der Endhaare betrug 1%. 4. 0“. Bei allen ist nur ein schmaler Hautstreifen längs der Fulssohle unbehaart. Die Viverra genetta lebt Paarweise auf hohlen Bäumen, jagt gewöhnlich des Nachts nach Vögeln und Mäuseartigen Thieren, dringt gelegentlich auch in Häuser ein, um das zahme Geflügel auszurauben; entwickelt durch das Ausschwitzen der zwischen After und Genitalien gelegenen Drüsen einen sehr starken Moschusgeruch, daher das Thier auch bei den Arabern in Kordofan und Dongola Sabat benannt wird. In Abyssinien, wo es sehr häufig vorkömmt, führt es bei den Landeseingebornen zu Gondar den Namen Aner. Aber in jenem Lande entdeckte ich eine andere Art von Viverra, deren Gattungsunterschied von Viverra genetta nicht allein durch eigenthümliche Färbung des Felles, sondern namentlich durch den Schedelbau begründet ist.
Taf. 11. Viverra abyssinica. Rüppell.
Diagnos. Viverra corpore et pedibus colore isabellino, linea mediana dorsali et tribus striis biarcuatis nigricantibus ad latera dorsi utrinque, parte externa pedum posticorum et lateribus colli nonnullis maculis nigricantibus variegatis; cauda villosa, octodecim annulis nigris et isabellinis alternantibus; gula, labiis et regione infraorbitali albidis, parte basali mastacis nigricante, ventre eine- rascente. Crista ossea in medio cranii aut juba dorsali nulla.
Dieses Thier scheint etwas kleiner zu verbleiben als die gewöhnliche Viverra genetta; denn das von mir zu beschreibende Individuum muls nach den beinahe obliterirten Knochennäthen des Kopfes zu urtheilen, vollkommen ausgewachsen seyn. Das Cranium hat, wie schon bemerkt, keine Spur einer Knochenleiste längs der Pfeilnath, sondern ist ganz glatt und gleichförmig gewölbt; es ist ferner im Vergleich zu den verwandten Arten bei den Dornfortsätzen, an welche sich das die Augenhöhle abschliessende Ligament anheftet, nahmbar breiter, während der ganze Kopf etwas mehr gestreckt, aber weniger hoch ist.
Körperausmessung.
Länge des Cranium vom vordern Ende des Intermaxillarknochens bis zum obern
Rande des Foramen oceipitale . nn nn nn. ala Breite des Cranium zwischen den Spitzen der Dornfortsätze über der Augenhöhle — — 101, Gröfste Vertiealhöhe des Cranium a ee ee 1; 2 Körperlänge von der Nasenspitze bis zur Schwanzbasis . 2.0. 1. 93. 0 Länge des Schwanzes bis zum Ende der letzten Haare & 6 . : i l. 3.8
Säugethiere. 9
“
3 Viverra abyssinica.
Die Grundfarbe des Kopfes ist gelbgrau, jedes Haar mit einer weilslichen Spitze; die Gegend zwischen dem Auge und dem Mundwinkel, der ganze Unterkiefer, der Rand der Oberlippe, und die Gegend zu beiden Seiten der Nasenspitze sind weils; hinter den Nasenlöchern, da wo der Schnurrbart einsitzt, ist ein breiter grauschwarzer Flecken; die Schnurrborsten selbst theils ein- förmig schwarz oder weils, theils von beiden Farben zugleich. Grundfarbe des ganzen Körpers grau isabellfarbig; längs der Rückenmitte von dem Kreuz bis zur Schwanzbasis verläuft ein schwarzer Streifen; zu seinen beiden Seiten zwei andere etwas breitere schwarze Streifen, welche auf dem Nacken gegen einander convergiren, in der halben Körperlänge abwärts geschweift sind, und sich auf den Schenkeln wieder aufwärts krümmen. Von der hintern Seite der Ohren an verläuft ein drittes ähnlich gekrümmtes schwarzes Paar Streifen, welches aber unregelmässig ver- schiedentlich unterbrochen ist; unter demselben auf den Seiten des Halses und der Schenkel sind noch einige vereinzelte schwarze Flecken. Die Kehle, Brust, Bauch und innere Seite der Beine ist weilsgrau; die äussere Seite der letzteren isabellfarbig. Der gleichförmig ziemlich dick behaarte Schwanz ist durch 9 Paar Bänder geringelt, jedes Paar isabellfarbig und schwarz; die Endspitze selbst ist schwarz. Auf dem Rücken ist kein Haarkamm, der sich wie vorstehend bemerkt, bei jeder Viverra genetta vorfindet.
Zwischen dem After und den Geschlechtstheilen ist eine Vertiefung in Gestalt eines umge- kehrten Y, innerhalb welcher die den Moschus absondernden Drüsen sich münden. Die Lunge bestehet im linken Flügel aus drei, im rechten aus vier Abtheilungen; in der Leber zählt man sieben Lappen. Die Milz ist lang, sehr schmal, dreikantig, von verwaschen rother Farbe; dals ein Blinddarm fehlt, ist bekannt.
Dieses Thier, wenn in Gefangenschaft, zieht sich bei Tage fortwährend in den dunkleren Theil seines Behälters zurück, und rastet wie die Herpestes in zusammengerollter Lage; bei Nacht ist es fortwährend unruhig, und strebt zu entrinnen. Zufällig dem Kerker entwischt, schleicht es vorsichtig einher, sich bald in gerader Stellung auf die Hinterfüsse emporrichtend, wobei die Vorderfüsse am Körper anliegen, und es mit dem wagrecht ausgestreckten Schwanze das Gleichgewicht hält. In dieser fremdartigen, an das Kanguroo erinnernden Stellung, schauet es ängstlich um sich. Uebrigens scheint dieses Thier in Abyssinien bei weitem seltener vorzu- kommen als Viverra genetta (V. pardina Isid. Geoffroy); beide haben bei den Eingebornen gleichen Landesnamen; und die paganischen Neger im Kordofan bezeichnen diese Thiere mit dem Worte: Dejum.
In den südlichen Distrieten von Abyssinien, in Sennaar und Kordofan beobachtete ich ferner die Viverra civetta, überall, von den dortigen mahomedanischen Bewohnern, Sabat benannt; die paganischen Neger im Kordofan nennen dasselbe Durmu; lebt in Erdhöhlen, wird häufig eingefangen und in Domestieität gezuchtet, um den von ihm secernirten Moschus einzusammeln, der in die Höhlung von Öchsenhörnern aufbewahrt und verschickt wird, und ein wichtiger Handelsartikel von Afrika aus nach China, Indien, Arabien und die Türkei ist; man verkauft davon die Unze Gewicht zu Massaua um 3 bis 8 spanische Thaler.
Viverra abyssinica. 35
Zu den vorstehend beschriebenen fleischfressenden Thieren aus der Familie der langgestreckten Schleicher, oder im Systeme in deren Nachbarschaft gestellt, gehören noch nachstehende, die in den nordostafrikanischen Ländern von mir einheimisch beobachtet wurden.
Gulo mellivorus (Retzius); dieselbe Art, wie die in der Cap-Landschaft lebende, von mir eingesammelt bei Ambucol, in der Provinz Dongola, wo es bei den Landesbewohnern den Namen Abu Keem führt. Iris dunkel- braun, Pupille großs; vier Milchwarzen, wovon zwei am Bauch und zwei am Inguine; Zunge zart, ohne merk- liche Hornstacheln; Lunge auf jeder Seite in drei Abtheilungen getrennt; die Leber bestehet aus sechs Lappen; Milz länglich, dreikantig; kein Coecum; kein Drüsenkranz um den After oder die Geschlechtstheile. Bewohnt Erdhöhlen, nährt sich von Springmäusen, Hasen und selbst Schildkröten.
Mustela zorilla (Desmarest); findet sich ziemlich häufig in Nubien, Sennaar, Kordofan und selbst zu Gondar. Lebt in Gruben und ist überall ein gefährlicher Feind des Hausgeflügels; verbreitet einen höchst wiederlichen durchdringenden Knoblauchsgeruch; heifst bei den Arabern jener Länder: Abu afene, bei den Negern im Kordofan: Sauele, zu Gondar: Onkufs. Iris schwarzbraun, Pupille vertical gespalten; Zunge mit kleinen feinen Warzen besetzt; rechter Lungenflügel in vier, linker in zwei Abtheilungen getrennt. Die Leber hat ausser vier Haupt- und zwei kleineren Lappenabsonderungen, einen Einschnitt für die Gallenblase; Darmkanal ohne Blinddarm, und durchgehens von gleicher Weite; er ist beiläufig dreimal so lang als der Körper, ohne den Schwanz gemessen. Am Bauch sind sechs Milchwarzen; die Geruchsdrüsen liegen nicht wie bei den Viverren in einer besondern Vertiefung, sondern unmittelbar um das Rectum.
Herr Ehrenberg glaubt sich berechtiget, eine von ihm in Nordafrika an den Brunnen westlich von Alexan- drien eingesammelte Mustela-Art, welche die gröfste Aehnlichkeit in jeder Beziehung mit Mustela zorilla hat, als eine selbstständige Art aufzustellen; er benennt solche Mephitis (Mustela) 1ybica *). Auch die in Cairo ungemein häufig als Parasit Hausthier lebende Mustela vulgaris (Linn.) trennt der Berliner Gelehrte specifisch, und bezeichnet sie mit dem Namen Mustela subpalmata. Ich kann dieser Ansicht nicht beipflichten; das Thier ist übrigens nicht in Egypten einheimisch, sondern in die Städte eingeführt und gezuchtet, weil es wegen seiner Verfolgung der Ratten sehr nützlich ist.
Lutra capensis? (Cuv.) An den Flufsufern in der abyssinischen Provinz Tigre kömmt ein hierher gehöriges Thier ziemlich häufig vor, ich habe es aber nicht selbst gesehen oder verglichen, daher sein Gattungsname problematisch. Heiflst bei den Abyssiniern: Dschari.
In Abyssinien findet sich ein Nagethier, das durch Form des Schedels, Zahl und Krone der Zähne, Lebensart, Fufszehen und Form der Nägel, endlich durch das Sammetartige des Pelzes die auffallendste Aehnlichkeit mit den am Vorgebirge der guten Hoffnung lebenden Bathyergus- arten hat, nur mit dem Unterschiede, dafs bei dem von mir in Abyssinien entdeckten Thiere ein kleines äusseres Ohr vorhanden, und der Schwanz etwas verlängert und zugerundet ist **). Da nun von der Gattung Bathyergus bisher nur sehr wenig Arten bekannt sind, so halte ich es für zweckwidrig, wegen dieser unwesentlichen Eigenthümlichkeit die Sündfluth neuer Gattun- gen zu vermehren, obgleich einige ausgezeichnete Gelehrte in London und Paris **%) über die- sen Punkt mit mir verschiedener Ansicht sind 7). Jenes neue Thier benenne ich
*) Symbola physice, Mammalia, Decas II, Bogen K. zweite Seite,
**) Zu bemerken ist, dass Illigers Angabe der Mahlzähne der Bathyergus (Prodromus Mammalium pag. 86.) „supra et infra utrin- secus quatuor “ wenigstens bezüglich des Bath. capensis irrig ist, denn solcher hat sicherlich nur drei Paar Mahlzähne oben und unten. Desmarest in der Encyelopedie, Mammalogie pag. 324. hat diesen Fehler wörtlich copirt.
***) Herr J. E. Gray und Isidor Geoflroy St. Hilaire.
+) Will man mit aller Gewalt dieses Thier zu einer eigenen Gattung erheben, so dürfte man solche passender Weise Tachyoryctes
benennen, von raxvg, schnell, und oguxryy, Gräber.
36 Taf. 12. Bathyergus splendens. Rüppel.
Mas adult. Batlıyergus corporis colore ex rufo einnamomeo, splendore rutilo lucidissimo in vivo, post mortem evanescente; naso, gula, pectore, ventre, cauda et extremitate pedum murino nigricante, aurieulis externis breviusculis, dentibus ineisoribus perlon- gis, antrorsum colore melleo, cauda cylindrica, apice aut rufescente, aut albicante; plantarum unguibus mediocribus albicantibus.
Diagnos.
Pullus toto corpore colore umbro nigricante.
Die Körperform dieses Thieres ist ein ziemlich dicker Kopf, mittelmässiger Leib, der aber wegen des verhältnifsmässig langen weichen dichtstehenden Haares ein untersetztes Ansehen hat; die Füsse sind kurz, der Schwanz zugerundet etwas konisch; ein grosser Theil der stark ent- wiekelten Schneidezähne, deren vordere Fläche honiggelb ist, zeigt sich beinahe fortwährend. Die Nasenspitze ist unbehaart; die Bartborsten kurz und nicht besonders steif; die Augen klein, das äussere Ohr zugerundet, kurz, aber wohl entwickelt; die Nägel der Hinterfüsse doppelt so grols als diejenigen der vordern.
Körperausmessung.
Von der Nasenspitze bis zum vordern Rand des Auges as Sale TEEN © bs 5 5 5 5 » des Ohres - 8 o ® . 0. 1.11 R 5 25 „ zur Schwanzbasis . i : R 0 . & : 0. 9.5 Länge des Schwanzes RER ‚02% 2.00 Länge der Hinterfüsse von der Endspitze des Nagels der Mittelzehe bis zum Fersenbein 0. 1. I Länge des Nagels allein gemessen . a & o . e . . e 0. 0. 21% Länge der Schneidezähne des Unterkiefers längs ihrer äussern Krümmung gemessen 0. 0. 8 Größter. Umfang des"Bauchs re a rer 0
Bemerkungen über das Skelet.
Die Schneidezähne beider Kiefer haben dreikantige Basis, und sind alle auf ihrer innern Seite gegen das Ende schräg ausgekerbt, wodurch die meisselförmige Schärfe gebildet wird. Die zwölf Mahlzähne sind unter sich durchaus gleich; jeder ähnelt einem etwas verschobenen Cylin- der, dessen Endfläche (Zahnkrone) eine gegen einander übergestellte halbelliptische Auskerbung hat. Die Apophysis coronoidea des Unterkiefers, welche bei dem capischen Bathyergus ganz mangelt, ist bei der abyssinischen Art lang und sichelförmig gekrümmt; ferner ist an der äussern Seite des Gelenkkopfes des Unterkiefers ein starker Fortsatz bemerkbar; beides Knochenbildun- gen, welche den gewöhnlichen Nagern fremd sind. Die Wirbelsäule zählt 45 Wirbel, wovon zukommen dem Halse 7, den Rippen 12, den Lenden 6, dem Becken 3, und dem Schwanze 17. An dem übrigen Knochenbau wülste ich nichts bemerkenswerthes heraus zu heben, als die Aus- breitung der Kammleiste des Schulterblatts an dessen ziemlich grossem Rabenschnabelfortsatz, den scharfbegrenzten rhombischen Vorsprung in der Mitte der vordern Seite des Humerus, die ziemlich stark geschweifte Krümmung der Fibula, das durchaus Zusammengewachsenseyn der Ulna mit dem Radius.
Körperfarbe.
Der ganze Balg des ausgewachsenen Thiers ist beinahe einförmig zimmetfarbig, worauf sich im
Leben die Lichtstrahlen mit dem schönsten Goldglanze spiegeln; aber dieser prächtige Schimmer
Bathyergus splendens. 37
verschwindet beinahe ganz nach dem Tode; alle Haare sind übrigens an der Basis rauchgrau, und diese Farbe verdrängt selbst das Zimmetfarbige in der Nasengegend, auf der Kehle, der Brust und dem Bauch; auch der Schwanz ist rauchgrau, und seine Endspitze bald roth, bald weiss. Einzelne weisse steife Haare befinden sich an der Basis der Nägel, welche letztere hell hornfarbig sind. Die Iris ist dunkelbraun.
Das junge Thier ist einförmig dunkelblaugrau; in jedem Alter ist der Balg von einer Zartheit, die mit der feinsten Seidewatte wetteifert, so dass dieses Thier, wenn es häufiger vorkäme, einige Aufmerksamkeit im Pelzhandel verdiente.
Anatomische Notizen.
Die Form des Magens lässt sich am besten durch die gegebene Abbildung (Taf. 12.) erkennen. Der halbmondförmige Sack (B. D.) ist unfern der Insertion der Cardia (C.) durch eine Einschnü- rung in zwei ungleiche Hälften gesondert. Nach der muskulösen Verengung des Pylorus erweitert sich der Darmkanal wieder beträchtlich während eines Verlaufs von beiläufig zwei Zoll; der nicht son- derlich lange dünne Darm mündet unter rechtem Winkel in den abermals sehr erweiterten Mast- darm und sondert von demselben einen sehr geräumigen Blinddarm (E.) ab, längs dessen Innerem eine Membran spiralförmig verläuft. Der eigentliche Mastdarm verschmälert sich allmählig, bis er sich wieder gegen den After (A.) hin etwas erweitert. Bemerkenswerth ist, dass bei den Weib- chen für die Genitalien und für den Urinabfluss eine besonders getrennte äussere Oeffnung vorhanden ist. *) Die Leber ist in sechs Lappen abgetheilt.
Länge des Magensacks längs der innern Krümmung (B.D.) gemessen. . . . ... 2% 6% Länge des dünnen Darms vom Pylorus bis zur Einmündung in den Mastdarm . . . 16. 2 Län gerdes@Blinddarıns Pe ro ur Er 3er Länge des Mastdarms und Reetum. . 2 2 2 nn 2 mn nn ne. 20.
Dieses Thier bewohnt fortwährend Erdhöhlen, die es mit unglaublicher Schnelle gräbt, indem es mit den Vorderfüssen scharrt, und die gelockerte Erde mit den Hinterfüssen zurückschnellt; es bildet sich dadurch am Anfange jedes Ganges eine Maulwurfshaufen ähnliche Erderhöhung, die ich auf den Wiesen in der Umgegend von Gondar zusammen gruppirt häufig vorfand. Das Thier kömmt nie bei Tag aus der Erde; es lebt bloss von Vegetabilien; wenn mehrere eingefangene Männchen in einen Holzbehälter zusammen gesperrt waren, so bissen sie sich merkwürdig unter einander. Der Landes- name dieses Thieres ist in der Provinz Dembea: Felfel.
Sciurus. Linne.
Aus der Abtheilung der sogenannten Erdeichhörnchen, bezeichnet durch straffes borstenähnliches Haar und einen etwas zweizeiligen Schwanz, findet sich in ganz Abyssinien, Sennaar und Kordofan ziemlich häufig eine Art vor, welche dem am Cap lebenden Sciurus setosus (Forster) durch die Farbe und ihre Vertheilung und die Körper- dimensionen ungemein ähnlich ist, auch in unserm Museum bisher immer mit dieser Species verwechselt wurde, aber sich durch wohl entwickelte äussere Ohren sehr gut von der Capischen Art specifisch unterscheidet, welche letztere gewissermassen gar keine äussere Ohren-Muschel hat. Ich benannte jene neue Art nach den vorherrschenden zwei
*) Leider ist meine Zeichnung und Beschreibung der Genitalien dieses Thieres mit so gar manchem andern interessanten Papier in dem unglücklichen Schifibruch mehrerer meiner Kisten an der französischen Küste abhanden gekommen.
Säugethiere. 10
38 Sciurus multicolor.
Farben Sciurus leucoumbrinus. Da ausser dem angeführten Unterschied der Ohren und anderer Bildung des Craniums sich beide Arten im übrigen äusserlich ganz gleich sind, so ist eine ausführliche Beschreibung der Abyssinischen überflüssig. Das Thier heisst in den Thälern bei Massaua Schillu, und in Kordofan Sabera. Die in Abyssinien beobach- teten Individuen, verglichen mit denjenigen, welche ich in Kordofan einsammelte, weichen von letzteren durch dunk- leres Braun auf der obern Körperhälfte und den Seiten des Kopfes ab, welches jedoch keinen specifischen Unterschied begründet, wie der Vergleich der Schedel und die Körperdimensionen ausweisen. Die zweite von mir eingesam- melte Art dieser Abtheilung ist gleichfalls neu; ich benannte sie Seiurus rutilus, und sie ward auf Tafel 24 des zoologischen Atlasses zu meiner früheren Reise nach Afrika abgebildet und beschrieben.
Von auf Bäumen lebenden Eichhörnchen, deren Balg mit weichem Haar wohlversehen ist und deren Be- haarung des Schwanzes die Rübe eylindrisch umgiebt, fand ich in Abyssinien nur eine Art; sie ist neu für die Wissenschaft.
——
Tafel 13. Sciurus multicolor. Rüppel.
Diagnos. Capite supra, dorso, cauda, lateribusque corporis pilis rubiginosis, annulis umbrino-fuseis, apieibusque albidis partim variegatis; lateribus capitis, rhinario, metatarsibus et basi caudae subtus rubiginosis, gula et ventre isabellinis, aunulo orbitali et parte ınc-
diana gastraci ex flavo albicante.
Grössenverhältniss der einzelnen Theile: Körperlänge von der Nasenspitze bis zur Basis des Schwanzes, in gerader Linie gemessen . 8. 6% Längs der Rückenkrümmung gemesen . 2» v2 2 nenne 9 6 Länge der Schwanzrübe „ » © 2 2 se 2 nenn nenn... 9 10 Schwanzlänge bis zur Endspitze der Behaarung . . oe 2 2 een nn en 10. 4 Verticallänge,derAOhren, „er er el er 7
Nasengegend und Wangen, Seiten des Halses und des Bauchs, unteres Drittheil der Füsse und die untere Seite des Schwanzes bei seinem Beginn rostroth; Oberkopf, ganzer Rücken, Schwanz, Seiten des Körpers und äussere Seite der Beine rostroth, alle Haare mit mehreren braunschwarzen Ringen und zum Theil mit weissen Endspitzen; Vorderhals, Bauch und innere Seite der Beine isabell- farbig, welches zuweilen gegen die Bauchmitte ins Weisse übergeht. Die Augen sind gelbweiss ein- gefasst, eben so der Mund; die Bartborsten schwarz; vordere Seite der Schneidezähne honiggelb; die Nägel der Füsse hornbraun. An den Weichen hat das Thier vier Zitzen.
Vorkommen auf den Bäumen, von deren Früchten und Knospen es sich ernährt; lebt in den Thälern der Kulla und dem Ostabhange der abyssinischen Küstengebirge; heisst bei den Eingebornen Sakie.
Ueber die andern Thiere aus der Ordnung der Nager, welche ich in Nord-Afrika einsammelte, bemerke ich, dass der in Abyssinien häufig vorkommende Hase mit der ägyptischen Art (Zepus aegyptiacus, Linn.) identisch ist, während der in Ober-Nubien und Kordofan lebende Hase (Lepus isabellimus, Rüppell Atlas Taf. 20.) leicht kennt- lich durch seine verhältnissmässig viel längeren Ohren, specifisch von dem abyssinischen Hasen verschieden ist. Das in Abyssinien und Nubien lebende Stachelschwein ist identisch mit dem in Nord-Afrika und Sicilien einheimischen Hystrix eristatus; es heisst bei den Bewohnern der abyssinischen Küste in der Tigr&-Sprache Endet. *)
Die Beschreibungen und andere Mittheilungen über die zahlreichen Arten von Nagern aus der Familie der Mäuseartigen Thiere (Mus, Dipus, Meriones, Hypudäus, Psammomys u. A.) muss ich für andere Gelegenheit versparen.
) Salt, im Appendix zu seiner Reise, benennt es in dieser Sprache Confus, welches aber die Bezeichnung des Igels ist.
39
Tafel 14. Tanis simensis. Rüppell.
Diagnos. Margine labiali, gula, pectore, parte interna et infima antipedum, latere anteriori scelidum, dimidio anteriori et inferiori caudae comosae albis; cauda supra rubiginosa, postice nigricante; stria supereiliari et figura ypsiloniformi in parte antica pectoris flavo albicante; capite, corpore et pedibus plus minusve ex isabellino-rubiginosis, dorsum versus pilorum apicibus fusco-umbrinis ct nigricantibus.
Grösse und Gestalt eines starken Schäferhundes, wie aus folgenden Ausmessungen ersichtlich: Ganze Körperlänge von der Nasenspitze bis zur Basis des Schwanzes über die Rückenkrüm-
In un ea 3 e messen re 2 3 1 A010) Länge des Schwanzes bis zur Endspitze der Haare , . . 2 2 2 2 2.2.2.0. — [10 9 Schwanzrübe, u ed Länge des Kopfs, von der Nasenspitze bis zum unteren Vorderrand der Ohrenmuschel — 8 2 Vertikallängerdes/O hrese 2 2
Körperhöheram Kreuzs rg 2 6
Am Kopf ist die Nasenkuppe und ein Streifen der Mitte des Unterkiefers entlang von rostrother ‚Farbe; der Mund ist rundum mit Weiss begrenzt, von welcher Färbung auch die Seiten des Halses, dessen Vordertheil und der innere Rand der Ohren ist; über die Augen geht ein gelblich-weisser Strei- fen; das Uebrige des Kopfes und die Aussenseite der Ohren ist rothisabell; die Endspitze der Ohren dunkelbraun. Der ganze Oberkörper, die äussere Seite der Beine und die Mitte des Vorderhalses bis zur Brust sind braunroth. Am Körper selbst sind die meisten Haare mit schwarzer Endspitze, unter- mischt mit einigen weissen Haaren. Die Brust, der Bauch, die innere Seite und das Ende der Vor- derfüsse, ein Streifen längs der vordern Seite der Hinterfüsse und deren Ende sind weiss; die obere Seite des Schwanzes und dessen hintere Hälfte ist schwarzbraun, vorne ist er auf der untern Seite weiss. Auf dem Braunrothen des Vorderhalses bemerkt man drei zusammen convergirende Striche von gelblich-weisser Farbe, welche zusammen ein Y abzeichnen.
Wir beobachteten diesen wolfsartigen Hund in den Bergen von Simen, wo er rudelweise zusam- men lebt, zahme Schafe und kleines Wild truppweise jagt, den Menschen jedoch niemals gefährlich wird. Er kömmt auch in den meisten andern abyssinischen Provinzen vor; sein Landesname in Simen ward mir Kaberu angegeben.
Zusammenstellung der von mir in Nordost-Afrika beobachteten fleischfressenden Thiere aus der Gattung Canis, Hyaena und Felis. Canis niloticus (Geofl.), Rüpp. Atlas, Tafel 15. Aegypten, Nubien, Abyssinien und Arabien. „ variegatus (Rüpp.) „ mesomelas (Linn.) mittelt zu haben. Sicherlich erhielten wir im Modat-Thal an der abyssinischen Küste einen ächten Canis mesomelas, der im hiesigen Museum aufgestellt ist, dessen Cranium aber verloren ging, so dass directer
Ich glaube durch in Abyssinien beobachtete Uebergänge die Identität beider Arten er-
Vergleich mit C. variegatus nicht vorgenommen werden konnte. Letzterer ist abgebildet im Atlas zu meiner früheren Reise, Taf. 10., und kömmt vor in ganz Abyssinien, Sennaar und Nubien.
„ Zerda (Zimmermann). Rüpp. Atlas, Tafel 2. Aegypten und Nubien.
„» pallidus (Rüpp.) Atlas, Tafel 11. Kordofan.
„ famelicus (Rüpp.) Atlas, Tafel 5. Nubien.
„ Anthus (F. Cuvier). Atlas, Tafel 17. Sennaar und Kordofan.
simensis (Rüpp:) Wirbelthiere, Tafel 14. Abyssinien.
pictus (F. Cuvier). Atlas, Tafel 12. Kordofan, Nubien und Abyssinien.
”
”
40 Zusammenstellung der fleischfressenden Thiere.
Hyaena striata (Storr). F. Cuvier Mammiferes. Vol.1. pl. 55. Nubien, Aegypten und Arabien; nie in Abyssinien oder Kordofan.
„ erocuta (Storr). Schreber, Tafel 96. B. Kordofan, Sennaar und Abyssinien *), nie nördlich vom 18. Breite- grad. Kömmt in Abyssinien bis auf 12,000 Fuss über der Meeresfläche lebend in den Berghöhen von Simen vor.
Felis maniculata (Rüppell) Atlas, Tafel 1. Nubien und Kordofan.
Chaus (Güldenstädt) ibid. Taf. 4. Aegypten, Nubien und Abyssinien.
caracal (Linn.). Schreber, Tafel 110. Ebendaher.
chalybeata (Hermann). Schreber, Taf. 101. C. Nubien und Abyssinien. **)
Leopardus (Linn.) Schreber, Tafel 101. Arabien, Aegypten, Nubien und Abyssinien. ***) Leo (Linn.). In ganz Nord-Afrika, überall selten. +)
Die beobachteten Arten aus den Gattungen Gulo, Mustela, Lutra, Herpestes und Viverra habe ich bereits auf Seite 97 —35 beschrieben und aufgeführt. Aus der Ordnung der Fleischfresser (von welchen ich die Cheiropteren trenne) habe ich in Nordost-Afrika noch folgende eingesammelt:
Erinaceus auritus (Geoffroy) Descript. de ’Egypte, Mammiferes pl. 5. Fig. 3. Aegypten, Nubien und Abyssinien.
Sorex indicus (Linn.); abgebildet unter dem Namen Sorer crassicandus, in Lichtenstein’s Säugethiere, Tafel 40. Fig. 1.; findet sich, wie es scheint, bloss in den Häfen an den Ufern des rothen Meeres, und auf meh- reren Inseln, die Schiflfahrts-Verkehr mit Indien treiben, wie Massaua, Dahalak u. a.; das Thier ist daher wahrscheinlich aus Asien durch Schiffe eingeführt worden.
Die verschiedenen Cheiropteren, von welchen ich 17 Arten eingesammelt habe, die Thiere aus der Ordnung der Pachydermen, so wie die Cetaceenartigen Bewohner des rothen Meeres, von welchen ich freilich nur einige wenige beobachten konnte, kann ich wegen bedingter Beendigung des gegenwärtigen Werkes vorerst nicht näher beschreiben und aufführen, und ich behalte mir diese Aufgabe für eine andere Bekanntmachung vor.
*) Wenn man die Verschiedenheit beobachtet, welche Individuen dieser Thiere in Färbung, Länge und Dichtigkeit der Haare dar- bieten, hervorgebracht durch Jahreszeit, vorherrschendes Clima und Alter, so kömmt man unwillkührlich auf den Gedanken, dass Hyacna fusca und villosa nichts als Varietäten von H. crocuta seyen.
**) Die grosse Verschiedenheit in dem Umfang, der Anzahl und der Farbenintensität der Flecken, welche bei Felis chalybeata vorkömmt, hatte ich bei eilf von mir eingesammelten Individuen recht überzeugend zu beobachten Gelegenheit; wären mir diese Häute vereinzelt vorgekommen, so würde ich sicher eine specifische Verschiedenheit gemutlimasst haben.
***) In ganz Afrika und Arabien kömmt nur eine Art grosser gefleckter Katzen vor, und keine unter den Namen F. leopardus und F. pardus zu trennende Arten. Der von Elırenberg abgebildete Leopard aus Syrien ist mit dem abyssinischen identisch.
+) In mehreren compilatorischen naturhistorischen Schriften werde ich als Autorität citirt für die Existenz einer eigenen Löwenart, die keine Mähnen habe; ich habe nie eine dieser Bestien eingesammelt; die von mir gesehenen Individuen hatten freilich keine Mähnen, doch da sie alle aus warmen Distrieten abstammten, so ist hierin die Ursache dieses Mangels zu suchen.
Ende der Beschreibung der Säugethiere.
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Neue Wirbelthiere
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der Fauna von Abyssinien gehörig,
entdeckt und beschrieben
D: Eduard Wüppell.
Vögel.
Srankfurt am Main. In Commission bei Siegmund Schmerber.
1835.
1;
Brönnersiche Offein.
Vogel.
Buceros. Linne.
In der 36. Lieferung der Planches coloriees stellt Herr Temminck eine allgemeine Uebersicht über die von ihm bis zum Jahre 1824 gekannten Arten der Gattung Buceros auf, welcher er vor Kurzem in seiner 89. Lieferung noch einen ergänzenden Nachtrag beigesellt hat, und es erhellt aus diesen Arbeiten, dafs der holländische Naturforscher 31 Buceros - Arten kennt. — Nur sechs derselben bewohnen den afrikanischen Continent *); alle anderen leben auf dem Continent von Indien und den grofsen Inseln dieser Weltgegend.. Den so bekannten Arten hat Herr Hodgson ganz kürzlich eine neue aus Indien abstammende beigefügt, welche er unter dem Namen Buceros nepalensis in den Proceedings of the Zoological Society for 1832, pag. 15 beschrieb. Während meines Aufenthalts in Abyssinien gelang es mir drei der bekannten afrikanischen Buceros- Arten einzusammeln, nämlich den Buceros carunculatus, nasutus und erythrorhynchus; ausser diesen fand ich in jener Provinz drei andere Arten, die ich für neu halte, und deren Abbildung und Beschreibung ich hier mittheile.
Taf. 1.
Buceros cristatus. Rüppell.
Diagnos. Buceros rostro valde compresso, galea elevata, ad verticem usque adscendente: culmine arcuato, continue convexo, transverse ad latera rugato, margine antico cultrato; colore mandibularum viridi, tacnia basali et galea ex albido flavescente ; 7 corpore aterrimo, viridi-splendente; plumis faciei, oceipitis et partim colli apicibus ex cinereo caerulescentibus; tergo, uropygio, erisso, tibiis interne et reetricibus quatuor externis apicibus albis.
Der Schnabel des Männchens ist von schmutzig grüner Farbe; er hat eine vierkantige Basis, die gelb gesäumt ist; der Länge nach hat er schwach angedeutete Furchen. Auf seiner obern Seite trägt er einen helmförmigen Aufwuchs, der über der Augengegend beginnt, und dessen hinteres Ende eine elliptische Fläche bildet, die schräg von oben nach vornen zu abläuft. Dieser Aufwuchs ist oben zugerundet, er verschmälert sich allmählich bis zum Anfang des vordern Drittels des Schnabels, wo er durch eine geradlinigte verticale Zuschärfung endet. Die Schnabelränder sind undeutlich ausgekerbt. Um die Augen ein nackter Hautring von königsblauer Farbe. Die zu einem Busche verlängerten Federn des Hinterhauptes sind an ihren Spitzen breit, zugerundet, und liegen nicht sehr dicht aufeinander; diejenigen der Ohrengegend sind gewöhnlich nach auswärts gerichtet. Sämmtliche Federn des Gesichtes, des Kopfes und der Seiten des Halses endigen mit
*) Die als in Afrika vorkommenden bekannten Arten sind: Buceros buceinator, carunculatus , fasciatus, coronatus, nasutus et erythrorhynchus.
4 Buceros cristatus.
einem runden bläulichgrauen Flecken, der an den Deckfedern des Ohres verlängert ist. Das Hauptgefieder des ganzen Vogels ist schwarz mit grünem Schiller; die innere Seite des Flügel- bugs, der Unterrücken, Bürzel, Steils, so wie die innere Seite der Schienen sind schneeweiss. Der lange keilförmige Schwanz ist etwas zugerundet, und schwarz von Farbe; die vier äussern Schwanzfedern an der Spitze schneeweiss. Iris dunkelbraun; Füfse und Nägel schmutzig graubraun.
Körperlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende 5 : 5 et ER Länge vom Flügelbug bis zum Ende der 4ten Schwanzfeder, welche die längste ist 1. 2. 3. Länge des Schnabels von der Spitze bis zum hintern Ende des Helmes . Pa Zu Pa 7 Länge des Tarsus: e : 0 & 5 : ä BE B oo 2 %
Das Weibchen, welches um etwas weniges kleiner als das Männchen ist, unterscheidet sich von demselben blos durch die Form des Helmes, welcher zwar an seiner Basis wie bei dem Männchen gebildet ist, aber allmählich in eine bogenförmige Kante sich verliert, die auf der halben Schnabellänge endet. Die Farbe desselben ist im Ganzen graubraun und nur an der Basis erscheint sie gelblich, wie bei dem Männchen.
Ich beobachtete auf meiner ganzen abyssinischen Reise nur vier Individuen dieser schönen Buceros- Art, und zwar alle an demselben Ort. Die hochstämmigen Baumgruppen bei der Stadt Goraza am Zana-See waren der Aufenthalt dieser Vögel, und es gelang uns nur ein Paar von ihnen am Ende des Monats März zu erlegen. Das Weibchen führte damals in seiner Bauchhöhle schon 10 stark entwickelte Eierdotter. Den Magen fand ich mit den klebrigen Beeren des Wanze-Baums (Cordia abyssinica) angefüllt, jedoch auch unter denselben Ueberbleibsel von Bupresten und Heuschrecken. Der gekannten anatomischen Beschreibung habe ich nichts beizu- fügen, sie ist durch die Mittheilungen des Herrn Owen genügend erläutert *). Ich bemerke hier noch, dafs die von mir beobachteten Buceros-Arten (mit Ausnahme des B. carunculatus) immer nur auf hohen Bäumen, und zwar Paarweise leben; ihr Flug ist langsam und gleichförmig in regelmässigen abwechselnd auf- und abwärts gerichteten Linien: sie fliegen nie anhaltend, sondern immer nur von einem Baume zum andern. Buceros carunculatus lebt dagegen meist auf der Erde, auf Wiesengrund und Ackerfeld Käfer und Reptilien im Laufe suchend. Oft erblickt man ihn in Gesellschaften von 8 — 10 Stück auf den Brachfeldern einherwandeln. Am Abend horsten sie auf isolirten Baumstämmen, übernachten aber nie im Gehölze. Im Kordofan pflegte man diesen Vogel für mich regelmässig lebendig einzufangen, indem man ihn durch stetes Nach- jagen zu Pferde so lange verfolgte, bis er aufs äusserste ermüdet sich nicht mehr aufschwingen konnte. Er heifst im Kordofan Om Tortor, von seinem Rufe, der den beiden letzten Silben ähnlich ist; sein abyssinischer Name ist Abba Gumba (AN: ?PN). Ich bemerke noch, dafs man bei dieser Art die beiden Geschlechter durch die verschiedene Färbung des Hautsackes am Halse erkennen kann; derjenige des Männchens ist in der Mitte der Kehle und am Unterkiefer königsblau, nach dem Halse zu mit einer breiten zackigen ziegelrothen Einfassung versehen; bei den Weibchen ist der ganze Hautsack einförmig königsblau.
*) Proceedings of the Zoological Society for 1833, p. 102.
Wa W. a ee A Le ee u U U hen a a a Di a nn Da Ale U 0
Taf. 2. Fig 1.
Buceros limbatus. Rüppell.
Diagnos. Buceros rostro crasso valido adunco, culmine sulco a basi ad apicem producto distineto; maxillis basi tumefactis, colore sanguineo, tomiorum et sulei maxillaris umbrino; corporis colore ex umbrino, capitis et colli ex cano fuscescente; tectrieibus albo limbatis, unde pietura variegata alarum; abdomine et tibiis albis. Rectricum quatuor intermediae cum penna externa corporis colore, hacc vexillo interno apicali albido, tertia et quarta albae.
Diese Art stehet ungemein nahe dem Buceros fasciatus, welchen Levaillant in den Oisseaux d’Afrique Taf. 233 abgebildet hat; beide unterscheiden sich von einander durch ihre Körper- gröfse, indem der von mir hier aufgestellte um ein bedeutendes grölser ist als der von Levaillant beschriebene, während auch des letzteren Schnabel mit einem Aufwuchse versehen ist, der meiner Art fehlet, obgleich ich wegen der Länge des Schnabels, und der tiefen und breiten Kerben an dessen Kiefer-Rändern auf keine Weise zweifeln kann, dafs die von mir gesammelten Vögel nicht alte Individuen seien.
Der Schnabel ist gleichförmig als Bogensegment gekrümmt; an der Basis bildet er durch die Zuschärfung des obern Drittels ein Pentagon, welches sich abscheidet durch eine breite Furche, die von den Nasenlöchern bis gegen die Schnabelspitze verläuft, und wodurch sich gleichzeitig längs der hintern Hälfte der Zuschärfung auf jeder Seite eine Wulstleiste bilde. An der Basis des Unter- und Oberschnabels sind einige parabolische Rippenstreifen, von vorn nach hinten zu verlaufend. Die Farbe des Unterschnabels ist lackroth, die des obern schwarzbraun; bei einem der drei von mir gesammelten Individuen gehet auch die Basis des Unterschnabels in diese Farbe über.
Kopf, Hals und Brust braungrau; Rücken und Flügel braunschwarz, Bauch und Schenkel weils. Viele der kleinen und mittleren Flügeldeckfedern sind an den Fahnen weils eingefalst; auch die äufsere Fahne der primair Flugfedern ist fein weils gesäumt, während die innere Fahne der secundairen Flugfeder eine breite weilse Verbrämung hat. Die vier mittleren Schwanzfedern sind braunschwarz, die zwei folgenden jeder Seite weils; die äufsere endlich braunschwarz, nur der Rand der innern Fahne und ein breites Dreieck an ihrem Ende sind weils. Der Schwanz ist ziemlich lang, beinahe rechtwinkelig abgestutzt. Die Iris dunkelbraun; die Augenwimpern bestehen aus starken schwarzen Borsten; die nackte Haut um die Augen und an der verlängerten Basis des Unterschnabels sind schwarzgrau. Fülse graubraun.
Ganze Körperlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzend . . ar 1... Länge vom Flügelbug bis zur Endspitze der 4ten Flugfeder, welche die längste st — 10. 9. Länge des Oberschnabels längs der Zuschärfung . . . B ® ..— 4 10 Länge des Tarsus . 6 0 0 . . o . . Sees:
Beide Geschlechter sind sich durch Gröfse, Färbung und Schnabelbildung ganz gleich. Wir erhielten diese Vögel in der abyssinischen Provinz Temben, im Monat Juni; sie waren gerade damals in der Maus, und lebten paarweise auf hohen, dickbelaubten Bäumen; ihre Stimme ist
ein zweitöniges abgesetztes Pfeifen. Nahrung: Beeren und grofse Insecten.
Vögel. 2
6 Taf. 2. Fig. 2. . . . Buceros flavirostris. Füppell. Diaynos. Buceros rostro valde compresso culmine a basi ad apieem arcuato, acuto; colore eitrino, tomiis fuscis. — Fronte, vertice,
cervice et regione parotidea ex albo nigroque variis; fascia supraorbitali, genis, collo, mento et gastraco toto cum tibiis, albis, plumarum pectoris rhachibus nigris. Corpore supra nigro, teetricibus alarum ad apicem albo maculatis; remigum primariorum fascia interrupta simpliei, — secundariorum dupliei, albis. Rectrices corporis colore, tribus lateralibus fascia mediana lata, altera apicali, albis.
Diese Art ist mit Buceros erythrorhynchus nahe verwandt durch eine fast gleiche Vertheilung der Farben und eine ähnliche Schnabelbildung. Die Basis des letzteren ist wegen der Höhe und scharfen Firsten-Kante des Oberkiefers dreikantig; an den stark comprimirten Seiten desselben ist eine kaum angedeutete Längs-Furche wahrnehmbar; kein helmartiger Aufwuchs ist vorhanden. Die Firste ist gleichförmig von ihrer Basis bis zur Spitze gekrümmt und von schöner zitrongelber Farbe; die Kiefer-Ränder und die Schnabelspitze schwarzbraun; der nackte Hautring um die Augen so wie die beiden nackten Stellen an den Seiten der Kehle blaugrau. Iris braun, Ober- kopf und Ohrengegend schwarzgrau, jede Federfahne weilsgrau gerändet. Ein breiter Streifen über die Augen, Kehle, Hals, Brust, Bauch und Schenkel schmutzigweils. Die Federn der Brust haben einen schwärzlichen Schaft; Rücken, Flügel und Schwanz chocoladebraun; alle Flügeldeck- federn endigen mit einem weilsen zugerundeten Flecken, der sich hier und da eiförmig auf dem dunklen Grunde abzeichnet. Die Fahnen der grofsen Schwungfedern haben in ihrer Mitte einen runden schneeweilsen Flecken zur Seite des schwarzen Schaftes. Die drei ersten Schwingen der zweiten Reihe sind ausser dem gleichen Bande wie die ersten noch durch breite weilse Spitzen ausgezeichnet. An den drei äussern Schwanzfedern befinden sich zwei Binden, deren eine in der Mitte ihrer Länge durch den schwarzen Schaft getrennt ist, die andere das Ende der Feder begrenzt. Der Schwanz ist etwas zugerundet. Die Fülse graubraun.
Ganze Länge des Vogels . © : : : : : 6 : : Be 1% Länge des Oberkörpers, längs seiner Firste . & . . . . — 3 5 Vom Flügelbug bis zum Ende der 4ten Flugfeder, elelle die längste ist e — 1. 4 Länge des Schwanzes . c . ® ® 0 . . B . G — 8. — Länge des Tarsus : ö e . ö D e 9 0 0 6 — les: Nur in einer einzigen Gegend Abyssiniens, — den Thälern am Fufse des Taranta-Gebirgs unfern Massaua, —- fanden wir diese Buceros- Art; auch hier,kömmt sie nur vereinzelt vor, und
lebt auf den schönen buschigten Tamarinden- und Sycomore- Bäumen. Im Magen desselben fand ich Raupen und Naback-Früchte. Sein Ruf ist gleichsam ein zweitöniger reiner Pfiff, ungefähr wie beim gemeinen Kukuk. Die verschiedenen nahe verwandten Buceros - Arten lassen sich jede durch ihre eigenthümliche Stimme sehr gut in der Ferne schon unterscheiden *).
*) Um unnöthigen Anfragen vorzubeugen, bemerke ich, dass ich von den eben beschriebenen drei Buceros - Arten keine Doubletten nach Europa gebracht habe. j
Touraco. Buffon.
Die unter dem Namen Touraco von Buffon und Levaillant zusammengestellten Vögel bilden eine Sippe, welche Cuvier und andere in zwei, Wagler in drei Gattungen vertheilt haben. Ich schliefse mich den Ansichten dieses letzteren Naturforschers an, und indem ich die zwei von mir in Abyssinien entdeckten Arten dieser Sippe beschreibe, gebe ich zugleich eine kurze Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten, aus denen sie zusammengesetzt wird. Sie kommen wie es scheint alle in Afrika vor.
Die Stelle, welche die Touraco in dem Systeme einnehmen sollen, ist öfters bestritten worden. Man glaubt, dafs diese Vögel ihre äussere Vorderzehe rückwärts wenden, und rechnet sie daher in die Classe der Wendezeher. Manche Naturforscher schalten sie wegen der die drei Vorder- zehen an ihrer Basis verbindenden Membran in die Classe der Hühner-Arten ein, zu welcher Meinung sich auch Cuvier neigt. Blainville *) dagegen führt einige anatomische Beobachtungen an, durch welche dieser Eintheilung bestimmt widersprochen wird. Ich bemerke hiermit auf das Ausdrücklichste, dafs die von mir beobachteten beiden Touraco- Arten, wegen der Membran die ihre drei vorderen Zehen untereinander verbindet, verhindert sind, die äussere Vorderzehe rück- wärts zu wenden, vielmehr können sie dieselbe nur seitwärts stellen, wodurch sie leichter längs der Baumäste sich fortbewegen; es ist ihnen aber unmöglich mit abwärts gerichtetem Körper zu klettern. Ihr ganzer Habitus nähert diese Sippe in vielem den Alectoriden von Südamerika, und wenn man nun gleich die Touraco in Ermangelung der die Nasenlöcher überdeckenden Hornplatte, wegen der geringen Zahl ihrer Schwanzfedern, und dem Nichtvorhandensein der Blinddärme nicht wohl in die Ordnung der hühnerartigen Vögel unterbringen kann, so ist ihre Stellung unter den Wendezehern nicht weniger unpassend, da ihnen die Merkmale der Fufsbildung, welche dieser Ordnung angehört, abgehen, und andererseits die Bindehaut der drei vorderen Zehen, so wie ihr drusiger Vormagen, sie von derselben ausschliefst. Cuviers Ansicht, sie als Bindeglied zwischen beide Ordnungen aufzustellen, ertheilt ihnen daher gewils die für sie im System passende Stelle.
Systematische Eintheilung der Touraco.
1. Corythaix **). Illiger.
Gattungscharakter: Nasenlöcher eirund, von den Federn der Stirn überdeckt; kurze zuge- rundete Flügel, die Schwingen der zweiten Reihe von gleicher Länge mit denen der ersten; ein kleiner nackter Ring um die Augen, zuweilen mit Fleischwarzen ; Federn des Kopfes eine Haube biidend.
Corythaix Persa, Vaillant Promerops pl. 16 **), Buffon Vol. 6. T. 601.
Corythaix Buffonii, Vaillant Promerops. pl. 17, Seligman Vol. 1. Taf. 13.
Corythaix erythrolophos, Temminck pl. Color. 23.
Corythaix ‚porphyreolopha, Vigors »)-
Corythaix leucotis, Rüppell Abyss. Fauna Taf. 3.
*) Nouveau Bulletin de la societe philomatique. Mars 1826. **) Durch Wagler in Spelectos und durch Vieillot in Opaetus umgeändert. A: N ***) Sonderbare Verwechselungen wurden bei dieser und der folgenden Art gemacht; denn Cuvier vereinigte sie zusammen, und Wagler benannte die eine Spelectos eorythaix, und die andere Spelectos persa. +) Ich kenne diese Art nur aus der Citation in den Proceedings of the Zoological Society for 1833, pag. 106.
2. Musophaga. Jsert.
Gattungscharakter: Mittelmäfsig lange Flügel, die Schwingen der zweiten Reihe etwas kürzer als die der ersten; Nasenlöcher vornen länglich zugerundet, unbedeckt; Basis des Schnabels zuweilen als Hornscheide bis auf die Stirn verlängert; Gegend zwischen dem Schnabel und dem Auge, und ein Ring um die Augen unbefiedert.
Musophaga violacea, Vaillant Promerops pl. 18.
Musophaga gigantea, Vaillant Promerops pl. 19 *).
3. Chizaerhis. Wagler.
Gattungscharakter : Die Nasenlöcher bilden einen halbmondsförmig gekrümmten schmalen Spalt, ganz freiliegend; die Schwingen der ersten Reihe viel länger als die der zweiten, so dals die Flügelspitzen über die Basis des Schwanzes weit hinausreichen; die Federn des Nackens verlängert und zugespitzt; Gegend um die Augen befiedert.
Chizaerhis variegatus, Vaillant Promerops pl. 20.
Chizaerhis zonurus, Rüppell Abyss. Fauna Taf. 4.
Taf. 3.
Corythaix leucotis. Rüppell.
Diagnos. Corythaix rostro coceineo; palpebris superioribus papillis carneis; pilco erista plicatili obscure viridescenti ornato; collo et peetore laete prasinis, abdomine et tibiis canescentibus; dorso, alis et cauda ex violaceo viride-splendentibus; remigibus ex sanguineo purpurascentibus viride marginatis. — Macula anteocularis et plaga auricularis ad collum descendens nivcae.
Der Oberkopf dieser schönen Art, die bereits von Buffon gekannt war, ohne dafs seine Andeutung **) berücksichtiget wurde, ist mit einer zugerundeten Haube, die aus zerschlissenen Federn bestehet, geziert, und welche der Vogel gewöhnlich aufgerichtet trägt; sie ist von glän- zend dunkelgrüner Farbe. Ein Flecken vor dem Auge und ein verticaler von der Ohrengegend zu den Seiten des Oberhalses herabsteigender Streifen von schneeweilser Farbe; alle übrigen Theile des Kopfes, des Halses, so wie die ganze untere Seite des Körpers und der Schienen aus dem Grünen in das Graue spielend. Rücken und Flügel dunkelgrünviolet, die Schwingen von dem schönsten Karminroth, rundum mit einer lauchgrünen Einfassung; der Schwanz ist oben und unten schwärzlichviolet mit einer Andeutung von feinen dunkelen wellenförmigen Querlinien. Bauch
*) Wagler änderte den Geschlechts-Namen Musophaga in Phimus um, und rechnete die Art M. gigantea zu der folgenden Section. **) Buflon oisscaux enlumines folio edit. Vol. VI. p- 386,
Chizaerhis zonurus. 9
und Schenkel dunkelgrau; Schnabel lackroth, an der Basis grünlich, der Anfang der Wölbung gelb. Oberschnabel fein gezähnt. Ein lackrother Warzenring umzieht das Auge und auf dem oberen Augendeckel bemerkt man aufgerichtete Papillen von derselben Farbe. Iris lebhaft karmin- roth. Füfse schwarzbraun. Beide Geschlechter und auch die Jungen Vögel haben ganz gleiches Gefieder.
Ganze Körperlänge von der Schnabelspitze bis an das Schwanzende . e In a au Länge des Schwanzes . . 6 0 . . . ö 0 0 = ve: Länge vom Flügelbug bis zum Ende der 4ten Flugfeder . . . 0 — 6.310: Länge des Tarsus . e e © . 5 c o . . 6 — 2
Die Zunge ist kurz, dreieckig, mit breiter fleischigter Basis, vornen zugespitzt; der Kropf fehlt, dagegen ist der Vormagen stark entwickelt; die Wände des Magensacks sind dickhäutig und etwas fleischig, bilden jedoch keine Muskelmasse, wie bei den hühnerartigen Vögeln; in demselben wurden Beeren und andere Sämereien gefunden. Der Darmkanal ist 1%, so lang als der ganze Körper ohne den Schwanz gemessen; Blinddärme fehlen. Das Sternum ist schwach gebauet; von dessen vier hintern Einschnitten sind die äusseren %, so lang als die inneren, und überhaupt halb so lang als das ganze Sternum. Der Kiel des Sternum ist nicht sonderlich erhaben, er endet vorn mit einer rückwärts laufenden Kante.
Die Corythaix leucotis ist ziemlich häufig in ganz Abyssinien; sie lebt Paarweise in dem dichten Gebüsche hochstämmiger Bäume zurückgezogen; ihre Stimme entspricht den dumpf aus- gesprochenen Sylben Hu, Hu; sie fliegt langsam in gerader Linie, von Zeit zu Zeit wie die Tauben mit den Flügeln mehrmals hintereinander schlagend.
Taf. 4.
Chizaerhis zonurus. Rüppell.
Diagnos. Chizaerhis rostro eitrino, capite et collo ex badio fuscescentibus, plumis nuchae elongatis, lanceolatis, albomarginatis; gastraco et tibiis ex umbrino et albido variis. — Corpus supra ex umbrino cineraseens remigibus nigricantibus, carum vexillis internis macula alba. Rectrices dilute brunneae, earum intermediae concolores, quatuor externae media parte taenia exalbida lata, apicibus fuliginosis.
Der ganze Kopf ist dunkelbraun gefärbt; sämmtliche Federn des Hinterhaupts sind verlängert und zugespitzt, mit weilslichem Saume und Endspitze; selbst die Federn hinter dem Auge und auf der Ohrengegend haben eine feine weilsgraue Spitze. Die zugespitzten Federn des Nackens trägt der Vogel meistens gesträubt. Auf der Gegend der Brust gehet das Gefieder mehr ins Rothbraune über; auch bemerkt man an den Federn des unteren Theiles derselben längs des Schafts einen weifsen Streifen; Rücken und Flügeldeckfedern blaugrau mit schwarzem Schaft und brauner Randeinfassung; die Schwungfedern schwarzbraun; und alle (mit Ausnahme der ersten)
auf ihrer halben Länge an der innern Fahne mit einem grolsen weilsen viereckigen Flecken; Vögel. 3
10 Chizaerhis zonurus.
vordere Hälfte des Schwanzes und dessen beide mittleren Federn lichtbraun; die vier äusseren Schwanzfedern am Ende mit einer 3 Zoll breiten rufsschwarzen Binde, vor derselben eine gleich breite von weißslicher Farbe; Bauch und Schenkel hell aschgrau längs des Federschafts mit einem bräunlichen Streifen; Füfse schmutziggrau; Schnabel zitrongelb; Iris kastanienbraun.
Ganze Körperlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende . ö N Der Schwanz allein gemessen . 0 B © . 0 . . . — 9 6. Länge des Tarsus . © © . & o . B . a . — Ik 8. Länge vom Flügelbug bis zum Ende der 4ten Flugfeder . . . . 9: 2.
Zunge, Magenbau, sonstige innere Organisation und Nahrung ganz wie bei der vorher beschriebenen Art. Die Kieferschneide ist nicht gezähnt. Dieser Vogel heifst in der Provinz Amhara Guguka (»F#), eine Benennung welche seiner gewöhnlichen Stimme entspricht. Beide Geschlechter und selbst die Jungen sind sich in ihrem Gefieder ganz gleich; sie bewohnen in kleinen Familien hochstämmige Bäume, die in der Nähe von fliefsendem Wasser stehen. Ihr Flug ist schwerfällig, kurz und wellenförmig, wie bei den Buceros-Arten. Ich beobachtete diese Vögel in den abyssinischen Provinzen Temben, Dembea und in der Kulla.
Perdix. Linne.
Auf meiner vorigen Afrikanischen Reise beobachtete ich sieben Arten des Geschlechts Perdix, von welchen drei neu waren; eben so viel neue Hühner-Arten gelang es mir auf meiner letzten Bereisung dieses Continents aufzufinden. Indem ich deren Beschreibung und Abbildung bekannt mache, wollte ich vorerst einige Bemerkungen über diejenigen meiner früheren Reise aufzählen.
Perdix Heyi, das ich unter dem Namen P. flavirostris eingeschickt hatte, welchen Namen Herr Temminck ganz willkührlich änderte, als er eine Abbildung nach den von mir erhaltenen Exemplaren Pl. color. 328 u. 329 bekannt machte, kommt ungemein häufig in ganz Arabien längs der Küste des rothen Meeres vor, wo es namentlich regelmäfsig von den Eingebornen auf die Märkte von Djetta lebendig zum Verkauf gebracht wird; sein Name in der Provinz Hedjas ist Hadjel.
Perdix saxatilis. Die auf dem Sinai-Gebirge ziemlich häufig vorkommende Art ist identisch mit derjenigen, welche Gray in seiner Indian-Zoology Vol. 1. Taf. 54 und Gould in der Century of Himalaja Birds Taf. 71 unter dem Namen von P. chukar abbildeten. Der Unterschied zwischen P. saxatilis und der Sinaitischen Art beschränkt sich darauf, dafs bei letzterer der schwarze Fleck in der Mitte der Kehle und am Mundwinkel etwas größer ist, dagegen derjenige an der Basis des Oberkiefers fehlt; dafs das ganze Gefieder des Rückens und der Brust mehr isabellfarbig, und das Gefieder um den schwarzen Halskragen beinahe weils ist. An den Binden auf den Weichen
ist der gelbliche und violette Theil ganz verblafst, und nur die schwarzen und braunen Quer- streifen sichtbar.
He ee a an Anh. .
Perdix melanocephala. - 11
Perdix ventralis. (Valenciennes Diet. Sc. Nat. Vol. 38, p- 435.) Es findet sich ziemlich häufig in den westlichen Provinzen Abyssiniens, im Kordofan und wie es scheint bis zum Senegal. Bemerkenswerth ist, dafs diese Art den Schwanz vertical zusammengedrückt und in die Höhe gerichtet trägt; der Schnabel ist schwarz; die Füfse und ein nackter Ring um die Augen ziegel- roth; die Iris braun. Diese Hühner laufen immer auf der Erde in kleinen Familien längs des Abhanges der felsigen Hügel; ihre Stimme ist derjenigen des gewöhnlichen Feldhuhns (P. cinerea) ähnlich. Sie heilsen im Kordofan Quera.
Perdix coturnix wird das ganze Jahr hindurch häufig in Egypten angetroffen, ist im Monat April auch in Dongola von mir beobachtet worden, und im Februar an der Küste bei Massaua.
Perdix Clappertonii (Rüppell’s Atlas Taf. 9) früher in den Steppen von Kordofan von mir beobachtet, nun auch in vielen Gegenden Abyssiniens gefunden; ist nicht identisch mit P. bicalcaratus (Buffon enlum. pl. 137), wie Cuvier vermuthete.
Perdix rubricollis (Rüppell’s Atlas Taf. 30), kömmt nur längs der abyssinischen Küste bei Massaua vor.
Perdix francolinus wurde von mir im Winter einige Mal im Delta beobachtet, jedoch
nie zum Schufs erhalten.
Taf. 5.
Perdix melanocephala. Riüppel.
Diagnos. Perdix vitta frontali supra pileum ad nucham usque ducta, — infraorbitali, et collari ab regione parotidea, quae ex albido et nigro striolata, per latera colli ad pectus plaga angustiori elongata, nigris; vitta superciliari lata et gula nivea; collo et medio abdominis ex isabellino rufescente; corpore supra schistaceo, plumis margine rufescentibus, infra dilutiori; hypochondriis fasciis albescentibus utrinque nigromarginatis ; cauda supra subtilissime undulata; rostro et pedibus colore corallino.
Der erste Anblick dieser Hühnerart erinnert sogleich an die sich mit ihr wiederholende Hauptvertheilung der Farben, welche ihre Vergleichung mit P. saxatilis, petrosa und rubra darbietet; man unterscheidet sie aber leicht von allen dreien durch ihren kohlschwarzen Oberkopf und ihre Körpergröfse. Der Oberkopf ist mit einer schönen schwarzen Haube geziert, welche sich von der Stirne um die ganze Basis der Nasenlöcher herum bis zum Kieferrande ausbreitet, und, nachdem sie auf dem Scheitel etwas schmäler geworden, bis zum Nacken reicht; sodann zieht ein breiter Streifen von dem vorderen Augenwinkel über das Auge bis zum Nacken hin, der wie die Kehle schneeweils ist. Ein anderer schwarzer Streifen, der am Mundwinkel beginnt, und den untern Rand der Augenlieder einfalst, sich an den Seiten des Halses verbreitet, umgiebt die weilse Kehle und steigt verlängert als breiter Flecken bis zur Brust herab. Die Ohrengegend weils und schwarz gesprenkelt. Der Nacken, Hals, Bauchmitte und Schenkel aus dem Röthlichen ins Isabellfarbige spielend. Flügeldeckfedern, Rücken und Brust hellschieferblau, sämmtliche Federn
12 - Perdix Erckelii.
mit einem isabellbraunen Randsaume. Flugfedern hellbraun, die äussere Fahne gleichfalls isabell- farbig eingefalst. Schwanz aschgrau, die mittleren Federn mit vielen feinen hellbraunen Wellen- linien. Die blaugrauen Federn auf den Weichen mit einer breiten weifslichen Randbinde, die auf ° beiden Seiten schwarz eingefalst ist. Das ganz alte Männchen hat an den Füfsen keinen Sporn, sondern nur eine Warze; die Füfse und die nackte Hautgegend um die Augen sind lackroth. Iris rothbraun; Schnabel des alten Männchens lackroth, beim jungen ist er hornschwarz; an letzterem ist auch der schwarze Halskragen nur mit dunkelbrauner Farbe angedeutet, so wie die Endspitzen seiner Kopfhaube ebenfalls bräunlich sind.
Ganze Körperlänge des alten Männchen . e e © : : > in 8 0 Länge der Flügel vom Bug bis zur Spitze der 4ten Flugfeder len c — 2} Länge des Schwanzes . . . . N © h B . a . — 5% Länge des Tarsus 5 . . 6 ® 6 . 0 e G . —
Ich erhielt von diesem schönen Feldhuhn nur zwei Individuen, beide lebendig, ein altes und ein junges Männchen, und zwar im Monat August zu Djetta; die Beduinen hatten sie in den benachbarten Gebirgen mit Schlingen gefangen; es hat also einen gleichen Standort wie P. saxa- tilis. Dieses Huhn soll nicht selten in jenen Gegenden vorkommen, und sein Trivialname in Djetta ist Gohal.
Taf. 6.
Perdix Erckelii. Rüppel.
Diagnos. Perdix pileo castaneo ; frontis et faciei plumulis rigidioribus nigris albo striolatis; macula postoculari et gula albis; plumis colli castaneis, albo marginatis — pectoris griseis, stria intermedia lanceolata castanea — abdominis, crissi et hypochondriorum albieantibus stria intermedia lanceolata ct margine castaneis — dorsalibus et alarum teetrieibus hepatieis, margine castaneis, tergo, uropygio, reetrieibus et remigibus hepatieis, seeundariarum vexillis externis colore dilutiori undulatis. Rostrum et pedes colore corneo, pedes maris bicalcarati.
Das hier beschriebene grofse Feldhuhn, welches wegen der beiden gleichlangen Sporne am Männchen in die Abtheilung der Frankoline gehört, hat einen schwarzbraunen Schnabel, der an der Schnabelwurzel schwarz ist. Oberkopf braun; eine schwarze Binde ziehet von der Stirn über die Augen nach dem Nacken zu; hinter den Augen ein kurzer weilser Streifen. Die ganze Umgegend der Augen ist befiedert, der Raum zwischen Augen und Schnabel, so wie die Wangengegend sind schwarz, jede der Federn in ihrer Mitte mit einem schmalen zugespitzten weilsen Längs- streifen. Kehle schneeweiss; der ganze Hals und der ihm zunächst liegende Theil des Vorderrückens mit braunen Federn, die auf beiden Seiten weils eingesäumt sind; Brust aschgrau, jede Feder längs des Schafts mit einem gestielten birnförmigen kastanienbraunen Fleck, der, wo er am breitesten ist, eine weilse Einfassung hat. Die Bauchfedern weifslich, in der Mitte längs des Schafts mit einem langgezogenen birnförmigen kastanienbraunen Flecken, die Fahnenränder der Federn mit breiter braunen Einfassung. Vorderrücken und kleine Flügeldeckfedern leberbraun; an
Perdix gutturalis. 13
den Federn dieser Theile ist der gröfste Theil des Schaftes weils, nur gegen das Ende zu wird er kastanienbraun; ihre Fahnenränder aber sind gleichfalls mit einem breiten braunen Saume einge- falst. Grofse Flügeldeckfedern leberbraun mit gelbgrauen dunkelbraun gerandeten wellenförmigen Binden auf ihren äufsern Fahnen. Flugfedern dunkel leberbraun, die äufsere Fahne fein isabell- farbig gesäumt. Unterrücken, Schwanzdeckfedern und Schwanz graubraun, die Federn des erstern mit dunkelbraunem Schaft; die der beiden letzteren mit undeutlichen gelben und dunkelbraunen gewellten Querlinien. Fülse hornfarbig. Iris kastanienbraun.
Ganze Körperlänge des ausgewachsenen Männchens . © 6 © h A Leer an Flügellänge vom Bug bis zur Endspitze der 4ten Flugfeder . © © 9. —. Schwanzlänge . 0 R . 0 . . 9 5 0 5 ao © Länge des Tarsus . . B . & 0 R e 3 0 ee
Das Weibchen hat im Ganzen ein gleiches Gefieder wie das Männchen, und unterscheidet sich von diesem nur durch eine geringere Körpergröfse, da es beinahe um ein Achttheil kleiner ist, und keine Spornen am Tarsus hat.
In allen mit Buschwerk versehenen Gebirgsgegenden Abyssiniens kömmt dieser Frankolin sehr häufig vor. — Man trifft ihn paarweise, immer auf der Erde, und vernimmt überall ihr auffallendes Geschrei; ihr Rufen besteht in einem schnell hintereinander wiederholten Ausstossen der Silbe Ga. Sie ernähren sich von Sämereien, Zwiebelgewächsen, zartem Grals u. dergl. Das Fleisch der Weibchen, besonders zur Zeit wo sie bald zu brüten anfangen, ist sehr schmackhaft. Ich fand im Monat September gegen das Ende der Regenzeit beiläufig 20 angeschwollene Dotter in ihrer Bauchhöhle.
Diesen schönen Frankolin (wohl der gröfste unter den bekannten) habe ich mit dem Namen des Herrn Theodor Erckel von hier, dermalen am Senckenbergischen Museum angestellt, dem Systeme einverleibt, um diesem jugendlichen Gehülfen, der mich auf meiner abyssinischen Reise begleitete, meine Zufriedenheit mit seinen treu geleisteten Diensten zu bezeugen. Er war der Erste, der ihn auf dem Taranta-Gebirge erlegte.
Perdix gutturalis. Rüppel.
Diagnos. Perdix rostro nigricante, pedibus testaceis; pileo fuscescente,, gutture albido, regione parotica et parauchenio lucide ferrugineis, plumis hujus apieibus nigro- maculatis. — Plumae dorsales et caudales sicut tectrices colore hepatico, fasciis subtilioribus transversis undulatis obsolete flavescentibus, hinc inde latioribus colore fuliginoso et maculis castaneis variegatis. — Plumae dorsi et tectricum scapo, et stria oblonga ad ejus latera ex flavido albescentibus bene notatae, et ab illis caudae et uropygii hac carentibus distinctae. Pectus maculis castaneis adspersum. Abdomen sordide isabellinum — fasciis cordiformibus fuliginosis — erissum undulatis. Hypochondriorum plumae elongatae vexillo externo casterneo — intano fasciis variegatae, Tibiae hepaticae unicolores. Remiges primariae concolores laete rufescentes, apicem versus brunneae, — secundariae uti tectrices pictae.
Das Feldhuhn, welches durch vorstehende Diagnose als eine neue Art in die Cataloge der Frankoline eingeführt wird, hat eine nahe Verwandschaft zu Perdix afra Latham *) und auch
*) Temminck Gallinaces vol. 3. pag. 337. Vögel. 4
14 Perdix gutturalis.
wohl zu P. Levaillantii Temm. *), weswegen ich bedauern muss, durch die beschränkte Anzahl der Tafeln, die für meine zoologischen Entdeckungen bestimmt sind, verhindert zu seyn eine Abbildung desselben zu geben. Ich will es daher versuchen, durch eine genaue Beschreibung seines Kleides und besonders Hervorheben der ihm eigenthümlichen Merkmale, dasselbe kenntlich und unterscheidbar darzustellen. Der Schnabel ist länglich ohne sehr breit zu seyn, und der Kiefer von dunkler fast schwärz- “licher Hornfarbe, die Lade dagegen an ihrer Wurzel etwas heller. Die Füfse ziegelrothbraun und an manchen mit einem über drei Linien langen Sporn versehen. Die Haube dunkelbraun theilweise mit helleren Federrändern, die wenig sichtbar sind und ins Rostfarbene spielen. Die Kehle ist einfarbig schmutzigweils, das ganze Gesicht, die Ohrengegend, die Halsseiten, der Nacken und eine schmale Einfassung um den weifslichen breiten Kehlflecken hellrostfarbig. Alle Federn dieser Theile endigen mit halbmondförmigen oder zugerundeten schwarzen Flecken, aus- genommen die Gegend vor und über dem Auge, welche einfarbig ist. Auf dem ganzen Rücken, dem Schwanze, den Flügeldecken und der Brust bildet eine bald mehr ins Bräunliche, bald ins Graue übergehende Leberfarbe den Grundton. Die Federn des Oberrückens, der Flügeldecken, so wie die der zweiten Schwingenreihe sind von feingewellten schmalen in das Mattgelbliche spielenden Querbinden durchzogen. Hier und da erscheinen ganz unregelmäfsig zwischen denselben einzelne breite dunkelbraune Flecken, die an den Schulterdecken und den Federn der zweiten Schwingenreihe auch von helleren und breiteren Querlinien eingefafst sind. Eben so zeichnen sich auf der Schultergegend einzelne Federn durch kastanienbraune Flecken aus. Alle Federn dieser Theile haben einen hellgelben Schaft und zu dessen beiden Seiten einen schmalen Streifen von derselben Farbe, wodurch eine mehr oder weniger helle Linie auf denselben sichtbar wird. Diese Zeichnung wird auf dem Unterrücken, Bürzel und den Schwanzfedern nicht wahrgenommen, da allen Federn dieser Theile die lichte Linie fehlt. Die mehr in das Graue spielende Brust ist mit lichten kastanienbraunen Flecken getüpfelt. Der Unterleib, die Weichen und der Steils sind von schmutziger Isabellfarbe. Die Federn des Unterleibes von dunkelrufsfarbigen herzför- migen Flecken durchzogen, die etwas spitz auslaufen. Diejenigen der Weichen, und namentlich die längeren, haben an der äufsern Fahne einen breiten langen kastanienbraunen Flecken und sind an der inneren von abwechselnden helleren und dunkleren Linien durchzogen; alle Federn des Steifses sind auf diese Weise in abwechselnder Färbung gewellt. Die Schienen sind einfarbig hell leberbraun. Die erste Schwingenreihe besteht aus ungescheckten Federn, welche von der Wurzel bis zum letzten Drittheil hell röthlich, und am Ende, so wie an der äufseren Fahne dunkel leberbraun gefärbt sind. Die untere Seite des Flügels ist lohbraun. Das Weibchen ist ebenso gefiedert und gezeichnet wie das hier beschriebene Männchen, hat
aber keinen Sporn am Fersenbein.
Ganze Körperlänge ; e e c : 6 c e . c —U EI 3%. Länge vom Flügelbug bis zur 4ten Flugfeder . c . 2 : © — 6. 3. Schwanzlänge . ö . . 0 © ö o . . o _ 2. 2. Länge des Tarsus . E 3 e E . 0 © 6 q e — 1. 6.
*) Temminck pl. col. No. 477.
Perdix gutturalis. , 15
Diese Hühnerart ist in Abyssinien bei weitem seltner als die vorher beschriebene. Wir beobachteten sie nur in drei Distrieten, und zwar immer in felsigten Gebirgslandschaften, die mit leichtem Gehölze bewachsen sind; nämlich zu Halai, bei Axum und in der Provinz Temben. Das weibliche Individuum, welches wir erlegten, wird in meiner Sammlung vermifst, und scheint auf der weiten beschwerlichen Reise abhanden gekommen zu seyn. Besondere Beobachtungen über die Sitten dieser Hühnerart hatte ich keine Gelegenheit zu machen.
Vergleicht man nun die vorstehende Beschreibung meiner neuen Art mit dem Kleide der Perdix afra, so ergiebt sich, dafs allerdings für den ersten Anblick eine auffallende Aehnlichkeit zwischen beiden unverkennbar sei, dals aber eine eben so grolse charakteristische Verschiedenheit obwalte, wie die genaue Vergleichung es ersehen läfst.
Perdix afra hat, anstatt des breiten und langen Kehlfleckens bei P. gutturalis, nur eine unbe- deutende weilse Stelle am Kinn. Der Hals jenes ist regelmäfsig schwarz- und weifsgescheckt und diese Farbenmischung unterbrochen, — am Nacken durch einen breiten rostfarbenen Streifen, der vom Scheitel bis zum Rücken zieht, — an den Halsseiten durch einen anderen von gleicher Farbe, der von dem äufseren Augenwinkel in gewundener Richtung bis zu der Brust herabzieht. Beide Streifen sind hier und da schwarz gefleckt. An P. afra ist der ganze Unterleib gleich- förmig weils und rufsbraun gewellt. Der Unterrücken, der Bürzel und der Schwanz haben dieselbe Federfärbung wie die Federn des Oberrückens und der Flügeldecken, an welchen Theilen bei P. gutturalis keine Federn eine Andeutung von den weißslichgelben Linien zeigen, welche den Schaft begleiten. Die Schwingen der ersten Reihe haben endlich bei P. afra einen gelben Schaft, sind dunkelbraun von der Wurzel bis zur Spitze und auf den äufseren Fahnen mit gelben Querstreifen gewellt; auch ist die untere Spitze der Flügel dunkelbraun gefärbt. — Diese Unterscheidungs- merkmale bemerke ich ganz gleichförmig an drei Individuen von P. afra, die mir zur Untersu- chung vorliegen, und in der That sind solche so erheblich, dafs ich sie vollkommen genügend “erachten mufs, um meine P. gutturalis als eine ‘von jenen spezifisch verschiedene und neue Art aufzustellen. Noch mehr aber unterscheidet sich diese von P. Levaillantii Temm., durch die auf- fallend verschiedene Zeichnung, die diese letztere Art am Halse, Unterleib und anderen Theilen darbietet.
Bei dieser Gelegenheit wollte ich noch bemerken, dafs die drei hier aufgezählten Arten, als P. afra, Levaillantii und gutturalis in Betreff des verlängerten und etwas comprimirten Schna- bels auf einen gleichförmigen Typus in der Bildung dieses Theiles hinweisen, der vielleicht für die Begründung einer Abtheilung geeignet seyn dürfte.
Otis. Linne.
Die Anzahl der von den Naturforschern gekannten Arten dieses Geschlechts hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Temminck in den Planches coloriees, aber namentlich die englischen Naturforscher Gray, Gould und Sykes beschreiben und bilden die meisten der
16 Otis melanogaster.
neuentdeckten Arten ab, die grofsentheils von dem Indischen Continent abstammen. Meine afrikanische Reisen bereicherten diese Gattung gleichfalls mit zwei Arten, wovon die eine in meinem früheren zoologischen Atlas abgebildet ist, die andere mache ich nachstehend bekannt *), und füge noch die Beschreibung einer mir wenig bekannt scheinenden Art bei, die unserem Museum unlängst vom Vorgebirg der guten Hoffnung, durch Herrn von Ludwig, zugesendet worden ist.
Taf. 7.
Otis melanogaster. Rüppel.
Diagnos. Mas adultus: Otis corporis colore supra isabellino, pileo fuscescenti variegato, facie et regione parotidea sordide albida, linea implumi ab angulo oris et oculi ad nucham porrecta, auriculam ambiente; vitta postoculari nigra in cervice conjuncta , albo limbata; gula nigra mentum versus guttis albidis adspersa; collo isabellino, lineolis umbrinis undulatis, antice nigro, utrinque albo limbato; pecetore, abdomine et tibiis nigris, dorso isabellino, maculis lanceolatis striolisque subtilioribus nigro umbrinis; flexura alarum cum tectrieibus candide albis; remigum primariarum prima nigra, secunda et tertia vexillis externis et apieibus nigris, internis albis, reliquis albis apice nigro, — secundariarum vexillis externis albis, internis apieibusque nigris; rectri- cibus supra taeniis 5 — 6 latioribus colore umbrino distinctis. Mas juvenis ab adulto distinguendus gula alba, et carente vitta postoculari striaque colli anteriori nigra.
Foemina adulta gula alba, collo, abdomine, flexura alarum et tectrieibus isabellinis, lineis subtilissimis umbrinis variegatis.
Bei dem alten Männchen hat der ganze Oberkörper einen isabellfarbigen Grundton, der auf den Flügeln etwas heller, auf dem Schwanze etwas dunkler als auf dem Rücken ist. Stirn und Oberkopf dunkelbraun; Gegend der Augen und Ohren schmutzig gelbweifs. Von dem Mund- winkel ziehet um die Ohrenöffnung nach dem hintern Augenrande ein unbefiederter schmaler Streifen von grauer Farbe. Am äufsern Augenwinkel beginnt eine schwarze Binde, deren beide Ränder weils eingefalst sind, und die mit derjenigen der entgegengesetzten Seite auf dem Nacken verbunden ist. Der Hals ist auf dem isabellfarbenen Grunde mit feinen schwarzen Querlinien gewellt. Die Kehle schwarz, nach dem Kinn zu weils getüpfelt. Von der Kehle bis zu der Brust ziehet längs des Vorderhalses ein schwarzer auf beiden Seiten weils eingefafster Streifen herab, der auf der Brust von einzelnen weifsen Federn unterbrochen wird. Der ganze Unterleib ist schön kohlschwarz, eben so die Schenkel, welche unten mit einem weilsen Saume eingefafst sind. Die Federn des Rückens und der Schultern sind sämmtlich von feinen dunkelbraunen Querlinien unregelmäfsig durchzogen, wobei noch aufserdem diejenigen des Vorderrückens mit einem länglichen dunkeln lanzettförmigen Flecken gezeichnet sind. Der Grund der Schwanz- federn ist oberhalb etwas dunkler als der übrige Oberkörper, und diese Färbung wird nach den Seiten des Schwanzes immer stärker, so dafs die äufsere Feder ganz schwarz ist; auf seiner obern Fläche sind 5 — 6 braune Querbinden, und zwischen diesen schmale wellenförmige Linien. Die untere Fläche des Schwanzes ist schwarz; die Endspitze der Federn schwarz und weils getüpfelt.
An den Flügeln ist die äufserste Schwungfeder ganz schwarz; die zweite und dritte haben die äufsere Fahne und Endspitze schwarz und die innere Fahne weils. Die übrigen Schwung- federn haben beide Fahnen weiss und eine schwarze Endspitze. Die Schwingen der zweiten
*) Die in Afrika vorkommenden Trappen-Arten sind: Otis arabs, hubara, Denhamii, afra, caffer (Licht,) oder torquata (Cuv.), Nuba, cacrulescens , mcelanogaster und Vigorsii.
Otis Vigorsi. 17
Reihe sind gegen ihr Ende zu und an ihrer ganzen innern Fahne schwarz, während die äussere Fahne weils ist. Auch die Achsel, der Flügelbug, und die kleinen Deckfedern sind schnee- weils; aber die mittleren Flügeldecken sind wie der Rücken isabellfarbig, mit kleinen schwarz- braunen lanzettförmigen Flecken ‚und wellenförmigen Querlinien. Iris dunkelbraun; Oberschna- bel dunkel hornbraun; die Lade und die Füsse fleischfarbig.
Ganze Körperlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende ee Eu er Längs des Flügels vom Bug bis zum Ende der dritten Flugfeder B Io Io 8 Schwanzlänge ö 0 . 6 . 0 0 : . e a oh Länge des Tarsus er ee euer ul 6: Nackter&lheilhder „Ribia er Er —, ob —o
Das junge Männchen unterscheidet sich von dem alten männlichen Vogel dadurch, dals seine Kehle weils ist, und dafs ihm die schwarze vom Auge bis zum Nacken ziehende Binde, so wie der schwarze Längsstreifen am Vorderhalse fehlt. Auch ist bei dem jungen Männchen die zweite Schwinge der ersten Flugfederreihe schwarz.
Am Weibchen, das dem jungen Männchen ähnelt, ist selbst der Bauch, der Schenkel und Flügelbug isabellfarbig; alle Schwingen der Flügel sind schwarz, und haben unregelmässig einzelne weisse Flecken.
Diese Trappen leben Paarweise auf den zu Ackerland benutzten Ebenen in der Umgegend des Zana-Sees, in der abyssinischen Provinz Dembea. Lebensart und Nahrung wie die der be- kannten ähnlichen Arten dieses Geschlechts; wir hörten nie die Stimme dieses Vogels.
Ich füge hier die Beschreibung einer andern in neuerer Zeit entdeckten Trappenart bei, die in der Caplandschaft vorkömmt, und welche das Frankfurter Museum der Freigebigkeit des Herrn von Ludwig verdankt, dessen patriotischer wissenschaftlicher Sinn allgemein gekannt ist. Wir erhielten diesen Vogel unter dem Arten-Namen Otis Vigorsii eingeschickt; mir ist unbekannt wer solchen vorgeschlagen hat; auch weils ich nicht, ob die Beschreibung dieses Vogels nicht etwa schon in einem andern naturgeschichtlichen Werke bekannt gemacht wurde.
Otis Vigorsii.
Diaynos. Otis colore isabellino, lineis umbrinis rivulatis variegato, gula macula longitudinali, et nucha lunula nigra; sub regione paro- tica macula albida, tibiis et parte media abdominis isabellina, pennis dorsalibus macula lanceolata isabellina, nonnullis ma- culis irregularibus umbrinis intermixtis; remigibus vexillo externo et apice umbrino, vexillo interno rufescente; tarsis bre- vISsımis.
Das Hauptgefieder des ganzen Vogels ist isabellfarbig, mit sehr vielen dichtstehenden feinen wellenförmigen braunen Linien gescheckt. Beim Oberkopfe ist die Grundfarbe mehr ins Schmu- tzigweisse übergehend. Ueber den Nacken gehet ein schmaler Streifen von schwarzer Farbe, der hinter der Ohrengegend endet. Unter der Ohrengegend sind die Halsseiten gelblich weils, und längs der Mitte der Kehle ist ein schwarzer breiter Strich. Die Deckfedern des Rückens haben nach ihrer Spitze zu einen isabellfarbenen lanzettförmigen Fleck, dem eine breite schwarz- braune Querbinde vorangehet. Oft wiederholt sich diese braune Binde mehrmals auf der näm- lichen Feder. Die Flugfedern und grossen Deckfedern der Flügel rostroth, gegen das Ende zu schwarzbraun; die beiden ersten Flugfedern beinahe ganz schwarzbraun. Bauchmitte, Schenkel
Vögel. h)
18 Corvus.
und Aftergegend isabellfarbig. Ueber die obere Seite des Schwanzes gehet eine schmale dunkel- braune Binde. Füsse und Basis des Unterschnabels gelblich, das übrige des Schnabels dunkel- braun. Der Tarsus ist in Vergleich zu den bekannten Arten ganz ungewöhnlich kurz.
Ganze#Körperlänge War. I . , Re EI ii Länge der Flügel ® 6 0 Ai 0 c 0 o a 11. 9. Tkängerdes#Schwanzeseee Er RE Er 3. — Länge des Tarsus ee Be id SE A. 2. 9. Länge des nackten Theils der Tibia 2 © . . 0. 1. 3.
Wir besitzen zwei Individuen dieser Trappen-Arf, die sich beinahe ganz gleich sind, nur dafs der eine den schwarzen Flecken an der Kehle etwas grösser hat. Beide kommen von Süd- Afrika, aber leider ist an keinem derselben das Geschlecht angegeben. Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, dafs alle kleine Trappenarten eine nackte Knorpelwarze am Flügelbug haben.
Corvus. Linne.
Von den eigentlichen Raben, das heist denjenigen Vögeln, welche die Naturforscher gegen- wärtig unter diesem Gattungsnamen zusammenstellen, kommen bekanntermassen Arten in allen Ländern und Climaten vor, von welchen mitunter einige sehr nahe verwandte sind. In den von mir bereisten Afrikanischen Provinzen sind die Rabenarten nicht minder verschieden und zahl- reich als in irgend einer andern Weltgegend, wie man aus nachstehender geographischen Ver- breitungs-Uebersicht ersehen kann, in welcher ich die zu der Gattung Corvus familienweise gehörigen Vögel mit aufführe.
Corvus corniz (Linne) kömmt im Winter zwischen Cairo und Suez ziemlich häufig vor, wurde auch im peträischen Arabien von mir beobachtet.
„ monedula (Linn.) | beide Arten ungemein häufig in Unter-Egypten und dem peträi-
„ frugilegus ee) schen Arabien.
„ scapulatus (Daudin) beide Arten häufig in allen niedern Gegenden südlich vom
„ aßinis (Rüppell)
„ erassirostris (Rüppell) Diese zwei Arten bewohnen die hochgelegenen Distriete von
„ capensis (Levaillant)
Pica vulgaris (Cuwv.) ziemlich häufig im Winter in Unteregypten. „ senegalensis (Cuv.) häufig in Kordofan. Ptilonorhynchus (Kitta) albirostris (Rüppell) lebt auf der Hoch-Landschaft von Abyssinien. Pyrrhocoraxz graculus (Temm.) auf den höchsten Schneegebirgen Abyssiniens (14,000 Franz. Fufs) von mir eingesammelt, durch nichts von der europäischen Art sich unterschei-
18. Breitegrad. Nie in Egypten beobachtet.
Abyssinien.
dend. Auch auf dem Sinaitischen Gebirge ward eine Pyrrhocorax-Art von mir beob- achtet, jedoch nicht eingesammelt, um solche näher bestimmen zu können.
19 Taf. 8.
Corvus crassirostris. Rüppell.
Diagnos. Corvus rostro permagno, compresso, arcuato, culmine distincto, rotundato, naribus suleis profunde excavatis, cauda rotundata, remigibus %; longitudinis caud» aquantibus; corporis colore aterrimo, pectore et collo splendore purpurascente, alis nitore coerulco, tectrieibus minoribus fusco-umbrinis, nucha nivea, pedibus et rostro nigro, illo apice albo.
Dieser colossale Rabe hat durch das Farbenkleid und ungewöhnlich verdickten Schnabel eine auffallende Aehnlichkeit mit dem in Südafrika lebenden Corvus albicollis (Lath.), so dafs ich selbst in Abyssinien der Meinung war, jene längst bekannte Art in der nördlichen Hemisphäre wiedergefunden zu haben, und es daher unterliefs mehrere Individuen einzusammeln; aber man hat nur nöthig beide Arten neben einander zu stellen, um sich alsobald von ihrem specifischen Unterschied auf das Bestimmteste zu überzeugen *).
Der ungewöhnlich dicke etwas comprimirte Schnabel hat an der Firste eine breite Basis; diese Firste ist in ihrem Verlaufe zugerundet, und gleichförmig als Bogensegment gekrümmt; zu beiden Seiten der Firste ist eine Hohlleiste, in welcher die vollkommen eirunden offenen Nasenlöcher liegen, welche wie immer bei den Rabenarten von vorwärts gerichteten Borsten ganz überdeckt sind. Sämmtliche Federn des Oberkopfs und Nackens liegen ganz flach an und sind seidenartig anzufühlen; diejenigen der Kehle sind etwas zugespitzt, und an den Halsseiten und Brust sind sie zugerundet. Die vierte Flugfeder ist am längsten; sie reicht, wenn der Flügel beiliegt, bis 2%, Zoll von der Schwanzspitze; der Schwanz ist zugerundet, und seine Seitenfedern sind 2 Zoll kürzer als die mittleren.
Ganze Körperlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende . A 0. Länge des Schnabels von dem Mundwinkel bis zur Spitze längs der
Kieferschneide. gemessen... u. ee ee Länge des Schnabels von der Basis bis zur Spitze längs der Firste
gemessen . s . . ® . o 0 6 . 5 3. T. Gröfste Verticalhöhe des Schnabels . . i ö 0 © Po. 1. T. Vom Flügelbug bis zur Endspitze der dritten Flugfeder . © 0 1. 3. —. Länge des Schwanzes 2 en An ee ee Te ae Be Länge des Tarsus 0 . o . . . . & 0 0. 2. 8.
Die Grundfarbe des ganzen Gefieders ist glänzend kohlschwarz, die Seiten des Halses etwas dunkelpurpurfarbig schimmernd, das übrige mit blauschwarzem Schiller. Am Flügelbug sind die kleinen Deckfedern dunkel kastanienbraun mit schwarzen Federn untermischt; auf dem Nacken ist ein grosser etwas birnförmiger schneeweisser Flecken, der ganz anders gestellt und geformt ist als bei dem in Südafrika lebenden Corvus albicollis; er ziehet bis an die obere Fläche des Scheitels. Schnabel und Füsse sind pechschwarz mit Fettglanz; die Endspitze des ersteren ist weils. Iris kastanienbraun.
Dieser Rabe bewohnt nur das abyssinische Hochland, welches mehr denn 5000 Fufs über. der Meeresfläche erhaben ist. Wir beobachteten ihn zuerst zu Halai auf dem Tarantagebirge,
*) Es ist überhaupt eine höchst eigene Sache, die grosse Aehnlichkeit in der allgemeinen Farbenvertheilung bei verschiedenen Arten, welche in Abyssinien und am Cap vorkommen, und zwar lebend unter andern Vögeln, die in beiden Weltgegenden identisch B ) sind. Beispiele hiervon werde ich namentlich bei der Gattung Lanius, Lamprotornis, Oriolus, Buphaga und andern anführen.
20 Corvus affınis.
dann wieder in der Provinz Agame, in beiden nur in kleinen Familien; aber ziemlich häufig findet er sich in Simen, und ganz besonders in Gondar selbst; seine Sitten sind ganz die des Corvus frugilegus; er sucht nämlich seine aus Käfern und Würmern bestehende Nahrung im Dünger und auf Brachfeldern, und schreit gewöhnlich beim Fliegen.
nn
Taf. 10. Fig. 2. Corvus aflfinis.
Diagnos. Corvus rostro valido, mandibula basi triangulari, culmine arcuato, antiis pilis tectis, qui divergentes antrorsum et sursum spectant;
Rüppell.
pennis jugularibus bifidis, alis elongatis, apiceem caud» valde excedentibus; cauda subrotunda; corporis colore splendido nigro
viridescente.
Bei vollkommen gleicher Körpergrösse mit Corvus corona, unterscheiden sich beide Arten
durch Schnabelbildung, durch die
verschiedene Federbedeckung der Nasenlöcher (Schneppe
llliger) und durch die Länge der Flügel; endlich durch die Länge der Phalangen, welche auch
mit viel stärkeren mehr gekrümmten Nägeln bewaffnet sind. Zur bessern Uebersicht des Unterschiedes beider Arten stelle ich von beiden die Beschrei- bung derjenigen Körpertheile, durch welche sie sich von einander unterscheiden, nachstehend
neben einander: Corvus afinis.
Der Oberschnabel ist dreikantig an der Ba- sis, und seine Firste krümmt sich gleichförmig und in fortlaufendem Bogen von der Basis bis zur Spitze.
Die Borsten, welche die Nasenlöcher bede- cken, nach vorn und oben gerichtet. Federn der Kehle und des Vorderhalses in eine bifurcirte Spitze endend.
Flügelspitzen 2 Zoll länger als das Schwanz- ende.
Schwanz zugerundet, 6 Zoll lang.
Länge des Tarsus . 30"
Länge der Mittelzehe . 19%
Das ganze Gefieder ist mehr grünlichschwarz, und durchaus stahlglänzend.
Ganze Körperlänge 18.
Corvus corona. Der Oberschnabel gerade, nur gegen die Spitze zu allmählich abwärts gekrümmt.
Die Borsten an den Nasenlöchern alle nach vorn zu gerichtet. Federn der Kehle in einen
einfachen zugespitzten Winkel auslaufend.
Flügelspitzen 1 Zoll kürzer als das Schwanz-
ende. Schwanz beinahe rechtwinkelig, 7 Zoll lang. Länge des Tarsus 26” Länge der Mittelzehke. . 15
Das Gefieder ist theils sammetschwarz, theils blauschwarz, am Nacken, Brust und Bauch ohne Glanz.
Ganze Körperlänge 17,
Diese Rabenart beobachtete ich in den nämlichen Gegenden lebend, worin Corvus scapulatus
vorkömmt; besonders häufig ist sie bei Massaua und bei Schendi.
In den höher gelegenen abyssinischen Provinzen wird diese Art durch eine etwas grössere geleg y
ersetzt, in welcher sich die von Lichtenstein unter dem Namen Corvus capensis angedeutete
Corvus capensis. 2
Art*) zu erkennen glaube, und die längst schon Le Vaillant, freilich etwas ungenügend unter gleicher Benennung abgebildet hat**), später aber von Herrn Temminck mit dem neuen Namen Corvus segetum beglückt wurde ***).
Taf. 10. Fig. 3. Corvus capensis. Le Vaillant.
Diagnos. Corvus rostro recto, elongato, valido, remigibus unciam unam et dimidiam a caud:® apice terminantibus, illa: quadrata, pinnis = jugularibus bifidis, colore capitis, nuch® et pectoris aterrimo, gula, teetrieibus minoribus et gutture nigro violaceo splendente, partibus reliquis colore nigro »neo-viridescente,
Der Schnabel ist beinahe gerade, dabei länger und an der Basis viel niederer als bei Corvus affınis; die Federn, welche die Nasenlöcher bedecken, sind alle horizontal gerichtet. Die Federn der Kehle in doppelte Spitze auslaufend, und zwar ist die sie veranlassende Aus- kerbung bei weitem tiefer als bei vorstehend beschriebener Art, deren Verschiedenheit auch noch ferner durch Flügellänge und Farbennuancen begründet ist. Die Flügelspitzen reichen nämlich nur bis 14, Zoll vor das Ende des Schwanzes, welcher beinahe rechtwinkelig abgestutzt und dabei verhältnifsmässig zu den verwandten Arten ziemlich lang ist. Auch sind die Nägel der Zehen nambar kürzer.
Der Kopf, Nacken, die Seiten des Halses und eine Art von Halskragen über die Brust sind von glanzloser sammetschwarzer Farbe; die Kehle, kleine Deckfedern und der Unterleib sind gleichfalls kohlschwarz, aber mit stahlblauem Schiller; der schwarze Rücken, grosse Flügel- deckfedern und Schwanz mit dunkelviolet grünem Glanze.
Ganze,-Körperlänge; .... re WE u el Länge der Mittelzehe 3 san 5 nie . —e- — 1176. Länge vom Flügelbug bis zur Endspitze des Flügels . . . 20. 13714 Schwanzlänge,, = _.__ sb wu a. nu aa, re ee 6%,
Dieser Rabe pflegt nicht allein beim Schreien, sondern überhaupt auch in der Ruhe die Kehle stark aufzublähen, gleich als hätte sie einen gefüllten Kropf, weshalb er auch von meinen Jägern der Kropfrabe benannt wurde. Wie schon bemerkt ist das climatische Vorkommen dieser Art wesentlich verschieden von demjenigen der vorbeschriebenen Raben. Ihr Ruheort die Spitzen hoher Bäume; etwas Eigenthümliches ihrer Lebensart wüfste ich nicht zu bemerken.
Der unermüdliche Naturforscher Kuhl, in seinen Beiträgen zur Zoologie (Frankfurt 1820, 4to.) pag. 150 bildete, und wohl mit vielem Recht, für mehrere in neuerer Zeit entdeckte Vögel, die auf den grossen ostin- dischen Inseln leben, eine eigene Gattung, die er Ptilonorhynchus benannte. Herr Temminck in der 67. Liefe- rung seiner Planches coloriees, bei Gelegenheit der Beschreibung einiger dieser Vögel änderte, ohne nähere Angabe der Ursache, den Kuhlischen Gattungsnamen in Kitta um. Cuvier endlich in seiner neuen Ausgabe des Regne Animal übersah ganz von dieser Gattung Notiz zu nehmen, obgleich sie sicherlich ganz gut begründet ist, und ihren Platz im Systeme in der Nähe der Raben einzunehmen hat.
*) Lichtenstein, Verzeichniss der Doubletten, pag. 20. No. 199. **) Oiseaux d’Afrique pl. 52. ***) Cuvier rögne animal 2e edition Vol. I. pag.421. Nota, und Temminck planches coloriees, 70 Livraison, Genre Corbcau, Espece. 6.
Vögel. 6
22 Taf. 9. Fig. 1.7, Fig. 2. 9. Ptilonorhynchus (Kitta) albirostris. Rüppell.
Diagnos. Ptilonorhynchus mas colore supra et subtus nigro splendore coeruleo, remigibus primariis rubiginosis, apice nigro, teetrieibus majoribus et cauda nigris, rostro albido; foemina capite, collo et peetore cinereo coerulescente.
Durch die von mir entdeckte nachstehend zu beschreibende Art zeigt sich die Gattung Ptilonorhynchus als eine auch in der Fauna von Afrika repräsentirte Form; der Vogel: hat übrigens durch Hauptvertheilung der Farben mit dem auf Java heimischen Ptilonorhynchus holo- sericeus eine merkwürdige Verwandtschaft. Grösse und Statur einer Mandelkrähe (Coracias garrula). Der milchweisse Schnabel, welcher etwas comprimirt ist, hat eine zugerundete Kuppe (eulmen), von der Basis an fortlaufend parabolisch gekrümmt; an der Schnabelspitze ist eine schwache Auskerbung. Der haarige Federstern, welcher einen grossen Theil der Schnabelbasis und die Nasenlöcher ganz überdeckt, hat seinen Centralpunkt dicht am Augenliederrand, und diejenige seiner Federn, welche nach oben gerichtet sind, krümmen sich gegen ihr Ende nach hinten zu. Das ganze Gefieder des Vogels ist lebhaft glänzend und seidenartig anzufühlen. Die Spitze der Flügel reicht nicht ganz bis an die Hälfte der Schwanzlänge; die erste Flugfeder ist nur 2 Linien kürzer als die dritte, welche die längste ist, und der die zweite und vierte beinahe gleich kommen. Der Schwanz ist rechtwinkelig abgestutzt; die Nägel der Zehen mittel- mässig, aber stark gekrümmt.
Ganze Körperlänge £ © 0 ui] . c 5 : 0 5 111, ° Schnabellänge m a el: ERBE oe. vun 11" Länge «dest Flügels ur Wr Eee. 6’. 2" Länge des Schwanzes . - . 0 ® . 5 i - a a 4. au Länge:.des: Tarsus- „u. 2 0 rege. ne 12%
Bei dem Männchen ist das Gefieder des Kopfes, Halses, der kleinen und mittleren Flügeldeck- federn und der übrige Körper blauschwarz mit Stahlglanz ; die grossen Flügeldeckfedern und der Schwanz sind sammetschwarz, die Flugfedern zimmetroth, der untere Theil ihrer äussern Fahnen und die Endspitzen der Federn schwärzlich. Die Füsse sind schwarzbraun, die Iris rothbraun.
Bei dem Weibchen und jungen Vogel ist die ganze Kopfgegend, der Hals und obere Theil der Brust von blaugrauer Farbe mit Seidenglanz; das übrige ist wie beim alten Männchen. Die Zunge ist länglich flach, vorn hornartig, zugespitzt, in einige Fasern auslaufend, an der Basis ist sie fleischig; in dem halbmuskulösen Magen fanden sich Beeren und Sämereien.
Dieser Vogel lebt in zahlreichen Familien immer auf lichtstehenden Baumgruppen, in den höhern Gegenden Abyssiniens; wir beobachteten ihn häufig auf dem Tarantagebirge, auf dem Plateau von Artegerat, und in der Provinz Simen; auch bei Gondar kömmt er vor zur Zeit wo die Früchte der Cordia abyssinica reifen. Er hat eine klagende eintönige Stimme, die er nur im Fluge verlauten läfst; man begegnet ihn beinahe immer in Schaaren fliegend, wobei der Flug nie besonders rasch; in ihrer Gesellschaft kömmt gewöhnlich Lamprotornis morio vor, dessen Gefieder bei beiden Geschlechtern ziemlich die nämliche Farbenvertheilung hat.
Von andern Gattungen, die im Systeme in die Nähe der Raben gestellt werden, beobachtete ich in Nord-Ost-Afrika nachstehende bereits längst beschriebene Arten :
Ptilonorhynchus albirostris. 23
Coracias garrula. Kömmt häufig in Egypten vor, und ist auch im peträischen Arabien nicht selten. f
Coracias abyssinica (Buflon enlum. pl. 626.). Ziemlich häufig in lichtbehölzten Gegenden süd- lich vom 18. Breitegrad, im Kordofan, bei Schendi, und in den niedern Gegenden von Abyssinien.
Coracias Levaillantü (Le Vaillant oiseaux de Paradis, Vol. I. pl. 29.). Ziemlich häufig in den niedern Gegenden von Abyssinien, besonders an der Meeresküste bei Massaua.
Colaris afra (Cuv.) Zuerst beschrieben und abgebildet in Shaw Nat. Miscellany pl. 401 als Coracias afra, dann von Le Vaillant oiseaux de Paradis I. pl. 35 unter dem Namen:
e le petit Rolle violet, endlich von Jardine in seinen ornithological illustrations pl. 109 unter dem Namen Zurystomus gularis. Zu bemerken ist, dafs Cuviers Gattungs- name Colaris älter ist als das von Vieilloet in Gebrauch gesetzte Wort Eurystomus, und daher den Vorzug verdient. Dieser Vogel ward von mir in den Thälern des Takazze Stromes unterm 14. Breitegrad beobachtet; er lebt dort einzeln auf hohen Bäumen; der Schnabel des einzigen von mir erlegten Individuum war strohgelb, Iris hellbraun, Füsse röthlichbraun; Zunge hornig, flach lanzettförmig zugespitzt; im halb- muskulösen Magen waren kleine Scarabäen.
Buphaga erythrorhyncha (Temminck pl. coloriees No. 465.); schon früher in dem Appendix zu Salts Reisen von Latham unter dem Namen Tanagra erythrorhyncha angeführt, aber von Stanley bei dessen genauer Beschreibung, ebendaselbst pag. LIX fragweise bereits zu den Buphaga gerechnet. Es ist daher eine zwecklose Neuerung, wenn Herr Ehrenberg in neuerer Zeit diesen Vogel mit dem Worte Buphaga abyssinica bezeich- net hat, wie denn überhaupt es diesem Herrn wohlgefällt, ältere längst angenommene Artennamen durch andere von ihm in Vorschlag gebrachte verdrängen zu wollen. Diese Buphaga ist ungemein häufig auf den Weideplätzen an der abyssinischen Küste, ward aber nie von mir in Sennaar oder Kordofan beobachtet.
Nachtrag zu Buceros flavirostris.
Ich beeile mich die Entdeckung mitzutheilen, dafs der von mir unter dem Namen Buceros flavirostris Taf. 2. Fig. 2 und pag. 6 als neu beschriebene und abgebildete Vogel bereits unter gleicher Benennung von Latham General history of birds Vol. 2. p. 331 sehr gut erkenntlich als eigene Art aufgeführt wurde. Dafs ich dieses früher übersehen hatte, geschah, weil ich der ganz irrigen Meinung war, dafs Herr Temminck, nachdem er eine specielle Monographie der Gattung Buceros in der 36. Lieferung seiner Planches coloriees, und einen ausführlichen Nach- trag dazu in der 89. Lieferung bekannt gemacht hatte, sämmtliche sich auf diese Gattung. bezie- hende Notizen benutzt haben müsse, besonders aber wenn solche sich in einem grossen orni- thologischen Werke, wie das Lathamische befänden. Es liefert dieses einen neuen Beleg, wie
oberflächlich gewisse Autoren ihre Mittheilungen bearbeiten!
24 Lamprotornis.
Lamprotornis. Temminck.
Viele der bereits bekannten Arten dieser Gattung bewohnen die von mir bereisten Provinzen des nordöstlichen Afrika. Aber auch zwei neue. glaube ich daselbst entdeckt zu haben. Indem ich deren Abbildung und Beschreibung bekannt mache, will ich gleichzeitig einige Mittheilung geben über die Verbreitung und einige nicht beschriebene Alterskleider der von mir beobachteten Lamprotornis Arten.
1) Lamprotornis mit kurzem rechtwinkeligem Schwanze.
Lamprotornis leucogaster (Temm.) *). Diesen Vogel beobachtete ich in kleinen Fami- lien zusammenlebend in der abyssinischen Provinz Agame. Die ausgewachsenen Männchen und Weibchen dieser so schön gefärbten Art sind sich in Grösse und Gefieder ganz gleich und hin- länglich bekannt; aber wenn ich nicht irre, so ist das Jugendkleid derselben nicht beschrieben, und ich habe das Vergnügen diese Lücke auszufüllen, eine um so nöthigere Sache, da zwischen den verschiedenen Alterskleidern dieses Vogels ein auffallender Farbenunterschied ist. Im Jugend- alter ist sein Gefieder folgendermassen :
Der ganze Oberkopf, die Ohrengegend, der Rücken und die Flügeldeckfedern sind matt kastanienbraun, die Federn auf den Seiten mit feinem rostrothem Saume; auf dem Nacken sind die braunen Federn auf beiden Seiten hellgrau eingefalst. Kehle und ganze untere Körperseite weils, jede Feder gegen die Endspitze des Schafts kastanienbraun, welche Farbenzeichnung auf dem Halse mehr einem Längsstreifen, auf der Brust und den Bauchseiten mehr einem rund- liehen Tropfen gleicht. Die kastanienbraunen Flügel haben die obern %, ihrer innern Fahne von rostrother Farbe, welches aber bei anliegendem Flügel nicht bemerkbar ist. Der Schwanz ist einförmig kastanienbraun, mit Ausnahme der äussersten Steuerfedern, deren innere Fahne zur Hälfte rostroth ist; hier und da erscheint auf dem Oberkopfe bereits eine der schönen blau violetten Federn, mit prachtvollem Purpurschiller. Ganze Körperlänge 7 Zoll.
Lamprotornis rufiventris (Rüppell) oder L. chrysogaster varietas abyssinica. Ueber den L. chrysogaster scheint ein wahrer Unstern einer Verurtheilung zur Confusion obzuwalten. Buffon vor allem bildete ab und beschrieb unter dem Namen Merle & ventre Jaune de Senegal **) eine Vogelart, von welcher er sagt 1) dafs von der Kehle an die ganze untere Körperseite lebhaft orangegelb gefärbt sei; 2) dafs einige der Flugfedern an ihrer äusseren Fahne weils gerändet seien, welches beides auch durch die von ihm bekannt gemachte Abbildung bestätiget wird. Diesen Vogel nannte Gmelin Turdus chrysogaster, und Temminck machte daraus seinen Lamprotornis chrysogaster **). Nun kömmt Vieillot in dem Tableau eneyclopedique et metho- dique, Ornithologie pag. 668, und beschreibt unter dem Namen Turdus ehrysogaster den von Buffon, Plan. enluminees No. 221 unter dem Namen Merle du Cap de bonne esperance abge- bildeten Vogel, dessen ganze untere Körperseite vom Schnabel an orangegelb ist, dagegen über- gehet er ganz die Buffon’sche Tafel 358 unter irgend einem Artennamen aufzuführen. Van Swindern bei der Bekanntmachung des von Kuhl bearbeiteten systematischen Catalogs der Planches
*) Merle violet A ventre blanc de Juida. Buffon enlumine fol. Vol. IV. pag. 116 und pl. 648. _Fig. 1. ”*) Planches enluminees, fol. Edition. Vol. IV. pag. 97. Tafel 358, ”**) Manuel d’Ornithologie, 2e edition.
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Lamprotornis. 25
enluminees des Buffon macht eine neue Verwirrung, denn er bezeichnet beide Tafeln No. 221 und 358 als den nämlichen Turdus chrysogaster vorstellend. In ganz neuerer Zeit theilt Herr Ehrenberg mit *), dafs er bei seinem Aufenthalt an der abyssinischen Küste ein einziges Indi- viduum von einer Vogelart erhalten habe, welche er mit dem senegalischen Lamprotornis chry- sogaster für identisch halte, obgleich ersterer etwas kleiner von Statur sei. Im Zeitlaufe meiner Reisen in Dongola, Kordofan und Abyssinien erhielt ich ohngefähr 30 Individuen einer Lam- protornisart, wovon von unserm Museum mehrere Individuen dem Herrn Temminck mitgetheilt wurden, welcher sie gleichfalls immer für Lamprotornis chrysogaster erklärte. Wenn man nun aber nicht alle Glaubhaftigkeit oder Genauigkeit bei Beschreibungen und Abbildungen dem Buffon absprechen will, so halte ich es für unmöglich, den von mir in Ostafrika eingesammelten rothbäuchigen Lamprotornis und den von Buffon und andern Autoren als Lamprotornis chrysoga- ster angenommenen Vogel für identisch zu halten, worüber das Nähere zu ersehen durch meine nachstehende Beschreibung des von mir Lamprotornis rufiventris benannten Vogels.
Lamprotornis nitens (Temm.). Buffon pl. 561 und Levaillant Oiseaux d’Afrique pl. 90. Ungemein häufig in allen Niederungen von Abyssinien, Sennaar und Kordofan, bewohnt in grossen Schaaren das Gebüsch in der Nähe von Hirtenwohnungen. Sehr nahe mit ihm verwandt ist der nur in Abyssinien vorkommende Lamprotornis chalybäus Ehrenberg (Symb. phys. Aves I. Tafel X.). Da das Jugendkleid dieser Art nicht beschrieben ist, und sich sehr wesentlich vom ausgefiederten Vogel durch die Farbe unterscheidet, so gebe ich davon nachstehend eine genaue Abbildung und Beschreibung, um so zu verhüten, dafs ruhmgierige Artenfabriken die Wissen- schaft mit einem neuen Synonyme behelligen.
II. Lamprotornis mit langem Schwanz.
Lamprotornis aeneus (Temm.). Levaillant Oiseaux d’Afrique, Vol. 2. pl. 87. Die Be- schreibung und Abbildung in Buffon Planches enluminees Vol IV. pag. 91 und Taf. 220 unter dem Namen Merle & longue queue du Senegal, welche man gewöhnlich als diese Art vorstel- lend, eitirt **), scheint mir eine andere Art zu seyn. Diesen Vogel erhielt ich am Bahher Abbiad und im Kordofan, wo er in buschigen Gegenden familienweise zusammen lebt; seine Iris ist hellgelb.
Lamprotornis morio (Temm.). Sehr gut ein Männchen davon abgebildet durch Levaillant Oiseaux d’Afrique, Vol. 2. pl. 83 als le Roupenne; findet sich in mehreren mit Buschwerk bedeckten abyssinischen Provinzen der höhern Landschaft, wie Haremat, Simen und Gondar, gewöhnlich in grossen Familien zusammen lebend. Aber Abyssinien beherbergt eine andere neue Art, die zwar mit L. morio durch das verschiedene Farbenkleid beider Geschlechter ziemlich übereinstimmt, doch auf den ersten Blick sich durch den weit dünneren gerad gestreckten Schna- bel und durch weit keilförmigeren Schwanz genügend unterscheidet, und die ich nachstehend
unter dem Namen Zamprotornis tenuwirostris bekannt machen werde.
*) Symbol» physic», Aves Decas I, Bogen aa. Note. **) Van Swinderen Catalogue, pag. 4. und Cuvier Regne animal Vol. I. pag. 371.
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Vögel.
26 Taf. 10. Fig. 1. Lamprotornis tenuirostris. Rüppel.
Diagnos. Lamprotornis rostro tenui elongato, culmine recto, dertro subdeflexo, cauda cuneata, rectricibus intermediis longioribus, colore maris pileo et regione parotica nigro viridescente, gutture, pectore, abdomine, flexura alarum, tergo et uropygio nigro coerules- cente; interscapulio, tectrieibus, cauda et tibiis pernigris; remigibus ferrugineis, eorumque apice nigro. Foemina capite, collo et gastr&o nigro coeruleo, plumarum apicibus aut limbo cinerascentibus.
Der Schnabel dieses Vogels ist viel schlanker und an der Basis schmäler als bei allen andern mir bekannten Lamprotornisarten; seine Kuppe ist beinahe gerade, und nur gegen die Spitze zu krümmt sie sich etwas abwärts; besonders fällt dieses Abweichen von der Normalform der Gattung auf, wenn man diesen Vogel mit dem ihm im Gefieder so ähnlichen Lamprotornis morio vergleich. Der Schwanz ist lang, stark gestaffelt; aber besonders noch durch das Her- vorragen der beiden mittleren Federn vollkommen keilförmig. Die Flügelspitzen reichen bis zum Viertheil der Schwanzlänge; ihre erste Flugfeder ist verkümmert, die zweite nur weniges kürzer als die dritte, welche die längste ist.
Ganze Körperlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende . . 12‘. 8
Länge des Schwanzes . . 6 a . c © c ß . . 6. 0 Vom Flügelbug bis zum Ende der dritten Flugfeder 0 . 6 ö 5. 8 Länge des Schnabels vom Mundwinkel bis zur Spitze 2 0 0 ® l. 12, Dessen Breite an der Basis . . . . . . . ö . c — 5 Seine Verticalhöhe ebendaselbt 0 0 u. — 3% Länge des Tarsus 0 a ee ee N: "0 22: l. 3
Länge. (der Mittelzehe en — 10%
Das Gefieder des Männchens und Weibchens ist verschieden gefärbt. Bei ersterem ist der Oberkopf und die Ohrengegend grünlich schwarz, der Nacken, die Kehle, Brust, kleine Flügel- deckfedern und Hinterrücken blauschwarz; der Bauch, die Schenkel, Schwanz, Rückenmitte und grosse Flügeldeckfedern rauchschwarz; die grossen Flugfedern sind schön rostroth, und gegen das Ende zu schwarz. Füsse und Schnabel schwarz, Iris braun. Bei den Weibchen ist der ganze Kopf, der Nacken und die ganze Brust von matt blauschwarzer Farbe, jede Feder mit einer hellgrauen Endspitze; am Bauch und Bürzel sind die Federn dunkelblau mit einer schmutzig grauen Randeinfassung.
Diese Vögel leben schaarenweise zusammen in Gegenden, wo Hochgebüsch vorkömmt, auf dessen dünnen Aesten sie sich herumtreiben; dieselben Sitten hat Lamprotornis morio und aeneus, die alle lange Schwänze haben, während die mit kurzen Schwänzen beschriebenen Arten auf der Erde und im niedern Gebüsch ihrer Hauptnahrung, aus verschiedenen Insekten bestehend, nach- streben. Alle von mir beobachteten Lamprotornisarten sind im Leben sehr beweglicher Natur, wie die Drosseln, und nicht sonderlich geräuschvoll, im Gegensatze mit den Ixosarten. Keiner dieser Vögel zeichnet sich durch angenehme Stimme aus.
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Taf. 11. Fig. 1. Lamprotornis rufiventris. Rüppell.
oder Lamprotornis chrysogaster varietas abyssinica.
Diagnos. Lamprotornis capite supra viridi-cinerascente, gula et pectore, dorso et tectrieibus colore viridi nigricante, splendore metallico; inter oculos et nares macula nigra, uropygio et cauda coeruleo nigricante, illa lineis transversis obscurioribus ; abdomine, crisso et tibiis ferrugineis, remigibus umbrino-nigris, vexillo interno parte media albido-isabellino.
Grösse einer Blaudrossel (Turdus cyaneus). Stirn und Oberkopf graugrün; Nacken, Rücken, Flügeldeckfedern, Kehle, Hals und Brust bis zur Bauchmitte schön schwarzgrün mit lebhaftem entenhälsigem Metallschimmer. Die Gegend zwischen Augen und Nasenlöcher ist schwarz, der Bürzel und die obere Seite des Schwanzes glänzend stahlblau, letzterer mit feinen wellenförmigen dunkleren Querlinien. Die Flugfedern sind schwarzbraun; an jeder ist der mittlere Theil der innern Fahne weifslich isabellfarbig. Der Bauch, die Schenkel und die Aftergegend sind dunkel- rostroth und glanzlos; die untere Seite des Schwanzes rauchschwarz. Schnabel und Füsse schwarz,
Iris hellgelb.
Ganze Körperlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende a Länge des Schwanzes ENT Vom Flügelbug bis zur Spitze der dritten Flugfeder ® ö oo 4. 2
Länge des Tarsus 5 e 5 5 5 5 . > B 5 ö 1. 114 Länge des Schnabels vom Mundwinkel bis zur Spitze . .. . — 10
Beide Geschlechter haben im ausgebildeten Zustande ein gleiches Farbenkleid; die jungen Vögel unterscheiden sich von den ausgefiederten, indem sich auf der Brust und dem Halse rostrothe Federn unter den von grüner stahlglänzender Farbe befinden.
Dieser Vogel kömmt ungemein häufig in vielen der wärmeren Provinzen Abyssiniens, beson- ders auch längs den Küstengegenden, ferner in Sennaar, Schendi und Kordofan das ganze Jahr
über vor.
Taf. 11. Fig. 2. Lamprotornis chalybaeus. Avis juvenis.
Diagnos. Lamprotornis pileo et cervice viridi-umbrino splendente, regione parotica et macula ante oculos nigra, dorso et tectricibus majoribus colore viridi-aneo splendore chalybao, tectricibus minoribus, uropygio, parte superiori caud& et tibiis coerulescenti- violaceis, gutture, collo, pectore et abdomine rufo-isabellino.
Grösse und Totalhabitus der Rohrdrossel (Turdus iliacus). Oberkopf und Nacken dunkel- grünbraun, taubenhälsig opalisirend; der Raum zwischen dem Mundwinkel und Auge und die Ohrengegend schwarz; kleine Flügeldeckfedern, Rückenmitte, Bürzel und obere Seite des Schwan- zes grünblau mit Stahlglanz; grosse Flügeldeckfedern braungrün mit schönem entenhalsigem Schiller. Flugfedern dunkelbraun, auf ihrer äussern Fahne mit blaugrünem Schiller. Die ganze untere Seite des Vogels vom Schnabel bis zur Schwanzbasis ist schmutzig röthlich isabellfarbig, die Endspitzen der Federn der Brust sind etwas heller; auf den Schenkeln kömmt bereits das schöne stahlblaue Gefieder zu Tage, in welchem der ausgebildete Vogel glänzt. Die untere Seite des Schwanzes ist schwarzbraun. Schnabel und Füsse schwarz.
28 Oriolus.
Die Zunge dieses Lamprotornis ist schmal, etwas comprimirt, und hierdurch längs der Mitte ausgehohlt; ihre Substanz ist hornig, und die Endspitze etwas zaserig. Der Magen ist mem- branös; in demselben fanden sich vorzugsweise Termiten und Insekten-Larven. Bei der von Herrn Ehrenberg bekannt gemachten sehr genauen Abbildung eines erwachsenen Männchens*) finde ich das Colorit des Bauchs etwas ungenügend; denn in der Natur ist solches vom schön-
sten lebhaft glänzenden Königsblau. —
Oriolus. Linne.
Von dieser Gattung beobachtete ich in dem von mir bereisten Theile von Afrika nur 2 Arten; die eine ist die wohlbekannte Oriolus galbula, die in ganz Egypten das ganze Jahr über nicht ungewöhnlich ist, auch im peträischen Arabien heimisch ist, und in beiden Gegenden auf Dattel- palmen lebt. Die zweite ist der Vogel, von welchem Buffon**) unter dem Namen le Moloxita, wie es scheint nach Mittheilungen des abyssinischen Reisenden Bruce, eine kurze Notiz bekannt machte, die aber seitdem wenig beachtet wurde. Dieser Vogel, welchen es mir glückte in ziemlicher Anzahl in Abyssinien aufzufinden, hat zwar eine nahe Verwandtschaft mit dem in Indien vorkommenden Oriolus melanocephalus Linn., ist aber doch bestimmt von ihm verschieden, und wenn anders die von Levaillant gegebene Abbildung und Beschreibung des Jugendkleides seines Loriot Coudougnan nicht als irrthümlich anerkannt wird, als eine eigene selbstständige Art, oder doch als sehr merkbare und constante climatische Varietät der Capischen Art zu betrachten. Es gäbe also in Zukunft drei Arten von ÖOriolus, die sich durch ihr Farbenkleid sehr nahe stehen, welches bisher die verschiedenen ornithologischen Autoren zu grosser Verwir- rung veranlafst hat; und es wird nicht überflüssig seyn, solche nachstehend zu analysiren.
Buffon kannte, wie es scheint, nur den abyssinischen Oriolus, der, wie schon bemerkt, von ihm unter dem Namen „Le Moloxita ou le religieux d’Abyssinie“ beschrieben, aber nicht abgebildet wurde.
Vaillant ***) bildete Männchen und Weibchen des am Cap vorkommenden schwarzköpfigen Pirol ab, den er Coudougnan benennt, und stellt die Frage auf, ob dieser Vogel nicht mit dem von Buffon beschriebenen Moloxita identisch sei.
Latham 7) benennt den in Rede stehenden Levaillantischen Vogel Oriolus monachus, und führt den Buffon’schen aus Abyssinien abstammenden Moloxita als Synonym auf.
Lichtenstein +f) führt unter einem neuen von ihm gegebenen Namen, Oriolus larva- tus, den Coudougnan der Caffrerei auf.
Vieillot in dem zweiten Bande der Enceyclopedie +f}) sagt bei seiner Beschreibung des in Indien lebenden Oriolus melanocephalus, dafs er den von Levaillant beschriebenen Loriot Coudougnan nicht für eine von dem indischen ©. melanocephalus verschiedene Art halte; aber
*) Symbole physice, Aves Decas I. Tafel X. **) Folio edition, Vol. IV, pag. 123. ***) Ojscaux d’Afrique Vol. VI. Taf. 261. 262. pag. 38. 7) General history of birds, 1822, Vol. 3. pag. 142. ir) Doublettenverzeichniss, 1823, pag. 20. irr) Paris 1823, pag. 696.
Oriolus moloxita. 29
durch eine unglückliche Vergessenheit führt er (pag- 665) den Moloxita des Buffon als einen eigenen Turdus unter dem Namen Turdus monachus auf! Ze a
Temminck endlich in seinem Arten-Verzeichnifs der Gattung Oriolus, abgedruckt in der 54. Lieferung seiner Planches coloriees, die 1826 ausgegeben wurde, begehet vor allem den groben Irrthum, dafs er sagt: Espece 5. Oriolus melanocephalus Vaillant pl. 263, patrie cer- taine l’Afrique meridionale!! (Dieser Vogel kömmt nur in Ostindien vor, obgleich in ganz neuerer Zeit Obrist Sykes auch behauptet, dafs derselbe in Afrika lebe) *). Ferner giebt er als Espece 6. dem nun. bereits zweimal mit verschiedenem lateinischen Gattungsnamen bezeichneten Loriot coudougnan eine neue Benennung, Oriolus coudougnan (Temminck) !
‚Ich‘ gebe nun nachstehend eine genaue Beschreibung des Jugend - und Alterskleides des von Buffon unter dem Namen Le Moloxita beschriebenen abyssinischen Pirol, welche ich durch eine getreue Abbildung versinnliche, und überlasse es dem Gutdünken jedes einzelnen Naturforschers, diesen Vogel entweder als eigene Art, oder als eine constante climatische Varietät des capi- schen gelb und schwarzen Pirol (O. monachus) zu betrachten.
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Taf. 12. Fig. 1. Oriolus moloxita. Buffon.
Diagnos. Oriolus capite et collo aterrimo, pectore, ventre, grisso, parte inferiori caud®, auchenio et uropygio colore citrino; intersca- pulio et tectricibus minoribus prasi is; tectrieibus majoribus ct remigibus primariis atque secundariis nigricantibus, his limbo externo, illis apice niveo, rectrieibus intermediis tota longitudine, lateralibus parte media viridi, rostro coccineo, pedibus nigris.
Der ganze Kopf, Nacken und Hals schön sammetschwarz ; das Schwarze erstreckt sich übrigens keineswegs auf die Brust, wie solches bei Oriolus melanocephalus der Fall ist. Basis des Halses, Brust und ganze untere Körperseite, Bürzel und theilweise der Schwanz vom schön- sten gleichfarbigen Zitrongelb; Rückenmitte, kleine Deekfedern der Flügel, die obere Seite der zwei mittleren Schwanzfedern, und theilweise in abnehmendem Verhältnisse, der Basaltheil der 4 Paar zur Seite stehenden Schwanzfedern , schön zeisiggrün. Flügel dunkel rauchgrau, die mittleren Deckfedern mit weisser Endspitze, wodurch eine Querbinde über die Flügel gebildet wird; die erste und zweite Flugfeder auf der äussern Fahne weils gerändet. Schnabel und Iris lackroth, Füsse grauschwarz. Beide Geschlechter des ausgewachsenen Vogels sind sich in der Federfärbung ganz gleich; das Jugendkleid ist durch den rein zitrongelben Schwanz erkenntlich, dessen zwei mittlere Federn allein hell grasgrün sind.
Ganze Körperlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende. . 9 44 Länge des Oberschnabels von dem Mundwinkel bis zur Endspitze.. . 0. 111, **) LängeddestTarsuien ne ee EEE. 00 Länge der Mittelzehe, ohne den Nagel . . . 20 .2.020..0 8 Länge des Schwanzes Te Vom Flügelbug bis zur Spitze der vierten Flugfeder, welche die längste ist 5. 4
*) Proceedings of the Zoological Society 1832. pag. 87.
**) Bei ©, monachus beträgt die Schnabellänge 14“ und bei O. melanocephalus von Ostindien 1414.
Vögel.
vi
so Prionops (Lanius) eristatus.
Dieser Vogel lebt schaarenweise zusammen in buschigen Gegenden in der abyssinischen Provinz Temben, deren relative Höhe beiläufig 5000 franz. Fuls: beträgt; ihre-Nahrung bestehet gleich den bekannten Arten aus Beeren und Insekten-Larven. Ihre Stimme: ist mir nicht beson-
ders aufgefallen. u — -
Lanius. Linne. vo
Die an verschiedentlich gefärbten und geformten Arten so zahlreiche Gattung der Lanius, welche über die gemässigte und heisse Zone des ganzen Erdballs verbreitet ist, wurde in neuerer Zeit in sehr viele Untergattungen abgesondert. Eine derselben benannte Vieillot Przo- mops; sie ist gegründet auf einen zugeschärften Federkamm, welcher die Nasenlöcher ganz überdeckt, und dem ganzen Profil des Vertex entlang stehet; man kannte bis jetzo nur eine Art dieser Untergattung, die zuerst von. Shaw unter dem Namen Lanius plumatus beschrieben wurde *), wovon später Levaillant unter der Benennung Le Geoffroy den alten und jungen Vogel abbildete **), und die endlich Vieillot in der Galerie des Oiseaux unter dem Namen Prionops Geoffroy noch einmal und zwar ziemlich mittelmässig darstellte ***). Bei meiner früheren Berei- sung der abyssinischen Küste (1827) sammelte ich in nahmbarer Anzahl einen Vogel ein, der viele Aehnlichkeit mit diesem Lanius plumatus hat, und welchen ich Lanius cristatus benannte, den aber Herr Dr. Cretzschmar, welcher damals die Beschreibung der von mir entdeckten Vögel während meiner Abwesenheit bekannt machte, ganz irriger weise mit jenem Lanius des Levail- lant identisch hielt, und selbst die vielen von mir überschickten Doubletten sämmtlich beim Vertauschen als Lanius Geoffroy bezeichnete. Die Selbstübernahme der Bekanntmachung meiner neuentdeckten Vögel giebt mir Veranlassung diese Irrung zu berichtigen; und vor allem mufs ich die Genauigkeit der Levaillantischen Abbildung des Prionops plumatus bestätigen, die ich Gelegenheit hatte, mit einem in Herrn von Feldegg’s Sammlung befindlichen Exemplare des Vogels selbsten zu prüfen.
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Taf. 12. Fig. 2. Prionops (Lanius) cristatus. Rüppell.
Diagnos. Prionops plumis ante et supra oculos positis antrorsum et sarsum speetantibus, orbita verrucis--citrinis circumdata, capite, collo et gastreo colore niveo, nucha avis adulti torque isabellino, ayis juvenis torque cinereo, dorso et alis nigris, remigibus primariis vexillo interno parte media, et remigibus secundariis apice limbo albo, rectrieibus nigris, lateralibus colore albo terminatis, rostro nigro, pedibus colore isabellino, unguibus corneo. “
Körpergrösse des Lanius minor; die Federn, welche die Kopfgegend vor und ‚über dem Augenliederrand besetzen, haben haarförmige etwas steife Bartzasern, die alle theils vorwärts, theils aufwärts nach der Median-Linie des Kopfes gerichtet sind, so dafs sie sich auf derselben als kammförmige Zuschärfung vereinigen. Sie überdecken ganz die Schnabelbasis ‘und Nasen-
*) Shaw general. Zoolog. Vol. VII. pag. 292. **) Oiscaux d’Afrique Vol. 2, pl. 80 und 81. ***) Galcrie des Oiscaux pl. 142. Dieser Vogel muss also in Zukunft Prionops plumatus heissen,
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Prionops (Lanius) cristatus. 31
löcher. ' Alle diese Federn sind schneeweifs, ebenso der ganze Nacken, die Kehle, Brust, Bauch, Bürzel' und ‘die Endspitzen der Schwanzfedern. Von der Ohrengegend gehet eine schwach ange- deutete Binde von gelblich grauer Farbe über den Hinterkopf. Rücken , Schwanzdeckfedern, Flügel und gröfster Theil des Schwanzes dunkel rauchschwarz; auf der Mitte der innern Fahne der Flugfedern ist ein schneeweisser Flecken, der jedoch bei anliegendem Flügel nicht sichtbar ist. An der Endspitze der grossen Flugfedern ist ein schmaler kaum bemerkbarer weisser Saum. Der Schwanz ist etwas zugerundet; dessen äusserste Feder ist schneeweils; bei den andern wird das Weisse allmählich durch schwarze Farbe nach der Spitze der Federn gedrängt, so dafs die beiden mittleren Schwanzfedern beinahe ganz schwarz sind. Rund um die Augen ist ein wohl- entwickelter Ring von citrongelben Fleischwarzen. Die Füsse sind isabellgelb, die Nägel horn- braun, die Iris braun, der Schnabel schwarz. Beide Geschlechter sind ganz gleich gefärbt, aber im Jugendalter ist der Hinterkopf und Nacken dunkelgrau, welche Farbe durch ein weisses Halsband vom schwarzen Gefieder des Rückens getrennt ist. Ganze Körperlänge . . 2. 0;
Länge des Schnabels vom Mundwinkel bis zur Endspitze — 9 Länge vom Flügelbug bis zur Endspitze der vierten Flugfeder 4. 4 Länge des Schwanzes ee ERDE 4 Länge des Tarsus 4 . ee a a a a en LO)
Diesen Prionops fand ich im ie 1827 in zahlnbiehen Schaaren, während der Regenzeit (Januar und Februar), in den Thälern der abyssinischen Küste bei Massaua; er lebt auf nie- derm Gebüsch auf Insekten Jagd machend; während meiner neuern Bereisung von Abyssinien ist mir kein einziges Individuum dieser Art vorgekommen.
Ob der in dem Appendix zu Salts Reise nach Abyssinien pag. I. durch Lord Stanley be- schriebene Lanius poliocephalus das Jugendkleid vorstehenden Vogels sei, vermuthe ich ohne es behaupten zu können, da jene Beschreibung unvollständig ist; Latham hielt freilich den von Salt überbrachten Vogel, den er vor sich liegen hatte, für identisch mit dem von Levaillant Oiseaux d’Afrique pl. 74 abgebildeten Lanius silens; sollte sich übrigens meine Vermuthung bestätigen, so müfste in Zukunft der Name meines Prionops eristatus in Prionops poliocephalus
umgeändert werden *).
Uebersicht der geographischen Verbreitung der von mir auf meinen Reisen in Afrika einge- sammelten zur Sippe der Lanius gehörigen Arten. ur Lanius rufus (Brisson), kömmt in Abyssinien, Kordofan, Nubien, ganz Egypten und dem peträischen Arabien ziemlich häufig vor. ED. collurio (Brisson), ‘beobachtet nur in Egypten und dem peträischen Arabien. E. cubla (Latham), sehr gut abgebildet in Leyaillant Ois. d’Afrique pl. 72; häufig an der abyssinischen Küste, auch in Sennaar und Kordofan. L. eruentatus (Ehrenberg), abgebildet in Symbol physica, Aves Decas I. Tafel 3; häufig in r der abyssinischen Küstenlandschaft, auf lichtem Mimosen-Gesträuch lebend.
*) Uebrigens ist in neuerer Ze it der Name Lanius poliocephalus noch einer Art durch Lichtenstein gegeben worden, die am Senegal vorkömmt, und welche er im Berliner Doubletten-Catalog pag. 45 beschrieben hat,
32 Prionops (Lanius) cristatus.
Lanius personatus (Temminck), abgebildet planches coloriees No. 256. Fig. 2. Dieser Vogel, welchen ich zu Anfang des. Jahres 1822 häufig im peträischen Arabien ‚einsammelte, und mit dem Artennamen L. diadematus bezeichnete, ward von Herrn Temminck, als. er dessen Abbildung nach vom Frankfurter Museum erhaltenen Exemplaren bekannt machte, mit. dem Artennamen L. personatus belegt; im Verlauf meiner 'spätern' Reise "beobach- tete ich diesen Vogel als einen zahlreichen Bewohner von ganz Egypten, Nubien, Kordo- fan und Abyssinien. Wenn daher die Benennung des Herrn Lichtenstein, als er im Jahr 1823 diese Gattung in dem Berliner Doubletten Catalog als L. nubicus beschrieb, zwar mit der Temminck’schen gleichzeitig. ist, so dürfte doch letztere den Vorzug. verdienen, da die andere als auf eine einseitige Localität sich beziehend, nicht die vorzüglichste ist.
L. erythrogaster (Rüppell), sehr gut abgebildet in meinem zoologischen Atlas Taf. 29., ward nur in den behölzten Niederungen von Sennaar beobachtet.
L. erythropterus (Shaw) oder L. senegalensis (Lin. Gmel.); mittelmässig abgebildet auf Buffon planches coloriees No. 479. Fig. 1.; kömmt häufig an der abyssinischen Küste, allen niedern Provinzen des Landes und auch in Sennaar und Kordofan vor, jedoch mit elimatischer Farbenveränderung. Mit dieser Art machte Latham (General history of Birds vol. 2. pag. 23), die Verwechselungen, dafs er mit ihr synonym aufstellt den Lanius Tchagra, vom Cap, den Levaillant (Ois. d’Afrig. Vol. 2. pl. 70.) abbildete, eine sehr gut begründete Art, durch den langen vorn allmählich gekrümmten Oberschnabel, die grünliche Farbe des Oberkopfes, Rücken- und Flügeldeckfedern, und eine aschgraue Brust und Bauch sehr leicht erkenntlich. Dagegen scheint mir der Lanius senegalensis des Buffon (pl. enluminees 297. 1.), nichts als eine ungenügende Abbildung dieses L. erythropterus, an welchem der Schwanz nicht richtig dargestellt ist, während an der Abbildung des ersteren (pl. 479. 1.) die weissen Schulterfedern, welche nur unter dem Flügelbug sich befinden, irrthümlich oberhalb und hinter demselben gemalt sind. Von dem L. erythro- pterus beobachtete ich zwei durch climatischen Einflufs veranlafste Varietäten; bei dem in Kordofan lebenden Vogel ist Nacken und Rückenmitte, isabellfarbig, und die ganze untere Körperseite beinahe milchweißs, auch sind die Füsse hellbraun; diejenigen, welche an der abyssinischen Küste vorkommen, haben den Nacken, die Seite des Halses und die Rücken- mitte grünbraun, Brust und Bauch blaugrau, und die Füsse dunkelbraun; sonst sind beide Spielarten durch Statur, Schnabelform und übrige Färbung identisch. Zu’ bemerken ist, dals zuweilen bei beiden der Unterschnabel gelblich ist. Als Beweis, mit welcher unver- zeihlichen Leichtfertigkeit gewisse Schriftsteller eompiliren, mache ich darauf aufmerksam, dals Vieillot in der Eneyclopedie er keinen einzigen dieser Vögel als Art un men oder sonst erwähnt hat! ”
L. @thiopicus (Vieillot), beschrieben in der oe methodique, Orig pag. 731, aber die als synonym eitirte Abbildung des. Levaillant, Ois. d’Afrique pl. 68 ist irrig, denn dieses ist eine eigene Art, die unser Museum in mehreren Exemplaren besitzt, und die heissen dürfte L. boubon Levaillant. Ersterer ist der von Buffon Vol. IV. pag. 123 beschriebene Merle noir et blanc d’Abyssinie. Dieser Vogel ist sehr häufig an der abys- sinischen Küste, auf niederem Gebüsche lebend.
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Falco. 33
Lanius collaris (Latham), noch einmal von Latham beschrieben als Lanius abyssinicus*), gut abgebildet von Levaillant Afrique pl. 61 und 62 als Le Fiscal; auch in Jardine orni- thological illustrations pl. 52; ward von mir nur in der mittleren Zone Abyssiniens, d. h. in einer Höhe von 5 & 7000 Fufs über die Meeresfläche beobachtet.
L. brubru (Latham), sehr gut beide Geschlechter abgebildet von Levaillant pl. 71; findet sich sehr häufig sowohl an der abyssinischen Küste als in den mittleren Zonen dieses Landes.
L. excubitor (Linne), kömmt häufig in Egypten und im peträischen Arabien vor.
L. minor (Linne), ebenfalls häufig in beiden Ländern, aber auch an der abyssinischen Küste, auf der Insel Dahalak beobachtet.
Prionops cristatus (Rüppell), häufig in gewissen Jahreszeiten an der abyssinischen Küste.
Tamnophilus olivaceus (Vieillot), abgebildet in der Gallerie des oiseaux pl. 139. Von mir auf Tamarinden Bäumen im Kordofan erlegt. E
Falco. Linne.
Nachstehend beschriebene Arten der zahlreichen Gattung Falco, sämmtlich aus Nord-Ost- Afrika, sind, wie es mir scheint, bis jetzt alle den Naturforschern unbekannt **); ich befolge hierbei die von Cuvier angenommenen Unterabtheilungen, jedoch nur indem ich die für seine Sectionen gebrauchte Benennung in Klammern hinter das Wort Falco beifüge, wie ich denn überhaupt geneigt bin, statt der endlos sich mehrenden neuen Gattungsnamen, die von einigen Natur- forschern vorgeschlagene Trinair-Nomenclatur in Anwendung zu bringen.
Der Beschreibung meiner neuentdeckten Falken lasse ich wie gewöhnlich eine Zusammen- stellung folgen nicht allein sämmtlicher von mir in Afrika beobachteten Arten dieser Gattung, sondern auch der übrigen Raubvögel, die ich in jenem Lande eingesammelt habe.
*) General history of birds 1822. Vol. 2. pag.22 und 33.
**) Die grofse Schwierigkeit, ja ich möchte sagen die Unmöglichkeit, die Falkenarten nach blofsen Beschreibungen zu erkennen, macht mich nur mit all zu vielem Grunde befürchten, dass mehrere meiner neuen Arten bereits von irgend einem Naturforscher beobachtet und beschrieben wurden. Jede freundliche Zurechtweisung werde ich daukbar anerkennen und benutzen; unterdessen hatte ich nicht unterlassen, meine Vögel in die ornithologischen Sammlungen zu London, Knowselay und Paris zu bringen, um mich durch Vergleichung zu belehren, aber wenig oder nichts meiner Absicht förderliches vorgefunden.
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Vögel,
34 Falco (Aquila) albicans.
Taf. 13. Falco (Aquila) albicans. Rüppell.
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Fig. 1. Avis adulta masc, et fem. Fig. 2. Avis hornotina.
Diagnos. Mas adult. Falco corporis colore albido rufescente, remigibus primariis umbro-nigricantibus, tectrieibus majoribus et mediis umbrino fuscis, apicibus albidis, cauda recta, subtus et supra umbro-cinerascente; pennis capitis et colli acuminatis, cera et pedibus colore citrino.
Avis hornotina. Capite, collo antice, pectore, ventre et tectrieibus minoribus colore umbrino fusco, rhachi hepaticis, remigibus secundariis et primariis umbrino nigricantibus, cauda supra umbro fusca, subtus rufo-cinerascente, tibiis, tarsis et crisso colore hepatico.
Avis annotina. Capite et collo rufescente sordido, pectore, auchenio et interscapulio umbrino fusco, pennarum parte mediana hepatica, tectrieibus minoribus, abdomine et tibiis albido rufescentibus; reliqua ut in avi hornotina.
Diese Adlerart, welche ich in allen Alterskleidern vielfältig zu beobachten Gelegenheit hatte, kömmt in Körpergröße dem ausgewachsenen Vogel eines Falco brachydactylus gleich. Beide Geschlechter sind sich gleich in Gröfse und Färbung; die Flügelspitzen reichen bis 31% Zoll vor dem Schwanzende, welches letztere beinahe rechtwinkelig abgestutzt ist; denn ganz genau ge- nommen ist die äußerste Seitenfeder des Schwanzes etwas krümmer als die dazwischen befind- lichen. Der Schnabel ist stark, lang gestreckt und ohne Auskerbung oder Zahn an der Kante. Die Federn des Kopfes, Nackens und Vorderhalses sind sämmtlich zugespitzt; die Fülse bis an die Basis der Zehen befiedert; die Klauen stark, aber nicht sonderlich lang.
Körperausmessung.
Ganze Körperlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende . . . 2% 3. 0% Länge des Schnabels längs der Krümmung von der Endspitze bis zum Anfang
der Wachshaut . : ; . 5 0 5 6 ö & 0 5 — 19: Verticalhöhe des Schnabel . 5 R > N = x R 5 E — — 11%. Länge des Schwanzes 5 B 2 o ; 8 5 & 8 ‚ B B — 9 — Länge des Tarsus . : . ; b 5 8 & : : : & A — 2.6. Flügellänge vom Bug bis zur Spitze der vierten Flugfeder . . . 5 1. 7. 4.
Das Gefieder des alten ausgemausten Vogels in beiden Geschlechtern ist auf dem Kopf, Halse, Rückenmitte, den kleinen Flügeldecken, an den Beinen und der ganzen untern Körper- seite schmutzig röthlichweifs. Schwungfedern schwarzbraun; die Schwungdecken dunkelbraun, gegen den Endrand zu’hellgrau; der Schwanz oben graubraun, unten rothgrau, dessen Endrand verwaschen rostroth. Wachshaut und Zehen eitrongelb; Nägel und Schnabel schwarz; Iris gelbbraun.
Bei dem jungen Vogel ist das ganze Gefieder mit Ausnahme des Nackens, der Schenkel und der Aftergegend dunkel schwarzbraun, dabei auf jeder Feder längs des Schafts ein gelbbrauner Streifen, welcher am Kopfe, Hals und Brust schmal, etwas breiter am Bauch, und noch breiter und lanzettförmig auf der Rückenmitte und den Flügeldeckfedern ist. Die obere Schwanzseite und die Schwingen der Flügel sind einförmig schwarzbraun; Nacken, Schenkel und Aftergegend schmutzig braunroth; untere Seite des Schwanzes graubraun.
Der einjährige Vogel hat beinahe durchaus ein leberbraunes Gefieder, nur einzelne schwarz- braune Flecken sind auf den Seiten der Federfahnen der Brust und Rückenmitte zerstreuet; die
Falco (Circaetus)' funereus. 35
Schwingen, grofse Deckfedern der Flügel und die obere Schwanzseite ist dunkelbraun; auf letzterer sind acht undeutliche dunkelgraue Querbinden gezeichnet, wovon sich weder bei dem jungen noch älteren Vogel eine Spur findet.
Bei dem zweijährigen Vogel ist der Kopf und Hals hellrostroth, Rückenmitte und Brust leberbraun mit schwarzbraunen Flecken; Bauch, Schenkel, After- und kleine Flügeldeckfedern röthlichweils; Flügel und Schwanz wie beim ganz. alten Vogel.
Wir fanden diese Adlerart ziemlich häufig in der abyssinischen Provinz Simen; sie ver- sammelten sich familienweise an dem Aas des von uns getödteten Wildes, wovon sie mit Gier fralsen; ward sonst in keinem der von uns bereisten Landstriche beobachtet; aber in den Kasten, in welchen Herr Burchell seine in Süd-Afrika gemachten reichhaltigen Naturaliensamm- lungen auf seinem Landsitze zu Fullham nun seit beinahe 20 Jahren nutzlos für die Wissenschaft verschlielst, fand ich gleichfalls Individuen dieser Falkenart, welche er in der Caffrerei erlegt.hatte.
Taf. 14. Falco (Circaetus) funereus. Rüppell.
Diagnos. Femina adulta. Falco rostro validissimo, apice elongato, uncinato, cera cinerascente, pilis sursum curvatis teeta, pedibus validis, tarsıs reticulatis, alis caudae apicem recte truncatum aequantibus, totius corporis colore umbrino chocoladino, cauda supra nigricante tribus fasciis cinerascentibus, margine albido.
Von dieser ausgezeichneten Falkenart,. welche in Gröfse etwas weniges den in gleicher Ab- theilung stehenden Falco brachydactylus und Falco pectoralis übertrifit, erhielt ich nur ein einziges